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Grammatik der Prakrit-Sprachen c2.s2.3

Grammatik der Prakrit-Sprachen c2.s2.3

Language
German

c2.s2.3

§ 32. Die älteste uns erhaltene Prākritgrammatik ist der Prākṛtaprakāśa des Vararuci. Von den vielen Männern dieses Namens¹ sondert sich der Grammatiker ab durch seinen Gotranamen Kātyāyana. Dieser wird ihm von dem unbekannten² Verfasser des Commentares Prākṛtamañjarī gegeben, der in der Einleitung beständig zwischen Kātyāyana und Vararuci wechselt und zu 2, 2 statt Vararuci den Namen Kātyāyana gebraucht³. Dasselbe Schwanken findet sich bei dem Namen des Kātyāyana, des Verfassers der Vārttika. Dass dieser auch den Namen Vararuci geführt hat, berichten Somadeva, Kathāsaritsāgara 2, 1 und Kṣemendra, Bṛhatkathāmañjarī 1, 68; 2, 15. Die Tradition geht also auf Guṇāḍhya zurück⁴; sie reicht hinab bis Sāyaṇa⁵ und wird von den Lexicographen⁶ durchweg bestätigt. Die Anthologie Saduktikarṇāmṛta enthält eine Strophe des Vārttikakāra⁷, unter dem nur Kātyāyana verstanden werden kann⁸, und Patañjali zu Pāṇini 4, 3, 101 (2, 315 ed. KIELHORN) erwähnt ein Vārarucaṃ kāvyam⁹. Es wird dadurch wahrscheinlich, dass der Vārttikakāra nicht bloss Grammatiker war, sondern Dichter, wie nach ihm Patañjali¹⁰, und vor ihm Pāṇini (§ 31). Das erklärt, dass er mit dem Vararuci verwechselt werden konnte, der der Tradition nach ein Zeitgenosse des Kālidāsa war und zu den neun Perlen am Hofe des Vikramāditya gehörte¹¹. Die gleiche Verwechslung hat WEBER¹² dem Verfasser der Prākṛtamañjarī zugeschrieben, und er¹³, WESTERGAARD¹⁴ und BLOCH¹⁵ haben sich gegen, COWELL¹⁶, MAX MÜLLER¹⁷, PISCHEL¹⁸ und KONOW¹⁹ für die Gleichsetzung des Vārttikakāra mit dem Prākritgrammatiker ausgesprochen. Wenn auch Vr. von Hc. und den südindischen Grammatikern an Kritik übertroffen wird, so ist das kein Grund, ihn von dem »durch kritisches Acumen hoch hervorragenden Vārttikakāra«, »dem unerbittlichen Castigator des Pāṇini«²⁰ zu trennen. Zur Zeit Hc.'s hatte die Prākritgrammatik viel grössere Fortschritte gemacht, als zu der Vr.'s, und es ist etwas ganz anderes, an einem fertig vorliegenden Werke zu bessern, als etwas Neues zu schaffen. Hat doch Patañjali auch an Kātyāyana genug zu tadeln gefunden! Gar nichts aber besagt, es dass die von Vr. gelehrten Dialekte, besonders die Māhārāṣṭrī, eine viel jüngere Lautgestalt haben als die Inschriften des Aśoka und die Nāsik-Inschriften²¹. Da die Prākrits nur Kunstsprachen sind und neben den Volks- und officiellen Sprachen vorhanden waren, ist es ganz verkehrt, aus den Inschriften chronologische Schlüsse auf die Prākrits ziehen zu wollen. Dass, wie JACOBI und BLOCH meinen, die Māhārāṣṭrī nicht vor Anfang des 3. Jahrhunderts n. Chr. in allgemeinen Gebrauch kam, wäre daher auch dann falsch, wenn die Sattasaī das Werk eines Mannes wäre. Die 384 Dichter aber, deren Namen uns allein aus ihr bis jetzt schon überliefert werden, setzen eine reiche Litteratur in Prākrit voraus (§ 13), das bis auf Govardhanācārya, also bis ins 12. Jahrhundert n. Chr., die alleinige Sprache der Dichtung war für aphoristische, in Āryā geschriebene Singstrophen vorwiegend erotischen Inhalts, die nach Art einer Anthologie zusammengestellt wurden²². Der Gītagovinda des Jayadeva geht wohl auf ein Original in Apabhraṃśa zurück²³, und auch sonst werden Sanskritwerke gewiss nicht selten nur Nachbildungen älterer Prākritwerke sein²⁴. BLOCH'S Annahme, dass Vr. nicht vor dem 5. Jahrhundert n. Chr. gelebt haben könne, ist aus sprachlichen Gründen keinesfalls nötig. Andrerseits ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass der Verfasser der Prākṛtamañjarī die beiden Vararuci verwechselt hat, obgleich es bei ihm als Grammatiker weniger leicht anzunehmen ist als bei dem Tibetaner Tārānātha. Dass es eine Tradition gab, nach der Kātyāyana auch Prākritgrammatiker war, scheint mir der Name Vārttikārṇavabhāsya zu bestätigen, den eine Prākritgrammatik trug, die Appayadikṣita, Prākṛtamaṇidīpa 5 unter seinen Quellen unmittelbar hinter den Vārarucā granthāḥ nennt. Als sicher kann die Gleichsetzung des Kātyāyana mit Vararuci natürlich nicht angesehen werden.

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