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Grammatik der Prakrit-Sprachen c2.s2: B. Die Prākrit-Grammatiker

Grammatik der Prakrit-Sprachen c2.s2

Language
German

Contents

B. Die Prākrit-Grammatiker

c2.s2.1

§ 31. An die Spitze der einheimischen Bearbeiter des Prākrit müsste Bharata gestellt werden, wenn wir unter diesem Namen mit den Indern den mythischen Schöpfer der indischen Schauspielkunst verstehen wollten. Mk. fol. 1 zählt Bharata unter seinen Quellen auf. Weder das fol. 4 beigebrachte Citat, noch andere von Scholiasten erwähnte 1 finden sich in unserem Texte des Bhāratīyanāṭyaśāstra 2, in dem Adhyāya 17 von den Sprachen handelt und eine kurze, sehr verderbte Darstellung der Prākritgrammatik in Vers 6—23 gibt. Ausserdem enthält Adhyāya 32 zahlreiche Beispiele in Prākrit, die fast alle sinnlos entstellt sind. Dem Bharata wird noch ein zweites Werk, der Saṃgītanṛtyākara, zugeschrieben 3. Nach DEVĪPRASĀDA 4 ist es ein seltenes Werk. Aus ihm stammen die Citate schwerlich, eher aus einer anderen Recension des Nāṭyaśāstra. Neben Bharata erwähnt Mk. fol. 1 Śākalya und Kohala. Nach Mk. fol. 48 lehrte Śākalya neben tujjhesu, tumbhesu auch tujjhisum, tumbhisum, was nicht viele billigten (etat tu na bahusammatam) und nach fol. 71 in S. neben bhodi auch hodi⁵. Von Kohala wird das in § 23 erwähnte Citat gegeben. Ob beide mit den alten Grammatikern⁶ identisch sind, lässt sich nicht sagen. Ebenso wenig ist etwas Sicheres über Pāṇini zu ermitteln, dem Kedārabhaṭṭa im Kavikaṇṭhapāśa⁷ und Malayagiri⁸ eine Prākritgrammatik namens Prākṛtalakṣaṇa zuschreiben. Er wird auch als Verfasser zweier Kunstgedichte genannt, des Pātālavijaya und des Jāmbavatīvijaya⁹. Weil aus dem ersten die Formen gṛhya und paśyati citirt werden, die Pāṇini’s eigenen Regeln 7, 1, 37. 81 widersprechen, haben KIELHORN¹⁰ und BHĀṆḌĀRKAR¹¹ die Identität des Dichters mit dem Grammatiker Pāṇini bezweifelt. Seitdem wissen wir aber, dass das Alter der Kunstdichtung viel höher hinaufreicht, als man früher annahm¹². gṛhya ist auch im Mahābhārata und Rāmāyaṇa ganz geläufig, und ebenso sind Participia auf -atī statt -antī dort nicht selten¹³. Dass aber Pāṇini das Mahābhārata noch nicht gekannt haben sollte, ist höchst unwahrscheinlich. Seine Grammatik lehrt nicht die Sprache der Dichter, sondern die des correcten Skt. der Brāhmaṇa und Sūtra¹⁴, und daraus, dass er viele Formen nicht erwähnt, folgt nicht, dass sie zu seiner Zeit noch nicht vorhanden waren und er als Dichter sie nicht hätte gebrauchen können. Die Tradition hält den Grammatiker und Dichter für dieselbe Person¹⁵, und ich sehe keinen Grund, dies zu bezweifeln. Pāṇini kann also auch das Prākrit grammatisch behandelt haben, vielleicht im Anhange zu seiner Sanskritgrammatik, was wohl das Ursprüngliche war. Aber eine Prākritgrammatik des Pāṇini ist freilich schlecht genug bezeugt. Von Männern mit altem Namen citirt Mk. fol. 71 noch Kapila.

c2.s2.2

¹ PISCHEL, De gr. Pr. p. 1 f. — [^2]: Ausser der Ausgabe von ŚIVADATTA und PARAB (Bombay 1894 = Kāvyamālā. 42) habe ich die beiden MSS. in Pūṇā benutzt, die Abschriften desselben Archetypus sind und wohl der Ausgabe zu Grunde liegen. Die Ausgabe von GROSSET (Lyon 1897) reicht nur bis zum 14. Adhyāya. — [^3]: AUFRECHT, Cat. Cat. 1, 396. 686. — [^4]: A Catalogue of Sanskrit Manuscripts existing in Oudh for the year 1883 (Allahabad 1884) p. 100 f. — [^5]: PISCHEL, De gr. Pr. p. 2. 3. — [^6]: AUFRECHT, Cat. Cat. 1, 130 erwähnt einen Kohala, der Musikschriftsteller war. Er könnte mit dem Pktgrammatiker identisch sein. Vgl. auch WEBER, IStR. 2, 272 f.; IStR. 2, 325, Anm. 2; IS. 10, 277, Anm. 1; KLATT, ZDMG. 33, 472; LEUMANN, Actes du Sixième Congrès International des Orientalistes (Leide 1885) 3, 2, 557 f. — [^7]: Ein Werk dieses Namens findet sich ohne Angabe des Verfassers mehrfach genannt (AUFRECHT, Cat. Cat. 1, 86; 2, 16). Dem Kedārabhaṭṭa schreibt es zu D’ALWIS, An Introduction to Kachchāyana’s Grammar of the Pāli Language (Colombo 1863) p. xxv. Vgl. WEBER, IStR. 2, 325, Anm. 2. — [^8]: WEBER, IStR. 2, 325, Anm. 2; IS. 10, 277, Anm. 1; KLATT, ZDMG. 33, 472; LEUMANN, Actes du Sixième Congrès International des Orientalistes (Leide 1885) 3, 2, 557 f. — [^9]: AUFRECHT, ZDMG. 14, 581 f.; 28, 113; 36, 366 ff.; Halayudha s. v. ṣṛkvan; PETERSON, Subhāṣitāvali (Bombay 1886) p. 54 ff., der richtig bemerkt, dass die beiden Namen vielleicht dasselbe Gedicht bezeichnen; PISCHEL, ZDMG. 39, 95 ff. 316. — [^10]: GN. 1885, 185 ff. — [^11]: JBOAS. 16, 343 ff. — [^12]: BÜHLER, Die indischen Inschriften und das Alter der indischen Kunstpoesie. Wien 1890. Vgl. bereits BHĀṆḌĀRKAR l. c. — [^13]: HOLTZMANN, Grammatisches aus dem Mahabharata (Leipzig 1884); BÖHTLINGK, BKSGW. 1887, 213 ff. zu WHITNEY § 449. 990. — [^14]: LIEBICH, Panini (Leipzig 1891) p. 47 ff. Der aus der Bhagavadgītā p. 32 ff. gezogene Schluss ist nach obigem nicht beweisend. — [^15]: AUFRECHT, ZDMG. 36, 365 f.; PISCHEL, ZDMG. 39, 97 f.

c2.s2.3

§ 32. Die älteste uns erhaltene Prākritgrammatik ist der Prākṛtaprakāśa des Vararuci. Von den vielen Männern dieses Namens¹ sondert sich der Grammatiker ab durch seinen Gotranamen Kātyāyana. Dieser wird ihm von dem unbekannten² Verfasser des Commentares Prākṛtamañjarī gegeben, der in der Einleitung beständig zwischen Kātyāyana und Vararuci wechselt und zu 2, 2 statt Vararuci den Namen Kātyāyana gebraucht³. Dasselbe Schwanken findet sich bei dem Namen des Kātyāyana, des Verfassers der Vārttika. Dass dieser auch den Namen Vararuci geführt hat, berichten Somadeva, Kathāsaritsāgara 2, 1 und Kṣemendra, Bṛhatkathāmañjarī 1, 68; 2, 15. Die Tradition geht also auf Guṇāḍhya zurück⁴; sie reicht hinab bis Sāyaṇa⁵ und wird von den Lexicographen⁶ durchweg bestätigt. Die Anthologie Saduktikarṇāmṛta enthält eine Strophe des Vārttikakāra⁷, unter dem nur Kātyāyana verstanden werden kann⁸, und Patañjali zu Pāṇini 4, 3, 101 (2, 315 ed. KIELHORN) erwähnt ein Vārarucaṃ kāvyam⁹. Es wird dadurch wahrscheinlich, dass der Vārttikakāra nicht bloss Grammatiker war, sondern Dichter, wie nach ihm Patañjali¹⁰, und vor ihm Pāṇini (§ 31). Das erklärt, dass er mit dem Vararuci verwechselt werden konnte, der der Tradition nach ein Zeitgenosse des Kālidāsa war und zu den neun Perlen am Hofe des Vikramāditya gehörte¹¹. Die gleiche Verwechslung hat WEBER¹² dem Verfasser der Prākṛtamañjarī zugeschrieben, und er¹³, WESTERGAARD¹⁴ und BLOCH¹⁵ haben sich gegen, COWELL¹⁶, MAX MÜLLER¹⁷, PISCHEL¹⁸ und KONOW¹⁹ für die Gleichsetzung des Vārttikakāra mit dem Prākritgrammatiker ausgesprochen. Wenn auch Vr. von Hc. und den südindischen Grammatikern an Kritik übertroffen wird, so ist das kein Grund, ihn von dem »durch kritisches Acumen hoch hervorragenden Vārttikakāra«, »dem unerbittlichen Castigator des Pāṇini«²⁰ zu trennen. Zur Zeit Hc.'s hatte die Prākritgrammatik viel grössere Fortschritte gemacht, als zu der Vr.'s, und es ist etwas ganz anderes, an einem fertig vorliegenden Werke zu bessern, als etwas Neues zu schaffen. Hat doch Patañjali auch an Kātyāyana genug zu tadeln gefunden! Gar nichts aber besagt, es dass die von Vr. gelehrten Dialekte, besonders die Māhārāṣṭrī, eine viel jüngere Lautgestalt haben als die Inschriften des Aśoka und die Nāsik-Inschriften²¹. Da die Prākrits nur Kunstsprachen sind und neben den Volks- und officiellen Sprachen vorhanden waren, ist es ganz verkehrt, aus den Inschriften chronologische Schlüsse auf die Prākrits ziehen zu wollen. Dass, wie JACOBI und BLOCH meinen, die Māhārāṣṭrī nicht vor Anfang des 3. Jahrhunderts n. Chr. in allgemeinen Gebrauch kam, wäre daher auch dann falsch, wenn die Sattasaī das Werk eines Mannes wäre. Die 384 Dichter aber, deren Namen uns allein aus ihr bis jetzt schon überliefert werden, setzen eine reiche Litteratur in Prākrit voraus (§ 13), das bis auf Govardhanācārya, also bis ins 12. Jahrhundert n. Chr., die alleinige Sprache der Dichtung war für aphoristische, in Āryā geschriebene Singstrophen vorwiegend erotischen Inhalts, die nach Art einer Anthologie zusammengestellt wurden²². Der Gītagovinda des Jayadeva geht wohl auf ein Original in Apabhraṃśa zurück²³, und auch sonst werden Sanskritwerke gewiss nicht selten nur Nachbildungen älterer Prākritwerke sein²⁴. BLOCH'S Annahme, dass Vr. nicht vor dem 5. Jahrhundert n. Chr. gelebt haben könne, ist aus sprachlichen Gründen keinesfalls nötig. Andrerseits ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass der Verfasser der Prākṛtamañjarī die beiden Vararuci verwechselt hat, obgleich es bei ihm als Grammatiker weniger leicht anzunehmen ist als bei dem Tibetaner Tārānātha. Dass es eine Tradition gab, nach der Kātyāyana auch Prākritgrammatiker war, scheint mir der Name Vārttikārṇavabhāsya zu bestätigen, den eine Prākritgrammatik trug, die Appayadikṣita, Prākṛtamaṇidīpa 5 unter seinen Quellen unmittelbar hinter den Vārarucā granthāḥ nennt. Als sicher kann die Gleichsetzung des Kātyāyana mit Vararuci natürlich nicht angesehen werden.

c2.s2.4

¹ AUFRECHT, Cat. Cat. 1, 551.

c2.s2.5

² Bei OPPERT, Lists of Sanskrit Manuscripts in Private Libraries of Southern India (Madras 1880. 1885) 1, 290, No. 3426 und 2, 371 No. 6341 wird als Verfasser Kātyāyana genannt.

c2.s2.6

³ PISCHEL, De gr. Pr. p. 10 f.

c2.s2.7

⁴ KONOW, GGA. 1894, 473.

c2.s2.8

⁵ COWELL, The Prākṛita-Prakāśa. Second Issue. Advertisement; PISCHEL, De gr. Pr. p. 9. Vgl. auch Prakriyākaumudīprasāda bei BHĀṆḌĀRKAR, Report 1883/84 p. 362, 18.

c2.s2.9

⁶ B.-R. s. v. Kātyāyana.

c2.s2.10

⁷ AUFRECHT, ZDMG, 36, 524.

c2.s2.11

⁸ PISCHEL, ZDMG. 39, 98. Die Prākṛtamañjarī spricht von dem mahākavi Kātyāyana.

c2.s2.12

⁹ Inwiefern die Art der Erwähnung dieses kāvyam im Mahābhāṣya dafür bürgt, »dass dem Autor desselben sein bhagavān Kātyaḥ nicht

c2.s2.13

als Verf. dieses kāvya, resp. nicht als Vararuci galt (WEBER, IStr. 3, 277), weiss ich nicht. — 10 AUFRECHT, ZDMG. 36, 370. — 11 KONOW, GGA. 1894, 474. — 12 IStr. 3, 378. — 13 IStr. 2, 53 ff.; 3, 277 ff. — 14 Ueber den ältesten Zeitraum der indischen Geschichte mit Rücksicht auf die Litteratur (Breslau 1862) p. 86. — 15 Vr. und Hc. p. 9 ff. — 16 The Prākṛita-Prakāśa 2 p. VI. — 17 HASL. p. 148. 239 ff. — 18 De gr. Pr. p. 9 ff. — 19 GGA. 1894, 473. — 20 WEBER, IStr. 3, 278. — 21 WESTERGAARD, l. c.; JACOBI, Erzählungen p. XIV f.; BLOCH, Vr. und Hc. p. 12 f. — 22 PISCHEL, Hofdichter p. 30. — 23 PISCHEL. l. c. p. 22. — 24 PISCHEL, Rudraṭa's Çṛṅgāratilaka (Kiel 1886) p. 13 Anm. 1.

c2.s2.14

§ 33. Jedenfalls ist Vr., wenn nicht der älteste, einer der ältesten Pktgrammatiker. Seine Grammatik führt den Namen Prākṛtaprakāśa und ist mit Anmerkungen und Übersetzung herausgegeben worden von COWELL: The Prākṛita-Prakāśa: or, The Prākṛit Grammar of Vararuci, with the Commentary (Manoramā) of Bhāmaha. Second Issue. London 1868 (zuerst Hertford 1854). Einen Textabdruck gab neu RAMA SHASTRI TAILANGA. Benares 1899. Vr. behandelt in Pariccheda 1—9 die M., in 10 die P., in 11 die Mg. und in 12 die S. Der Text ist z. T. sehr schlecht überliefert und liegt in mehreren, oft stark von einander abweichenden Recensionen vor¹, was für sein Alter spricht. Der älteste Commentator ist Bhāmaha, ein Kaschmirer, der auch Rhetor und Dichter war². Seine Zeit ist nur soweit zu bestimmen, dass er älter als Udbhaṭa ist, der unter König Jayāpīḍa von Kaschmir (779—813 n. Chr.) lebte und einen Commentar zu Bhāmaha's rhetorischem Werke schrieb³. Bhāmaha's Commentar führt den Titel Manoramā⁴; er fehlt zu Pariccheda 12. Zweifellos hat Bhāmaha Vr. mitunter falsch verstanden. Den schlagendsten Beweis dafür liefert 4, 14⁵. Unsicher bleibt auch, ob er immer richtig die Gaṇas⁶ im Sinne Vr.'s aufgelöst hat. Man muss also streng zwischen Sūtra und Commentar scheiden, und dies ist in der Grammatik durchweg geschehen. Über die Quellen Bhāmaha's können uns nur zusammenhängende Citate aufklären. Solche gibt er zu Vr. 8, 9; 9, 2. 4—7. 9—17; 10, 4. 14; 11, 6. Davon ist 9, 2 huṃ sāhasu⁷ sabbhāvaṃ = H. 453 (vgl. die v. l.), wo keine Handschrift huṃ hat. Nach Bhuvanapāla (IS. 16, 153) ist der Dichter dieser Strophe Viṣṇunātha. 9, 9 kino dhuvasi ist = H. 369, auch von Hc. 2, 216 citirt und nach Bhuvanapāla (IS. 16, 120) von Devarāja. Die übrigen kann ich nicht nachweisen; die Beispiele 10, 4. 14 werden aus der Bṛhatkathā stammen. In 9, 4 wird auf die Gāthās im allgemeinen verwiesen. Ein jüngerer Commentar ist die Prākṛtamañjarī, deren unbekannter Verfasser (vgl. § 32 Anm. 2) in Versen schreibt und offenbar Südinder war. Die von mir benutzte, in Malayāḷamcharakter geschriebene Handschrift der Royal Asiatic Society in London⁸ ist lückenhaft und reicht nur bis Vr. 6, 18. Der Verfasser hat offenbar Bhāmaha gekannt. Beide stimmen in den Beispielen meist überein, doch ist der Anonymus oft kürzer als Bhāmaha, fügt aber zuweilen auch einzelnes hinzu; sein Text des Vr. weicht von COWELL'S Text mehrfach ab⁹. Der Commentar ist ohne grossen Wert.

c2.s2.15

¹ COWELL p. 97; PISCHEL, De gr. Pr. p. 10. 13; BÜHLER, Detailed Report p. 75; HOERNLE, Proc.ASB. 1879, 79 f.

c2.s2.16

² AUFRECHT, IS. 16, 207 f.; Cat. Cat. 1, 405 f.; PETERSON, Subhāṣitāvali p. 79; PISCHEL, Rudraṭa p. 6 f.

c2.s2.17

³ PISCHEL, Rudraṭa p. 13.

c2.s2.18

⁴ Irrtümlich nennt AUFRECHT, Cat. Cat. 1, 360 ihn Prākṛtamanoramā. Falsch ist auch die Angabe, dass er auch Prākṛtacandrikā genannt werde. Beide Angaben beruhen auf KIELHORN, A Catalogue of Sanskrit MSS. existing in the Central Provinces (Nagpur 1874) p. 84, No. 44. Alle anderen von AUFRECHT angeführten Quellen haben nur Manoramā. Die von HOERNLE, Proc.ASB. 1879, 79 f. erwähnte Handschrift schreibt ihn Vararuci selbst zu.

c2.s2.19

⁵ BLOCH, Vr. und Hc. p. 28.

c2.s2.20

⁶ Dass die Gaṇas nie einen feststehenden Wortlaut gehabt haben, wie BLOCH, Vr. und Hc. p. 31 behauptet, ist durchaus nicht sicher. Wie im Skt., werden auch im Pkt. die Schulen geschwankt haben.

c2.s2.21

⁷ So ist statt sāhasu bei COWELL und kadhehi sāhasu bei TAILANGA zu lesen und in der Über-

c2.s2.22

setzung sādhuṣu zu streichen. — 8 Übersehen von AUFRECHT, Cat. Cat. I, 360. — 9 Das Wichtigere bei PISCHEL, De gr. Pr. p. 10–16.

c2.s2.23.1

§ 34. Sehr weit gehen die Ansichten aus einander über Caṇḍa, dessen Prākṛtalakṣaṇa HOERNLE herausgegeben hat: The Prākṛta-Lakṣaṇam or Caṇḍa's Grammar of the Ancient (Ārsha) Prākṛt. Part I. Text with a critical introduction and indexes. Calcutta 1880. HOERNLE ist der Ansicht, dass Caṇḍa das Ārṣa (§ 16. 17) behandelt. Er hat seiner Ausgabe die MSS. AB zu Grunde gelegt, die den kürzesten Text geben und sieht in dem Texte der MSS. CD eine spätere Überarbeitung. C. hält er jünger als Vr. und Hc., so dass er überhaupt der älteste uns erhaltene Prākṛtgrammatiker wäre. BLOCH¹ dagegen erklärt C.'s Grammatik »für einen sehr ungenauen und oberflächlichen Auszug aus anderen Werken, vielleicht auch aus Hemacandra«. Beides ist unrichtig. Dass C. nicht so alt ist, wie HOERNLE meint, ergibt sich schon aus der Einleitungsstrophe 1, in der er erklärt, sein Werk nach der Ansicht der Alten (vṛddhamatāt) verfertigen zu wollen. Diese Strophe findet sich in allen Handschriften HOERNLE'S, auch bei PETERSON, Third Report (Bombay 1887) p. 265 und BHĀṆḌARKAR, Lists of Sanskrit Manuscripts in Private Libraries in the Bombay Presidency. Part I (Bombay 1893) p. 58 und kann daher nicht mit HOERNLE p. I Anm.* auch nur vermutungsweise den Überarbeitern zugeschrieben werden. Wie weit überhaupt eine Überarbeitung anzunehmen ist, ist zweifelhaft. MS. C scheint allerdings im Commentar manche Zusätze erfahren zu haben.

c2.s2.23.2

Aber nicht alle Regeln, die CD, noch weniger alle, die BCD gemeinsam haben, sind wohl dem ursprünglichen Werke abzusprechen. C. behandelt offenbar M. AMg. JŚ. neben einander. Darauf weisen Regeln, wie 1, 5, wo Genetive auf -āṇam und -āham neben einander gestellt werden; 2, 10, wo der Nominat. auf -e neben dem auf -o gelehrt wird; 2, 19, wo Absolutiva aus M. AMg. JM. JŚ., aber auch A., 3, 11. 12, wo Regeln über M. AMg. JŚ.² vereint sind. Diese Eigenheit ist in CD mehrmals zu weit ausgedehnt worden. So bei 1, 26ᵃ (p. 42), wo A. haū neben ham, aham, steht; 2, 19 fügen CD zu den Formen des Absolut. in M. AMg. JM. JŚ. A. noch andere aus M. A. hinzu; 2, 27ᵉ⁻¹ enthalten ebenfalls Zusätze vorwiegend aus A., 27ⁱ. ᵏ auch aus JŚ; 3, 6 (p. 48) stellt die Formen aus JŚ. AMg. JM. zusammen; 3, 11ᵃ gibt eine Ergänzung aus CP. zu 3, 11. 12. Davon entspricht 3, 6 (p. 48) dem ganzen Charakter des Werkes, und 3, 39ᵃ kann unmöglich fehlen. Zuweilen scheinen die Zusätze aus Hc. zu stammen. So ist die Erklärung von Prākṛta in C zu 1, 1 wörtlich = Hc. 1, 1, aber nur der Anfang; 1, 11ᵃ (p. 36) ist = Hc. 4, 353; 2, 1ᶜ (p. 37) ist = Hc. 1, 6, aber kürzer; 3, 11ᵃ (p. 48) entspricht Hc. 4, 325, ist aber auch kürzer. So ist C. überall kürzer, und in Fällen, wie 3, 34 (p. 51) = Hc. 1, 177 ist bei aller Ähnlichkeit der Unterschied doch so gross, dass C. nicht der Entlehner sein kann. Dagegen scheint Hc. 3, 81 auf C. 1, 17 hinzuweisen, wie HOERNLE p. XXII hervorhebt. C. lehrt dort se auch im Genet.

c2.s2.23.3

Plur., und Hc. 3, 81 bemerkt, dass einer auch se für den Genet. Plur. wünsche: īdaṃtador āmāpi se ādeśaṃ kaścid icchati. BLOCH³ meint zwar, auf den Singular kaścit sei bei Hc. kein grosses Gewicht zu legen. Aber BLOCH'S ganze Anschauung über die Citirmethode Hc.'s und der indischen Grammatiker überhaupt ist irrig. Wenn Hc. kaścit sagt, so meint er auch nur einen. Ausser C. ist aber kein Grammatiker bekannt, der gleiche Regel hat, so dass die grösste Wahrscheinlichkeit vorliegt, dass wo C. und Hc. zusammentreffen, nicht C. der Entlehner ist, sondern Hc. Anderes hat durchaus richtig schon HOERNLE p. XXII ff. zusammengestellt⁴. Ich will nur noch hinzufügen, dass C. 2, 12ᵃ (p. 44) das Beispiel caüvīsaṃ pi ... bei C. viel ausführlicher ist als bei Hc. 3, 137. Auch die Terminologie ist bei beiden durchaus nicht die gleiche. So nennt C. 2, 1ᵇ (p. 37) den Vocal, der nach Elision des Consonanten übrig bleibt, *Uddhṛta*, Hc. 1, 8 aber *Udvṛtta*; C. 2, 10 hat *Visarjanīya*, aber Hc. 1, 37 *Visarga*; C. zu 2, 15 (p. 45) gebraucht *Ardhānusvāra*, Hc. 3, 7 *Anunāsika* u. a. Ferner hat C. z. T. Citate, die Hc. nicht hat. So 2, 21. 22. 24; 3, 38. 39; zu 1, 1 (p. 39), wo das zweite Beispiel auch von Siṃhadevagaṇin zu *Vāgbhaṭālaṃkāra* 2, 2 citirt wird (§ 9); zu 2, 24 (p. 46); zu 2, 27ᵇ und 2, 27¹ (p. 47). Keinesfalls hat C. das *Ārṣa* allein lehren wollen. Die angeblichen Altertümlichkeiten, wie Beibehaltung des *t, th*, der Länge des Vocals in den Endungen *-ām, -īm, -ūm* u. a.

c2.s2.23.4

sind Fehler der Handschriften, wie sie sich gerade in Jaina-MSS. sehr oft finden⁵. Die Handschriften des C. haben sie meist auch nicht, kaum an einer Stelle einmal alle. Die Sprache, die C. vorwiegend lehrt, ist M., daneben erwähnt er selbst ausdrücklich 3, 37 den *Apabhraṃśa*, 3, 38 die *Paiśācīkī*, 3, 39 die *Māgadhikā*; 2, 13 a. b (p. 44) das *Ārṣa*, das, wie erwähnt, auch in der Recension von AB mehrfach aufgeführt wird, 3, 39ᵃ (p. 52) die *Saurasenī*. Das Beispiel in D 2, 1ᶜ (p. 37) ist = *Gaüḍavaho* 220 und steht auch bei Hc. 1, 6; das zweite Beispiel in CD 1, 26ᵃ (p. 42) *teṇ* *ahaṃ* *viddho* ist offenbar = *Hāla* 441⁶. Da die Beispiele sich nicht in allen MSS. finden, ist es misslich, sie für eine Zeitbestimmung des C. zu verwerten. Der Text ist so schlecht überliefert, dass er nur mit Vorsicht gebraucht werden kann, und nur mit sorgfältiger Benutzung der Varianten. So viel aber scheint sicher zu sein, dass C. älter ist als Hc. und sich unter dessen Quellen befunden hat. Für ein höheres Alter spricht das Vorhandensein mehrerer Recensionen. Abweichechend von allen andern Grammatikern beginnt C. mit der Nominal- und Pronominalflexion (*vibhaktividhāna*); der zweite Abschnitt behandelt die Vocale (*svaravidhāna*), der dritte die Consonanten (*vyañjanavidhāna*). Die Recension CD schliesst diesen Abschnitt mit 3, 36 und fasst 3, 37—39ᵃ als einen vierten Abschnitt zusammen, den sie *bhāṣāntaravidhāna* »Regeln über die andern Sprachen« nennt.

c2.s2.23.5

Diesem Namen entsprechend handelt der Abschnitt von den andern Prākritsprachen als M. JM. AMg. JŚ., und daher wird irrtümlich das ganze Werk bei BÜHLER (ZDMG. 42, 556) und BHĀṆḌĀRKAR (Lists p. 58) *Prākṛtabhāṣāntaravidhāna* genannt. BÜHLER und BHĀṆḌĀRKAR nennen den Verfasser *Candra*⁷. Dass aber dasselbe Werk gemeint ist, zeigt der Auszug bei BHĀṆḌĀRKAR. Die Einteilung von CD ist gewiss die richtige. Es ist dies um so weniger zweifelhaft, als die Handschrift BHĀṆḌĀRKAR’S denselben Schluss wie AB hat. Das Verbum wird von C. gar nicht behandelt, was vielleicht nur Schuld der Überlieferung des Textes ist. Dass aber die Grammatik nur kurz war, scheint der Name *Prākṛtasāroddhāravṛttiḥ* anzudeuten, den das MS. bei PETERSON, Third Report p. 265 ihr gibt.

c2.s2.24

¹ Vr. und Hc. p. 8.

c2.s2.25

² Statt JŚ. könnte man auch Ś. ansetzen. Aber der ganze Charakter der Grammatik, namentlich 3, 6 in CD (p. 48) weist auf JŚ.

c2.s2.26

³ Vr. und Hc. p. 8.

c2.s2.27

⁴ Dass die Formen in 2, 27¹ (p. 47) von C. als gewöhnliches Prākrit gefasst werden, wie HOERNLE p. XXIII meint, ist Irrtum. Die Strophe ist in reinem Apabhraṃśa verfasst. Die Strophe ist zu lesen: *kālu laheviṇu joïa jīva jīva mohu galei | tīva tīva daṃsaṇu lahaï jo ṇiameṃ appu muṇei* »Je in dem Massstabe, wie mit der Zeit seine Verblendung schwindet, erreicht der Yogin, der durch Busse den Ātman erkennt, die Erleuchtung.« *joïa* ist nicht = *jāyāyaḥ*, sondern = *yogikaḥ* = *yogī* von *yogin*.

c2.s2.28

⁵ Über *t* vgl. § 203.

c2.s2.29

⁶ Vgl. § 417, Anm. 2.

c2.s2.30

⁷ *Caṇḍa* ist die am besten bezeugte Form des Namens. Damit man nicht etwa an *Candra* d. h. *Candragomin* (LIEBICH, Panini p. 11) denkt, sei darauf hingewiesen, dass *Candra*’s Terminologie nach KIELHORN, IA. 15, 184 von der *Caṇḍa*’s ganz verschieden ist.

c2.s2.31

§ 35. Als Lexicograph war für das Pkt. thätig Dhanapāla, dessen synonymisches Wörterbuch *Pāiyalacchī* d. h. *Prākṛtalakṣmī*h von BÜHLER herausgegeben worden ist: The Pāiyalacchī Nāmamālā, a Prakrit Kosha, by Dhanapāla. Edited with critical notes, an introduction and a glossary by GEORG BÜHLER. Göttingen 1878 (= BB. 4, 70—166a). Dhanapāla verfasste nach seiner eigenen Angabe Strophe 276—278 sein Werk im Vikrama-Jahre 1029 = 972 n. Chr., zur Zeit, als Mānyakheṭa in Folge eines Überfalls der Mālavafürsten geplündert worden war, zu Dhārā, für seine jüngere Schwester Sundarī¹. In Strophe 1 nennt er seine Arbeit eine Nāmamālā, in 278 Desī = Desī. Wie bereits BÜHLER (p. 11) hervorgehoben hat, bilden die Deśīs nur ein Viertel aller Wörter des Lexicons; alle andern sind Tatsama oder Tadbhava (§ 8), und das Werk ist daher nicht von grossem Wert². Es umfasst 279 Strophen im Āryāmetrum, von denen die erste das Maṅgalācaraṇa enthält, die vier letzten die auf die Abfassung bezüglichen Angaben. In 1—19 nimmt jeder Gegenstand eine ganze Strophe ein, in 20—94 einen Vers, in 95—202 einen Halbvers; 203—275 enthalten einzelne Worte, die durch ein Synonym, zuweilen durch einen Halbvers erklärt werden. Dhanapāla wird von Hc., Deśīn. 1, 141; 3, 22; 4, 30; 6, 101; 8, 17 unter seinen Quellen genannt. Die Citate finden sich aber teils gar nicht in der Paiyalacchī (3, 22; 4, 30; 8, 17), teils stimmen sie nicht zu Hc.'s Angaben (1, 141; 6, 101). BÜHLER vermutet daher (p. 15) mit Recht, dass Dhanapāla noch ein anderes Werk gleicher Art geschrieben hat. Nach seiner Bekehrung zum Jainismus hat Dh. noch die Ṛṣabhapañcāśikā verfasst³.

c2.s2.32

¹ Näheres bei BÜHLER p. 5 ff.

c2.s2.33

² BÜHLER p. 13 ff.

c2.s2.34

³ Siehe § 20; BÜHLER p. 9; KLATT, ZDMG. 33, 445. Über Dh.'s sonstige litterarische Thätigkeit s. BÜHLER p. 10; AUFRECHT, ZDMG. 27, 41; Cat. Cat. 1, 267.

c2.s2.35.1

§ 36. Weitaus die wichtigste aller bis jetzt veröffentlichten Prākritgrammatiken ist die des Hemacandra (1088—1172 n. Chr.). Die Prākritgrammatik bildet den achten Adhyāya des Siddhahemacandra d. h. der dem Siddharāja gewidmeten und von Hemacandra verfassten¹ Grammatik, von der Adhyāya 1—7 das Skt. behandelt. Hc. hat zu ihr selbst einen Commentar in zwei Recensionen, einer Bṛhatī- und einer Laghu-Vṛtti verfasst², von denen die Laghuvṛtti den Namen Prakāśikā führt und in den Ausgaben von MAHĀBALA KṚṢṆA, Bombay saṃvat 1929 und PISCHEL: Hemacandra's Grammatik der Prākritsprachen (Siddhahemacandra Adhyāya VIII), herausgegeben, übersetzt und erläutert. Teil I. II. Halle a. S. 1877. 1880 abgedruckt ist. Zu der Vṛtti verfasste Udayasaubhāgyagaṇin einen etymologisirenden Commentar (Haimaprākṛtavṛttiḍhuṇḍhikā) unter dem Titel Vyutpattidīpikā (§ 29), und zum achten Adhyāya überhaupt einen Commentar Narendracandrasūri unter dem Titel Prākṛtaprabodha³. Hc. hat seine Grammatik in 4 Pāda geteilt, von denen die beiden ersten vorwiegend die Lautlehre, der dritte die Flexionslehre behandelt; der vierte gibt von 1—258 die Wurzelsubstitute und die vom Skt. abweichende Bildung der Classen und Einzelregeln über das Passiv, in 259 Bemerkungen über die Bedeutung der Wurzeln. 260—286 behandeln die Śaurasenī, 287—302 die Māgadhī, 303—324 die Paiśācī, 325—328 das Cūlikāpaiśācika, 329—446 den Apabhraṃśa; 447. 448 enthalten allgemeine Bemerkungen. Die Sprache, die Hc.

c2.s2.35.2

von 1, 1—4, 259 lehrt, ist vorwiegend M. Aber daneben hat er auch JM. sehr stark herangezogen und gelegentlich auch AMg., ohne diese Dialekte überall streng zu scheiden. In 260—286 hat er auch JŚ. berücksichtigt (§ 21). Welche Vorgänger Hc. in seiner Grammatik benutzt hat, ist noch nicht zu sagen. Er selbst citirt mit Namen nur Hugga 1, 186, aber nicht als Grammatiker, sondern als Lexicograph⁴, und für das Skt., sonst nur allgemein kaś cit (2, 80; 3, 81); ke cit (1, 67. 209; 2, 80. 128. 138. 145. 188; 3, 19. 25. 103. 153); anyaḥ (3, 103. 117); anye (1, 35. 88; 2, 163. 174. 207; 3, 177); anyaiḥ (4, 2); anyeṣām (4, 327); eke (1, 35). JACOBI⁵ ist der Ansicht, dass Hc. die Sūtra des Vr. seiner Grammatik in ähnlicher Weise zu Grunde gelegt hat, wie Bhaṭṭojidīkṣita die des Pāṇini seiner Siddhāntakaumudī. Die Sūtra des Vr. hätten als unumstösslich gegolten, und deren Auslegung, beziehungsweise Beschränkung sei die Hauptaufgabe der Prākritgrammatiker gewesen. Hc. stehe zu Vr. in ähnlichem Verhältnisse, wie Kātyāyana zu Pāṇini. Das ist alles irrig⁶, wie BLOCH⁷ im einzelnen gezeigt hat. Es ist nicht einmal mit Sicherheit auszumachen, ob Hc. den Vr. überhaupt benutzt hat. Wahrscheinlich ist es der Fall; aber beweisen lässt es sich nicht. Dass Hc. voraussichtlich Caṇḍa gekannt hat, ist § 34 bemerkt worden. Ausser der Grammatik hat Hc. noch ein Wörterbuch der Deśīs verfasst, die Deśīnāmamālā oder den Deśīśabdasamgraha, von ihm selbst (8, 77) *Rayaṇāvali* = Skt. *Ratnāvali* genannt.

c2.s2.35.3

Nach p. 1, 4 ff. ist es nach der Grammatik verfasst und nach 1, 3 ein Nachtrag zu ihr. Der Text ist herausgegeben von PISCHEL, The Deśīnāmamālā of Hemachandra. Part I. Text and critical notes. Bombay 1880⁸. Hc. hat, wie Dhanapāla (§ 35), unter die Deśīs auch Tatsamas und Tadbhavas aufgenommen; aber im Verhältnis zum Umfange des Werkes ist ihre Zahl gering, und seine Arbeit ist für die Kenntnis des Pkt. ausserordentlich wichtig. Die Deśīnāmamālā zerfällt in acht alphabetisch angeordnete Varga. Die Worte werden in zwei Abteilungen aufgeführt. Voran stehen, je nach der Zahl der Silben geordnet, die Worte, die nur eine Bedeutung haben (*ekārthāḥ*), dann folgen, ebenso geordnet, die mit mehr als einer Bedeutung (*anekārthāḥ*). Zu der ersten Classe werden erläuternde Beispiele in Versen gegeben, die von Hc. selbst herrühren und meist sehr albern sind, weil Hc. in einen Vers Worte der verschiedensten Bedeutung zusammenzufassen genötigt war. Sie sollen als mnemotechnische Hilfsmittel dienen und enthalten neben den Deśīs zuweilen anderweitig im Pkt. nicht belegte Worte und Formen. Auch ist nicht selten nur aus ihnen die genauere Bedeutung eines Deśīwortes zu ermitteln⁹. Auch zur Deśīn. hat Hc. einen eigenen Commentar verfasst. Hc. macht kein Hehl daraus, dass seine Arbeit nicht auf Quellenforschung beruht, sondern nur eine Compilation aus älteren Werken derselben Art ist.

c2.s2.35.4

1, 37 überlässt er die Entscheidung, ob *ambasamī* oder *ambamasī* die richtige Form ist, den Gelehrten (*ambamasīti ke cit paṭhanti | tatra keṣām cid bhramo 'bhramo veti bahudṛśvāna eva pramāṇam*); 1, 41 ist er über Form und Bedeutung von *acchiharullo* im unklaren, und da die Autoren sich widersprechen, sollen die Kundigen entscheiden (*tad evam granthakṛdvipratipattau bahujñāḥ pramāṇam*); 1, 47 trennt er die Worte *avaḍāhia* und *avaḍakkia*, die andere als Synonyma erklärt hatten, auf Grund seiner Prüfung der besten Werke über die Deśīs (*asmābhis tu sāradeśinīrīkṣaṇena vivekaḥ kṛtaḥ*); 1, 105 stellt er fest, dass *uḍḍuhia* statt *uttuhia* nur auf einem Schreibfehler beruht; ebenso 6, 8 bei *bora* statt *cora*. Er beruft sich für seine Entscheidung 2, 28 auf viele Werke über Deśī, 3, 12. 33 auf die besten Werke darüber; 8, 12 schilt er auf die modernen Verfasser von Deśīwerken und ihre Commentatoren; 8, 13 überlässt er wieder die Entscheidung den Verständigen (*kevalam sahṛdayāḥ pramāṇam*). Mit Namen nennt er: Abhimānacihna (1, 144; 6, 93; 7, 1; 8, 12. 17); Avantisundarī (1, 81. 157); Devarāja (6, 58. 72; 8, 17); Droṇa oder Droṇācārya (1, 18. 50; 6, 7; 8, 17); Dhanapāla (1, 141; 3, 22; 4, 30; 6, 101; 8, 17); Gopāla (1, 25. 31. 45; 2, 82; 3, 47; 6, 26. 58. 72; 7, 2. 76; 8, 1. 17. 67); Pādalipta (1, 2); Rāhulaka (4, 4); Sīlāṅka (2, 20; 6, 96; 8, 40); Sātavāhana (3, 41; 5, 11; 6, 15. 18. 19. 112. 125).

c2.s2.35.5

Davon erscheinen Abhimānacihna, Devarāja, Pādalipta und Sātavāhana auch als Prākritdichter in der Sattasaī (§ 13); von Avantisundarī vermutet BÜHLER¹⁰, dass sie identisch sei mit Sundarī, der jüngeren Schwester des Dhanapāla, für die er die Pāiyalacchī schrieb. Wenn sie aber selbst über Deśīs schrieb, ist das unwahrscheinlich. Eher kann sie identisch sein mit Avantisundarī, der Frau des Rājaśekhara, auf deren Veranlassung nach Karp. 7, 1 die ganz in Prākrit geschriebene Karpūramañjarī aufgeführt wurde, die ja Hc. in seiner Prākritgrammatik citirt. Rāhulaka wird in der Sārṅgadharapaddhati und Subhāṣitāvali als Sanskritdichter genannt. Von Autoren in Skt. nennt Hc. die Kālāpāḥ (1, 6), Bharata (8, 72), Bhāmaha (8, 39), und ohne Namensnennung citirt er Halāyudha (1, 5; 2, 98). Sehr häufig führt er seine Quellen nur ganz allgemein an. So: *anye* (1, 3. 20. 22. 35. 47. 52. 62. 63. 65. 66. 70. 72. 75. 78. 87. 89. 99. 100. 102. 107. 112. 151. 160. 163; 2, 11. 12. 18. 24. 26. 29. 36. 45. 47. 50. 51. 66. 67. 69. 77. 79. 89. 98; 3, 3. 6. 8. 28. 40. 41. 58. 59; 4, 3. 4. 5. 6. 7. 18. 22. 23. 26. 33. 44. 47; 5, 9. 30. 33. 36. 40. 45. 50. 61; 6, 14. 15. 16. 21. 24. 25. 26. 28. 42. 48. 53. 54. 61. 63. 75. 81. 86. 88. 91. 93. 94. 97. 99. 105. 106. 116. 121. 132. 134. 140. 145; 7, 2. 16. 17. 18. 21. 31. 33. 37. 44. 45. 48. 62. 68. 69. 74. 75. 76. 88. 91; 8, 10. 15. 18. 22. 27. 35. 36. 38. 44. 45. 59. 67); *eke* (2, 89; 4, 5. 12; 6, 11; 7, 35; 8, 7); *kaś cit* (1, 43; 2, 18; 3, 51; 5, 13;

c2.s2.35.6

8, 75); *ke cit* (1, 5. 26. 34. 37. 41. 46. 47. 67. 79. 103. 105. 117. 120. 129. 131. 153; 2, 13. 15. 16. 17. 20. 29. 33. 38. 58. 87. 89; 3, 10. 12. 22. 23. 33. 34. 35. 36. 44. 55; 4, 4. 10. 15. 45; 5, 10. 21. 44. 58; 6, 4. 55. 80. 90. 91. 92. 93. 95. 96. 110. 111; 7, 2. 3. 6. 47. 58. 65. 75. 81. 93; 8, 4. 51. 69. 70); *pūrvācāryāḥ* (1, 11. 13); *yad āha* (1, 4. 5 [Halāyudha]. 37. 75. 121. 171; 2, 33. 48. 98 [Halāyudha]; 3, 23. 54 [Skt.]; 4, 4. 10. 21. 44. 45; 5, 1. 63; 6, 15. 42. 78. 81. 93. 140. 142; 7, 46. 58. 84; 8, 1. 13. 43. 68); *yad āhuḥ* (1, 5; 3, 6; 4, 15); mit andern Ausdrücken (1, 18. 94. 144. 174; 3, 33; 4, 37; 6, 8. 58. 93; 8, 12. 17. 28). Trotz seiner sorgfältigen Benutzung dieser vielen Vorgänger, hat Hc. doch grobe Fehler nicht vermeiden können, da er nur aus secundären Quellen schöpfte. So gibt er 2, 24 *kaṇṭhaḍiṇāra* bedeute »Loch in einer Hecke« (*vṛtivivara*); 6, 67 lehrt er aber, *paero* bedeute ausser anderm »Loch in einer Hecke« (*vṛtivivara*) und einen bestimmten Schmuck (*kaṇṭhaḍiṇāra*). Offenbar hat er irgendwo in einem 6, 67 entsprechenden Verse den Nominativ *kaṇṭhaḍiṇāro* statt des Locativ *°re* gelesen, daraus 2, 24 gebildet, später aber 6, 67 nach richtiger Lesart, ohne den früheren Irrtum zu bemerken. *kaṇṭhaḍiṇāra* ist sicher ein aus Denaren bestehender Schmuck, der um den Hals getragen wurde. *poālo* »Stier« (6, 62) ist gewiss dasselbe Wort wie *vovālo* (7, 79), das die im zweiten Gliede eines Compositum vorkommende Form darstellen dürfte¹¹.

c2.s2.35.7

Immerhin ist die Deśīn. »eine Quelle ersten Ranges«¹², die uns zeigt, welche wertvollen Aufschlüsse über die indischen Sprachen und eine wie reiche Litteratur wir noch vom Prākrit zu erwarten haben.

c2.s2.36

¹ BÜHLER, Ueber das Leben des Jaina Mönches Hemachandra (Wien 1889) p. 15.

c2.s2.37

² BÜHLER, l. c. p. 72, Anm. 34.

c2.s2.38

³ Bei AUFRECHT, Cat. Cat. 1, 360 wird der Verfasser Naracandra genannt. Nach PETERSON, Det. Report (1883) p. 127, No. 300 und BHĀNDĀRKAR, a Catalogue of the Collections of MSS. deposited in the Deccan College (Bombay 1888) p. 328 No. 300 heisst er Narendracandrasūri. Das MS. war verliehen, als ich es benutzen wollte.

c2.s2.39

⁴ PISCHEL zu Hc. 1, 186; ZACHARIAE, GGA. 1889, 996, Anm. 1; Die indischen Wörterbücher (Kośa) (Strassburg 1897); Grundriss I. 3 B) p. 7; Epilegomena zu der Ausgabe des Maṅkhakośa (Wien 1899) p. 17 ff.

c2.s2.40

⁵ Jenaer Literaturzeitung 1876, 797.

c2.s2.41

⁶ PISCHEL zu Hc. 2, 145.

c2.s2.42

⁷ Vr. und Hc. p. 21 ff.

c2.s2.43

⁸ Gefunden von BÜHLER, IA. 2, 17 ff. Den zweiten Band, der das Wörterbuch enthalten sollte, wollte BÜHLER herausgeben.

c2.s2.44

⁹ PISCHEL, Deśīn. p. 8.

c2.s2.45

¹⁰ Pāiyalacchī p. 7 f.

c2.s2.46

¹¹ Andere Beispiele bei SIEGFRIED GOLDSCHMIDT, Deutsche Litteraturzeitung 2, 1109.

c2.s2.47

¹² SIEGFRIED GOLDSCHMIDT, l. c.

c2.s2.48

§ 37. Unbestimmt ist die Zeit des Kramadīśvara. Man pflegt ihn zwischen Hemacandra und Bopadeva zu setzen. ZACHARIAE¹ bemerkt aber mit Recht, dass es sich nicht beweisen lässt, dass Kī. später als Hc. gelebt habe, und dass sich ebensowenig Gründe beibringen lassen für die an sich unwahrscheinliche Annahme, dass Kī. vor Hc. seine Grammatik geschrieben habe. Kī. hat seine Grammatik, den Saṃkṣiptasāra, wie Hc., in acht Capitel (Pāda) geteilt, deren letztes (Prākṛtapāda) das Pkt. behandelt. Auch dies stimmt zu Hc. Aber im Übrigen haben beide Grammatiker nichts gemein. Anordnung des Stoffes, termini technici u. s. w. sind durchaus verschieden². Für ein höheres Alter des Kī. spricht, dass seine Citate in der Sktgrammatik nicht über das Ende des 8. oder den Anfang des 9. Jahrhunderts n. Chr. hinausreichen. Der späteste Autor, den er citirt, ist Murāri³, von dem wir jetzt wissen, dass er älter ist, als Ratnākara, der Dichter des Haravijaya⁴, der um die Mitte des 9. Jahrhunderts lebte. Für ein jüngeres Alter dagegen spricht, dass Kī., wie die späteren Grammatiker, viel mehr Dialekte nennt als Hc. Über Kī. hat zuerst LASSEN, Inst. p. 15 ff. 393. 440 ff. 449 ff., Appendix 39—58 ausführliche Mitteilungen gemacht; den Abschnitt über die Wurzeln hat DELIUS herausgegeben: Radices Pracriticae (Bonnae ad Rhenum 1839) p. 10—12. Eine vollständige Ausgabe des Prākṛtapāda soll RĀJENDRALĀLA MITRA in der Bibliotheca Indica veröffentlicht haben⁵. Diese habe ich mir nicht verschaffen können. Mir liegen vor p. 17—24 des Textes, p. 141—172 ein Wortverzeichnis von bhāduko bis saddāviadi reichend⁶ und p. 1—8 der englischen Übersetzung. Nach den Proben zu urteilen, ist die Ausgabe sehr schlecht. Eine neue Ausgabe des 8. Pāda erschien Calcutta 1889. Ich verdanke sie BLOCH'S Güte und habe nach ihr citirt. Sie ist sehr schlecht, so dass ich beständig die Auszüge bei LASSEN zu Rate gezogen habe. Kī. schliesst sich eng an Vr. an, hat aber, wie die Übersicht bei LASSEN, Inst. App. p. 40 ff. am besten zeigt, einzelne Abweichungen, die auf andere Quellen weisen, wie er ja auch im Gegensatze zu Vr. den A. behandelt. Kī. hat zum Saṃkṣiptasāra einen eigenen, kurzen Commentar geschrieben. Eine Bearbeitung und Erweiterung desselben ist die Rasavatī des Jūmaranandin⁷. Ein zweiter Commentar zum Prākṛtapāda allein ist die Prākṛtadīpikā des Caṇḍīdevaśarman⁸. Als einen dritten nennt RĀJENDRALĀLA MITRA eine Prākṛtapādaṭīkā des Vidyāvinoda »son of Nārāyaṇa, grandson of Vāṇeśvara, and great grandson of Jaṭādhara«. Ihm schliesst sich an AUFRECHT¹⁰, der aber den Verfasser, wie schon früher¹¹, Nārāyaṇa Vidyāvinodācārya nennt. Ich habe die Oxforder Handschrift benutzt, aber zu einer Zeit, als der Saṃkṣiptasāra noch nicht gedruckt vorlag¹². Aus der Einleitung, die RĀJENDRALĀLA MITRA nach einer besseren Handschrift als AUFRECHT abgedruckt hat, scheint sich in Verbindung mit den Unterschriften der einzelnen Capitel und dem Kolophon zu ergeben, dass der Verfasser Vidyāvinodācārya hiess, und dass er ein älteres Werk des Nārāyaṇa, des Sohnes des Bāṇeśvara, der ein Sohn des Jaṭādhara war, dessen Bruder vielleicht Sumeru hiess, bearbeitet hat. Nārāyaṇa hatte ein grösseres Werk geschrieben, das von einem schlechten Menschen vernichtet worden war; das vorliegende Werk ist ein kurzer Auszug daraus von Vidyāvinoda¹³. Dass der Prākṛtapāda ein Commentar zu Kī. ist, wird in ihm selbst nirgends gesagt. In den Unterschriften heisst der Verfasser stets nur Vidyāvinodācārya und sein Prākṛtapāda schlechthin, so dass es mir zweifelhaft ist, ob die Angabe RĀJENDRALĀLA MITRA'S richtig ist. Der Verfasser folgt Vr. auf das allergenaueste, und sein Werk ist ohne jeden Wert.

c2.s2.49

² ZACHARIAE, BB. 5, 26. Am Schlusse des 8. Pāda behandelt Kī. kurz Metrik und Rhetorik.

c2.s2.50

³ ZACHARIAE, BB. 5, 58.

c2.s2.51

⁴ PETERSON, Subhāṣitāvali p. 91.

c2.s2.52

⁵ Vgl. RĀJENDRALĀLA MITRA, A Descriptive Catalogue of Sanskrit MSS. in the Library of the Asiatic Society of Bengal. Part first. Grammar. (Calcutta 1877) p. 75; BHĀṆḌĀRKAR, JBoAS. 16, 250.

c2.s2.53

⁶ Dieses Verzeichnis gehört nicht zu dem Werke selbst, sondern belegt eine Anzahl Prākṛtworte durch Citate aus Vr. Mṛcch. Sak. Vikr. Mālav. Ratn. Veṇīs. Mālatīm. Uttarar. Mahāv. Cait. Piṅgala. Sāhitya-

c2.s2.54

¹ BB. 5, 26.

c2.s2.55

darpaṇa. — 7 LASSEN, Inst. p. 15; ZACHARIAE, BB. 5, 22 f.; AUFRECHT, Cat. Cat. 1, 684. — 8 LASSEN, Inst. p. 16; AUFRECHT, Cat. Cat. 1, 684. — 9 Notices of Sanskrit MSS. 4, 162 ff. (Calcutta 1878). — 10 Cat. Cat. 1, 684. — 11 Cat. Oxon. p. 181. — 12 De gr. Pr. p. 19. — 13 Die Einleitung ist sehr unklar, und es ist zweifelhaft, ob die obige Erklärung richtig ist. Vgl. AUFRECHT, Cat. Oxon. p. 181. Im Cat. Cat. 2, 212 hat AUFRECHT die von mir angegebene Erklärung, offenbar im Anschluss an PETERSON'S Ulwar Catalogue, der nicht zu beschaffen ist. Das Werk wird dort Prākṛtavyākaraṇa schlechthin genannt.

c2.s2.56

§ 38. Ganz von Hc. abhängig ist in dem Commentar zu seinem Prākṛtavyākaraṇa, Trivikramadeva, der Sohn des Mallinātha und Enkel des Ādityavarman. Ich habe davon zwei Handschriften benutzt, eine Abschrift eines Tanjore MS. in der India Office Library, Burnell Collection No. 84, in Grantha, und eine Abschrift in Nāgarī von Tanjore MS. 10006, collationirt in den Sūtra mit 10004¹, die BURNELL für mich hat anfertigen lassen, ausserdem die Ausgabe in der Textsammlung Granthapradarśanī No. 1—32. Sie reicht nur bis zum Ende des 1. Adhyāya. Triv. hat in den Sūtra seiner Grammatik² eine eigenartige Terminologie verwendet, die er am Anfange seines Werkes erläutert³. In der von ihm zu den Sūtra geschriebenen Vṛtti hat er von 1, 1, 17 an Hc., den er in der Einleitung als Quelle nennt, fast wörtlich abgeschrieben, so dass ich ihn nur selten citirt habe, zumal die entsprechenden Regeln seiner Grammatik am Rande meiner Ausgabe des Hc. angegeben sind. Ihm eigen sind die Capitel 1, 3, 106; 1, 4, 121; 2, 1, 30; 3, 1, 132 und 3, 4, 71, in denen Worte zusammengestellt werden, die sich nicht unter die Regeln der Grammatik bringen lassen und zum grössten Teil unter den Begriff der Desī fallen, wie die in 3, 4, 71 aufgeführten ausdrücklich Deśyāḥ genannt werden. Die beiden ersten Capitel habe ich veröffentlicht und besprochen BB. 3, 235 ff.; 6, 84 ff.; 13, 1 ff. Trivikrama's Zeit wird bestimmt nach oben durch Hemacandra († 1172), nach unten dadurch, dass er von Kumārasvāmin, dem Sohne des Kolācala Mallinātha, in seinem Commentare zu Vidyānātha's Pratāparudrīya (ed. Madras 1868) 218, 21 mit Namen, ausserdem 62, 19 ff.; 201, 21; 214, 4 anonym citirt wird⁴. Pratāparudra II., dem Vidyānātha sein Werk gewidmet hat, regierte von 1295—1323⁵. Kumārasvāmin spricht 123, 1 ff. von der Thronbesteigung des Pratāparudra als von einem vor langer Zeit (purā kila) erfolgten Ereignisse. Sein Vater Kolācala Mallinātha citirt Bopadeva⁶, der am Hofe des Mahādeva von Devagiri⁷ lebte, der von 1260—1271 regiert hat⁸. Es wird dadurch AUFRECHT'S Annahme, dass Mallinātha nicht vor dem 14. Jahrhundert gelebt haben kann, bestätigt. Trivikrama wird also wohl ins 13. Jahrhundert zu setzen sein.

c2.s2.57

¹ BURNELL, Classified Index 1, 43.

c2.s2.58

² Trivikrama ist auch der Verfasser der Sūtra. De gr. Pr. p. 29 habe ich nijasūtramārgam, dessen nija sich auf Trivikrama bezieht, falsch verstanden. Das Werk heisst Prākṛtavyākaraṇa, nicht °vṛtti, eine Unterschrift, die sich auf den Commentar bezieht.

c2.s2.59

³ Mitgeteilt von PISCHEL, De gr. Pr. p. 34—37.

c2.s2.60

⁴ PISCHEL, De gr. Pr. p. 38.

c2.s2.61

⁵ SEWELL, A Sketch of the Dynasties of Southern India (Madras 1883), p. 33.

c2.s2.62

⁶ AUFRECHT, Cat. Oxon. p. 113.

c2.s2.63

⁷ AUFRECHT, Cat. Cat. 1, 616.

c2.s2.64

⁸ SEWELL, l. c. p. 114.

c2.s2.65

⁹ Cat. Oxon. p. 113.

c2.s2.66

§ 39. Trivikramadeva's Grammatik hat seinem Prākṛtarūpāvatāra zu Grunde gelegt Simharāja, der Sohn des Samudrabandhayajvan. Ich habe davon zwei Handschriften der Royal Asiatic Society in London benutzt, eine Palmblatthandschrift in Malayāḷamcharakter No. 159, und eine Papierhandschrift in demselben Charakter No. 57, die eine Abschrift der ersten ist. Simharāja hat Trivikrama's Grammatik nach Art der Kaumudīs bearbeitet. Er beginnt nach einer kurzen Übersicht über die termini technici (samjñāvibhāga und paribhāṣāvibhāga) und einem samhitāvibhāga über samdhi und lopa sofort mit der Declination (subantavibhāga; fol. 4—46), worunter er auch die Indeclinabilien behandelt; dann folgt die Conjugation (tiṅantavibhāga; fol. 46—59) einschliesslich der *dhātvādeśāḥ*, an die sich die Regeln für S. Mg. P. CP. A. anschliessen (*Śaurasenyādivibhāga*; fol. 59—74). Für jede Classe der Nomina setzt er ein Paradigma an; für die *a*-Stämme *vṛkṣa*, für die *i*-Stämme *agni*, für die auf *-u*, *taru*, auf *-ū*, *khalapū*, auf *-ṛ*, *bhartṛ*. Er zeigt, wie von diesen Worten der Prākritstamm zu bilden ist und lehrt die Endungen und ihre Anfügung an den Stamm. In derselben Weise werden die Feminina und Neutra auf Vocale, die consonantisch schliessenden Nomina, die Pronomina *yuṣmad* und *asmad* und die Verba behandelt, für die er *has* und *sah* als Paradigmen nimmt¹. Für die Kenntnis der Declination und Conjugation ist der Prākṛtarūpāvatāra nicht unwichtig, zumal Sr. oft mehr Formen gibt, als Hc. und Triv. Von diesen Formen sind gewiss viele theoretisch erschlossen, aber streng nach den Regeln gebildet und daher nicht ohne Interesse. In derselben Weise wie Sr. die Sūtra des Triv., hat Raghunāthaśarman in seinem Prākṛtānanda die des Vr. angeordnet². Die gleiche Art der Behandlung hat auch Lakṣmīdhara in seiner Ṣaḍbhāṣācandrikā³, und der ganz moderne Nāgoba in seinem Ṣaḍbhāṣāsubantarūpādarśa, einem »superficial tract«⁴ über Declination.

c2.s2.67

¹ Näheres bei PISCHEL, De gr. Pr. p. 39—43. — [^2]: HOERNLE, Proc. ASB. 1880, 100 ff. — [^3]: BURNELL, Classified Index p. 43. Vgl. LASSEN, Inst. p. 11—15. — [^4]: BURNELL, l. c. p. 44.

c2.s2.68

§ 40. Für die Kenntnis der übrigen Dialekte ausser M. JM. AMg. JS. ist wichtig das Prākṛtasarvasvam des Mārkaṇḍeya Kavīndra. Ich habe dafür zwei MSS. benutzt. Das eine ist eine Palmblatthandschrift des India Office, Mackenzie MS. No. 70, foll. 88, Nāgarī-Schrift, auf dem Holzeinband vorn früher als Pimgalavyākaraṇa (Nāgarī-Schrift) und Pengala Prakrota Surva Bhala Vakaranah (römische Buchstaben) bezeichnet, eine Aufschrift, die jetzt verschwunden ist, hinten als Pengala praukrota Surva Bhausha Vyacaranum. Auf dem ersten Blatte steht in Nāgarī: śrī Rāmaḥ | Pimgalaprākṛtasarvasvabhāṣāvyākaraṇam. Das zweite ist die Oxforder Handschrift bei AUFRECHT, Cat. Oxon. p. 181 No. 412. Beide MSS. gehen auf dasselbe Original zurück und sind so sinnlos verderbt, dass sie nur zum Teil benutzt werden können. Es ist dies namentlich für Ś. sehr zu bedauern, da Mk. über Ś. ausführlicher ist als alle anderen Grammatiker, indem er den Unterschied zwischen M. und Ś. scharf hervorhebt. Citirt ist Mk. nach der Londoner Handschrift, die ich durch TAWNEY’S Güte nochmals in Halle benutzen konnte. Aus dem Kolophon der Handschriften, den AUFRECHT l. c. abgedruckt hat, ergibt sich, dass Mk. in Orissa unter der Regierung eines Mukundadeva sein Werk geschrieben hat. AUFRECHT vermutet, dass damit die Mukundadeva gemeint ist, der nach STERLING 1664 geherrscht hat. Sicher lässt sich das nicht sagen. Ausser Śakalya, Bharata, Kohala, Vararuci, Bhāmaha (§ 31—33), erwähnt Mk. in der Einleitung als seine Quelle noch Vasantarāja. Damit ist gemeint der Verfasser der Prākṛtasamjīvanī, die nicht, wie COWELL¹ und AUFRECHT² annehmen, ein Commentar zu Vr. ist, sondern ein selbständiges Werk, das sich ganz an Vr. anlehnt. Citirt wird sie von Vāsudeva zu Karp. 9, 11 ed. Bombay: *tad uktaṃ Prākṛtasamjīvinyām | prākṛtasya tu sarvam eva saṃskṛtaṃ yoniḥ* (§ 1). Dass Vasantarāja identisch ist mit dem Könige Kumāragiri Vasantarāja³, dem Schwager des Kāṭayavema⁴, ist mir noch immer⁵ sehr wahrscheinlich, da dieser von Kāṭayavema als Verfasser eines Nāṭyaśāstra, des Vasantarājīyam⁶, genannt wird, so dass ihm die Beschäftigung mit dem Prākrit nahe lag. Von Kāṭayavema 'haben wir Inschriften aus den Jahren 1391, 1414 und 1416 n. Chr.⁷ Mk. ist also im Falle der Identität der beiden Vasantarāja jedenfalls jünger als das erste Viertel des 15. Jahrhunderts. Der Vasantarāja, der das Śākuna verfasste, ist mit HULTZSCH⁸ von dem Prākritgrammatiker zu trennen. Im Innern seines Werkes erwähnt Mk. noch Aniruddhabhaṭṭa, das Bhaṭṭikāvya, Bhojadeva, Daṇḍin, Hariścandra, Kapila, Piṅgala, Rājaśekhara, Vākpatirāja, die Saptaśatī, den Setubandha⁹. Der späteste datirbare Autor unter diesen ist Bhojadeva, der sein Rājamṛgāṅka genanntes Karaṇawerk um Śaka-saṃvat 964 = 1042-43 n. Chr. verfasste¹⁰. Mk. behandelt nach einer Einleitung über die Einteilung der Prākritsprachen, aus der in den vorhergehenden Paragraphen alles Wesentliche mitgeteilt worden ist, zuerst die M. in 8 Pāda (fol. 4ᵇ—65ᵇ). Dieser grösste Abschnitt schliesst sich an Vr. an und ist viel dürftiger als bei Hc., hat aber manches Selbständige. Dann folgt als 9. Pāda die S. in 9 Prakaraṇa (fol. 65ᵇ—72ᵇ), als 10. die Prācyā, als 11. die Āvantī und Bāhlīkī, als 12. die Mg., mit Erwähnung der AMg. (§ 3). Der ganze Abschnitt Pāda 9—12 führt den Titel Bhāṣāvivecanam. Es folgen in Pāda 13—16 die vibhāṣāḥ (§ 3), in 17. 18 der A., in 19. 20 die P. Ein Teil des Pāda 17 ist in Pāda 13 geraten, ohne dass die Zählung der Blätter dadurch berührt worden ist. Nächst S. ist A. am genauesten behandelt. Bei dem trostlosen Zustande der Handschriften ist es aber leider unmöglich, das wertvolle Material genügend auszunutzen.

c2.s2.69

¹ Vr. p. x f.

c2.s2.70

² Cat. Cat. I, 360.

c2.s2.71

³ Dass Kumāragiri Name des Königs und Vasantarāja sein Beiname ist, zeigt EI. 4, 318 ff. Vgl. besonders HULTZSCH, p. 327.

c2.s2.72

⁴ Den Namen Kāṭayavema habe ich zuerst hergestellt GN. 1873, 201 f. AUFRECHT, Cat. Cat. 2, 237 ändert den richtigen Namen wieder zu dem falschen Kaṭavema ab. Die Inschriften EI. 4, 318 ff. lassen an dem Namen keinen Zweifel mehr.

c2.s2.73

⁵ De gr. Pr. p. 18. Daraus, dass Kāṭayavema in seinen Commentaren zu den Dramen die Prākṛtasaṃjīvanī nicht erwähnt, kann man, falls die beiden Männer identisch sind, schliessen, dass Vasantarāja sie nach seinem rhetorischen Werke und später als K. seine Commentare schrieb.

c2.s2.74

⁶ De gr. Pr. p. 18; EI. 4, 327, Strophe 17.

c2.s2.75

⁷ HULTZSCH, EI. 4, 328.

c2.s2.76

⁸ Prolegomena zu des Vasantarāja Cākuna nebst Textproben (Leipzig 1879) p. 29.

c2.s2.77

⁹ PISCHEL, De gr. Pr. p. 17.

c2.s2.78

¹⁰ THIBAUT, Astronomie, Astrologie und Mathematik (Strassburg 1899; Grundriss III. 9), § 37.

c2.s2.79

§ 41. Der Grammatik des Mārkaṇḍeya sehr ähnlich, namentlich in dem Abschnitte über die anderen Dialekte als M., ist der Prākṛtakalpataru des Rāmatarkavāgīśa, dessen einzige bekannte Handschrift, die Bengalihandschrift No. 1106 des India Office, so verderbt ist, dass sie nur wenig gebraucht werden kann. Über ihn handelt LASSEN, Inst. p. 19—23. Aus p. 20 ergibt sich, dass Rv. nach einem älteren Werke des Laṅkeśvara gearbeitet hat, womit die Prākṛtakāmadhenu des Rāvaṇa gemeint ist, der auch Prākṛtalaṅkeśvararāvaṇa genannt wird, kurz auch Laṅkeśvara¹. Von der Prākṛtakāmadhenu sind bisher nur Bruchstücke aufgefunden². Ist Laṅkeśvara identisch mit dem Verfasser der Śivastuti, die in der Kāvyamālā 1, 6—8 herausgegeben ist, so ist er älter als Appayadikṣita, der Kuvalayānanda 73, 1 (ed. Benares saṃvat 1928) Strophe 5 citirt³, also älter, als das Ende des 16. Jahrhunderts⁴, Rāmatarkavāgīśa also jünger. — Ein wertloser Auszug aus Trivikrama ist die Prākṛtaśabdapradīpikā des Narasimha, von der der Anfang⁵ in der Textsammlung Granthapradarśanī No. 3. 4 herausgegeben ist. Ausser den genannten W.erken sind handschriftlich noch eine grosse Anzahl bekannt. Von den meisten w¹ssen wir nichts als den Namen des Verfassers und Werkes, oder nur einen von beiden. Śubhacandra schrieb einen Śabdacintāmaṇi, der nach HOERNLE⁶ aus zwei Adhyāya besteht, jeder zu vier Pāda, und im wesentlichen Hc. folgt. Wie die Südinder Trivikramadeva und Siṃharāja (§ 38. 39), beginnt er seine Grammatik mit einer Anzahl von Saṃjñāsūtra. Vielleicht dasselbe Werk meint RĀJENDRALĀLA MITRA⁷ mit dem Audāryacintāmaṇi, den er einem Śubhasāgara zuschreibt⁸. Eine dürftige Arbeit in Versen mit eigenem Commentare in Prosa ist die Prākṛtacandrikā des Kṛṣṇapaṇḍita oder Śeṣakṛṣṇa, aus der PETERSON, Third Report p. 342—348 Auszüge gegeben hat.

c2.s2.80

Nach 343, 5 war sein Lehrer Nṛsiṃha oder nach 348, 21 Narasimha, worunter vielleicht der Verfasser der Prākṛtaśabdapradīpikā zu verstehen ist. Nach 343, 6 ist sie für Kinder geschrieben (śisuhitām kurve Prākṛtacandrikām), nach 343, 19 scheint er das Arṣam für identisch zu halten mit der M., da er diese dort nicht erwähnt, obwohl er sie sonst fast allein behandelt. Hc. hat er, wie die Beispiele zeigen, stark benutzt. Die Anführung der verschiedenen Dialekte und ihre Verteilung unter die einzelnen Personen p. 346—348 ist zum grössten Teile wörtlich aus älteren Autoren, wie Bharata und Bhojadeva genommen. Neu ist Bhāradvāja p. 348. Eine Prākṛtacandrikā schrieb auch Vāmanācārya, der sich Karañjakavisārvabhauma nennt und auch Verfasser eines Commentares zum Prākṛtapiṅgala (§ 29) ist⁹. Ein Compendium für Anfänger ist der Prākṛtamaṇidīpa des Polyhistors Appayadīkṣita¹⁰ aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Er nennt Trivikrama, Hemacandra, Lakṣmīdhara, Bhoja, Puṣpavanānātha, Vararuci, ein Vārttikārṇavabhāṣya und, oder des, Appayajvan (§ 32) als seine Quellen; in Wirklichkeit aber ist sein Werk nichts weiter als ein ganz dürftiger Auszug aus Trivikrama ohne allen Wert. Ein kleiner Teil bis 1, 4, 99 ist veröffentlicht in der Textsammlung Granthapradarśanī No. 3. 5. 6. 8—10. 13. Erwähnt wird ferner eine Prākṛtakaumudī¹¹, ein Prākṛtavyākaraṇa des Samantabhadra¹² u. a. Einen Bhāṣārṇava schrieb Candraśekhara, der Vater des Viśvanātha, nach Sāhityadarpaṇa 174, 2; einen Prākṛtasāhityaratnākara erwähnt Candraśekhara in seinem Commentar zur Śakuntalā 175, 24 ed. PISCHEL, wo 180, 5 ein Bhāṣābheda citirt wird, der vielleicht ein Werk über Prākṛt war. Aus einem Deśīprakāśa führt Pṛthvīdhara zu Mṛcch. 14, 5 p. 244 ed. STENZLER = 40, 4 p. 503 ed. GODABOLE an: kāṇelī kanyakāmātā. Bei Scholiasten finden sich hier und da Prākṛtsūtra, deren Herkunft sich noch nicht feststellen lässt.

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