Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c9.22
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c9.22
- Language
- German
c9.22
Enthält also der Text an sich keinerlei Indicien, welche zu Aenderungen Anlass geben könnten, so muss nun gefragt werden, ob sich die Operationen, welche Śaṅkhâyana mit ihm vorschreibt, aus technisch-liturgischen Gründen erklären lassen. Betrachten wir die Umgebung, in welche der Sûtraverfasser den Hymnus stellt. Die der Atirâtrafeier zugehörigen zwölf Râtriparyâyas umfassen unter andern Bestandtheilen den Vortrag je eines »jâgatam«. Dies sind nach Śaṅkh. IX, 7 fgg. (vergl. Âśvalâyana VI, 4, 10) die folgenden Texte: I, 51. — I, 52 mit den angegebenen Modificationen. — I, 53. — I, 54. — X, 48. — II, 16. — II, 17. — V, 34; statt des Schlussverses tritt V, 31, 3 ein. — II, 21. — X, 49. — I, 102, statt des Schlussverses I, 103, 5. — X, 96. — Ueberblickt man diese Texte, so findet man ihnen allen zwei Characteristica gemeinsam: sie richten sich an Indra und sie sind in Jagatî verfasst, aber so, dass der Schlussvers stets — bisweilen auch neben ihm ein oder mehrere andre Verse — in Trishtubh ist; die in der Vedenpoesie selbst so deutlich zu beobachtende Form des in Trishtubh auslaufenden Jagatîliedes (s. oben S. 145) ist also hier von der liturgischen Technik aufgenommen und in consequenter Bewusstheit durchgeführt¹). Aus den bezeichneten Characteristicis dieser Recitationen erklärt sich nun hinreichend die Wahl der für dieselben vorgeschriebenen Texte. Jagatîlieder mit Trishtubh-Schluss sind eine beliebte Form in der Savya- und der Kutsasammlung von Maṇḍala I, in Maṇḍala II, in der auf Indra Vaikuṇṭha zurückgeführten Liedergruppe von Maṇḍala X: daher die genannten Partien der Saṃhitâ an der betreffenden Stelle der Râtriparyâyas fast ausschliesslich vertreten sind ¹). Ausgemerzt musste werden, was sich nicht an Indra richtete. So vor Allem der Schlussvers von V, 34 mit dem Preis des Ṣatri Âgniveṣi und der Nennung des Agni. Aber auch der Schlussvers von I, 102 mit seinem tan no mitro varuṇo mâmahantâm etc. musste fallen; die späteren Liturgiker nahmen es eben mit der ausschliesslichen Beziehung der Recitationen auf den jedesmal anzurufenden Gott wesentlich genauer als die alten Lieddichter, welche oft, besonders am Schluss der Hymnen, ihre Anrufungen auf einen weiteren Götterkreis zu erstrecken liebten. Auf diese Weise verloren in der Litanei der Râtriparyâyas die Jagatî-lieder V, 34 und I, 102 ihre Triṣṭubh-Schlussverse ²), und diese, durch die liturgische Technik, wie wir sahen, gefordert, mussten also anderweitig ersetzt werden: daher man die beidemal aus der nahen Nachbarschaft des zu ergänzenden Liedes entnommenen Verse V, 31, 3 resp. I, 103, 5 den Litaneien hinzufügte.
Linked texts (3)
- Śāṅkhāyanaśrautasūtra — Śāṅkhāyana, Sanskrit
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit
- Āśvalāyanaśrautasūtra — Āśvalāyana, Sanskrit