Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c8.24
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c8.24
- Language
- German
c8.24
Man sieht also, dass in der Summe der Vargas Śaunaka mit den von mir festgestellten Daten des heutigen Textes übereinstimmt. Aber in der Zahl der Verse liegt eine Differenz vor: und diese Differenz beläuft sich auf 15, also genau auf die Verszahl des Samjñânaliedes. Ohne Mitzählung dieses Liedes — dass er es nicht mitzählt, zeigen seine 2006, nicht 2010 Vargas — findet Śaunaka eine Summe, welche der traditionelle Text nur unter Hinzunahme des Liedes ergiebt. Wir schliessen daraus weiter: wenn Śaunaka als Gesammtzahl der Verse 10 580 (und einen Pāda) angiebt und dies unsern Zahlen unter Mitrechnung des Saṃjñāna-sūkta entspricht, so muss Śaunaka seinerseits dies Sūkta nicht mitgezählt haben; der Car.-Comm. aber, um Śaunaka’s traditionelle Gesamtsumme von 10 580-1 herauszubringen, hat das Saṃjñāna als ausfüllenden Nothbehelf verwandt, durch welchen die Differenz zwischen Śaunaka’s Ansätzen und dem modernen Text verhüllt wird. Weitere Verdachtgründe in Bezug auf die Mitrechnung des Saṃjñāna bei Śaunaka treffen an eben diesem Puncte mit den bisher entwickelten zusammen. Ist es an sich glaublich, dass, wie es nach dem Car.-Comm. der Fall sein müsste, die alte Zählung der Ṛigverse, welche die Zahl 10 580-1 ergab, das Saṃjñāna mitgerechnet haben sollte, während doch die Vālakhilyas nicht gerechnet wurden? Die Vālakhilyas, mindestens die auch von den Vāshkalas anerkannten, stehen der Geltung als Bestandtheil des Ṛigveda gewiss ebenso nah wie das Saṃjñāna. Und weiter: ist nicht die in der betreffenden Zählung angenommene Verszahl 15 des Saṃjñāna schon an sich verdächtig? Als Khila unsrer Ṛigrecension liegt das Lied in relativ acceptabler Gestalt, endend mit dem traditionellen Saṃhitāschlussvers tac cham yoḥ, in fünf Versen vor. Die funfzehnversige Gestalt (Car.-Comm. MS. fol. 19'-20') hat hinter diesem Schlussvers allerhand nicht zusammengehöriges und theilweise recht junges Machwerk, so den Upanishadvers bhūtam bhavishyat prastoti maham (so die Hs.) brahmaikam aksharam bahu brahmaikam aksharam, den Vers tryāyusham Jamadagneḥ etc., endlich am Ende des Ganzen den als Schluss nun einmal unentbehrlichen, aber schon vorher dagewesenen Vers tac cham yoḥ noch einmal! Mir scheint danach klar zu sein, dass das wahre Samjñāna nur fünf Verse hatte, das funfzehnversige aber zu irgend einem Zweck, wahrscheinlich eben um die seit Śaunaka traditionell gewordene Gesamtzahl der Rigverse herauszubringen, künstlich zurecht gemacht ist¹).
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- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit