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Grammatik der Prakrit-Sprachen c2.s2.1

Grammatik der Prakrit-Sprachen c2.s2.1

Language
German

c2.s2.1

§ 31. An die Spitze der einheimischen Bearbeiter des Prākrit müsste Bharata gestellt werden, wenn wir unter diesem Namen mit den Indern den mythischen Schöpfer der indischen Schauspielkunst verstehen wollten. Mk. fol. 1 zählt Bharata unter seinen Quellen auf. Weder das fol. 4 beigebrachte Citat, noch andere von Scholiasten erwähnte 1 finden sich in unserem Texte des Bhāratīyanāṭyaśāstra 2, in dem Adhyāya 17 von den Sprachen handelt und eine kurze, sehr verderbte Darstellung der Prākritgrammatik in Vers 6—23 gibt. Ausserdem enthält Adhyāya 32 zahlreiche Beispiele in Prākrit, die fast alle sinnlos entstellt sind. Dem Bharata wird noch ein zweites Werk, der Saṃgītanṛtyākara, zugeschrieben 3. Nach DEVĪPRASĀDA 4 ist es ein seltenes Werk. Aus ihm stammen die Citate schwerlich, eher aus einer anderen Recension des Nāṭyaśāstra. Neben Bharata erwähnt Mk. fol. 1 Śākalya und Kohala. Nach Mk. fol. 48 lehrte Śākalya neben tujjhesu, tumbhesu auch tujjhisum, tumbhisum, was nicht viele billigten (etat tu na bahusammatam) und nach fol. 71 in S. neben bhodi auch hodi⁵. Von Kohala wird das in § 23 erwähnte Citat gegeben. Ob beide mit den alten Grammatikern⁶ identisch sind, lässt sich nicht sagen. Ebenso wenig ist etwas Sicheres über Pāṇini zu ermitteln, dem Kedārabhaṭṭa im Kavikaṇṭhapāśa⁷ und Malayagiri⁸ eine Prākritgrammatik namens Prākṛtalakṣaṇa zuschreiben. Er wird auch als Verfasser zweier Kunstgedichte genannt, des Pātālavijaya und des Jāmbavatīvijaya⁹. Weil aus dem ersten die Formen gṛhya und paśyati citirt werden, die Pāṇini’s eigenen Regeln 7, 1, 37. 81 widersprechen, haben KIELHORN¹⁰ und BHĀṆḌĀRKAR¹¹ die Identität des Dichters mit dem Grammatiker Pāṇini bezweifelt. Seitdem wissen wir aber, dass das Alter der Kunstdichtung viel höher hinaufreicht, als man früher annahm¹². gṛhya ist auch im Mahābhārata und Rāmāyaṇa ganz geläufig, und ebenso sind Participia auf -atī statt -antī dort nicht selten¹³. Dass aber Pāṇini das Mahābhārata noch nicht gekannt haben sollte, ist höchst unwahrscheinlich. Seine Grammatik lehrt nicht die Sprache der Dichter, sondern die des correcten Skt. der Brāhmaṇa und Sūtra¹⁴, und daraus, dass er viele Formen nicht erwähnt, folgt nicht, dass sie zu seiner Zeit noch nicht vorhanden waren und er als Dichter sie nicht hätte gebrauchen können. Die Tradition hält den Grammatiker und Dichter für dieselbe Person¹⁵, und ich sehe keinen Grund, dies zu bezweifeln. Pāṇini kann also auch das Prākrit grammatisch behandelt haben, vielleicht im Anhange zu seiner Sanskritgrammatik, was wohl das Ursprüngliche war. Aber eine Prākritgrammatik des Pāṇini ist freilich schlecht genug bezeugt. Von Männern mit altem Namen citirt Mk. fol. 71 noch Kapila.

Cites (7)