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Grammatik der Prakrit-Sprachen c2.s2.35

Grammatik der Prakrit-Sprachen c2.s2.35

Language
German

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§ 36. Weitaus die wichtigste aller bis jetzt veröffentlichten Prākritgrammatiken ist die des Hemacandra (1088—1172 n. Chr.). Die Prākritgrammatik bildet den achten Adhyāya des Siddhahemacandra d. h. der dem Siddharāja gewidmeten und von Hemacandra verfassten¹ Grammatik, von der Adhyāya 1—7 das Skt. behandelt. Hc. hat zu ihr selbst einen Commentar in zwei Recensionen, einer Bṛhatī- und einer Laghu-Vṛtti verfasst², von denen die Laghuvṛtti den Namen Prakāśikā führt und in den Ausgaben von MAHĀBALA KṚṢṆA, Bombay saṃvat 1929 und PISCHEL: Hemacandra's Grammatik der Prākritsprachen (Siddhahemacandra Adhyāya VIII), herausgegeben, übersetzt und erläutert. Teil I. II. Halle a. S. 1877. 1880 abgedruckt ist. Zu der Vṛtti verfasste Udayasaubhāgyagaṇin einen etymologisirenden Commentar (Haimaprākṛtavṛttiḍhuṇḍhikā) unter dem Titel Vyutpattidīpikā (§ 29), und zum achten Adhyāya überhaupt einen Commentar Narendracandrasūri unter dem Titel Prākṛtaprabodha³. Hc. hat seine Grammatik in 4 Pāda geteilt, von denen die beiden ersten vorwiegend die Lautlehre, der dritte die Flexionslehre behandelt; der vierte gibt von 1—258 die Wurzelsubstitute und die vom Skt. abweichende Bildung der Classen und Einzelregeln über das Passiv, in 259 Bemerkungen über die Bedeutung der Wurzeln. 260—286 behandeln die Śaurasenī, 287—302 die Māgadhī, 303—324 die Paiśācī, 325—328 das Cūlikāpaiśācika, 329—446 den Apabhraṃśa; 447. 448 enthalten allgemeine Bemerkungen. Die Sprache, die Hc.

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von 1, 1—4, 259 lehrt, ist vorwiegend M. Aber daneben hat er auch JM. sehr stark herangezogen und gelegentlich auch AMg., ohne diese Dialekte überall streng zu scheiden. In 260—286 hat er auch JŚ. berücksichtigt (§ 21). Welche Vorgänger Hc. in seiner Grammatik benutzt hat, ist noch nicht zu sagen. Er selbst citirt mit Namen nur Hugga 1, 186, aber nicht als Grammatiker, sondern als Lexicograph⁴, und für das Skt., sonst nur allgemein kaś cit (2, 80; 3, 81); ke cit (1, 67. 209; 2, 80. 128. 138. 145. 188; 3, 19. 25. 103. 153); anyaḥ (3, 103. 117); anye (1, 35. 88; 2, 163. 174. 207; 3, 177); anyaiḥ (4, 2); anyeṣām (4, 327); eke (1, 35). JACOBI⁵ ist der Ansicht, dass Hc. die Sūtra des Vr. seiner Grammatik in ähnlicher Weise zu Grunde gelegt hat, wie Bhaṭṭojidīkṣita die des Pāṇini seiner Siddhāntakaumudī. Die Sūtra des Vr. hätten als unumstösslich gegolten, und deren Auslegung, beziehungsweise Beschränkung sei die Hauptaufgabe der Prākritgrammatiker gewesen. Hc. stehe zu Vr. in ähnlichem Verhältnisse, wie Kātyāyana zu Pāṇini. Das ist alles irrig⁶, wie BLOCH⁷ im einzelnen gezeigt hat. Es ist nicht einmal mit Sicherheit auszumachen, ob Hc. den Vr. überhaupt benutzt hat. Wahrscheinlich ist es der Fall; aber beweisen lässt es sich nicht. Dass Hc. voraussichtlich Caṇḍa gekannt hat, ist § 34 bemerkt worden. Ausser der Grammatik hat Hc. noch ein Wörterbuch der Deśīs verfasst, die Deśīnāmamālā oder den Deśīśabdasamgraha, von ihm selbst (8, 77) *Rayaṇāvali* = Skt. *Ratnāvali* genannt.

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Nach p. 1, 4 ff. ist es nach der Grammatik verfasst und nach 1, 3 ein Nachtrag zu ihr. Der Text ist herausgegeben von PISCHEL, The Deśīnāmamālā of Hemachandra. Part I. Text and critical notes. Bombay 1880⁸. Hc. hat, wie Dhanapāla (§ 35), unter die Deśīs auch Tatsamas und Tadbhavas aufgenommen; aber im Verhältnis zum Umfange des Werkes ist ihre Zahl gering, und seine Arbeit ist für die Kenntnis des Pkt. ausserordentlich wichtig. Die Deśīnāmamālā zerfällt in acht alphabetisch angeordnete Varga. Die Worte werden in zwei Abteilungen aufgeführt. Voran stehen, je nach der Zahl der Silben geordnet, die Worte, die nur eine Bedeutung haben (*ekārthāḥ*), dann folgen, ebenso geordnet, die mit mehr als einer Bedeutung (*anekārthāḥ*). Zu der ersten Classe werden erläuternde Beispiele in Versen gegeben, die von Hc. selbst herrühren und meist sehr albern sind, weil Hc. in einen Vers Worte der verschiedensten Bedeutung zusammenzufassen genötigt war. Sie sollen als mnemotechnische Hilfsmittel dienen und enthalten neben den Deśīs zuweilen anderweitig im Pkt. nicht belegte Worte und Formen. Auch ist nicht selten nur aus ihnen die genauere Bedeutung eines Deśīwortes zu ermitteln⁹. Auch zur Deśīn. hat Hc. einen eigenen Commentar verfasst. Hc. macht kein Hehl daraus, dass seine Arbeit nicht auf Quellenforschung beruht, sondern nur eine Compilation aus älteren Werken derselben Art ist.

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1, 37 überlässt er die Entscheidung, ob *ambasamī* oder *ambamasī* die richtige Form ist, den Gelehrten (*ambamasīti ke cit paṭhanti | tatra keṣām cid bhramo 'bhramo veti bahudṛśvāna eva pramāṇam*); 1, 41 ist er über Form und Bedeutung von *acchiharullo* im unklaren, und da die Autoren sich widersprechen, sollen die Kundigen entscheiden (*tad evam granthakṛdvipratipattau bahujñāḥ pramāṇam*); 1, 47 trennt er die Worte *avaḍāhia* und *avaḍakkia*, die andere als Synonyma erklärt hatten, auf Grund seiner Prüfung der besten Werke über die Deśīs (*asmābhis tu sāradeśinīrīkṣaṇena vivekaḥ kṛtaḥ*); 1, 105 stellt er fest, dass *uḍḍuhia* statt *uttuhia* nur auf einem Schreibfehler beruht; ebenso 6, 8 bei *bora* statt *cora*. Er beruft sich für seine Entscheidung 2, 28 auf viele Werke über Deśī, 3, 12. 33 auf die besten Werke darüber; 8, 12 schilt er auf die modernen Verfasser von Deśīwerken und ihre Commentatoren; 8, 13 überlässt er wieder die Entscheidung den Verständigen (*kevalam sahṛdayāḥ pramāṇam*). Mit Namen nennt er: Abhimānacihna (1, 144; 6, 93; 7, 1; 8, 12. 17); Avantisundarī (1, 81. 157); Devarāja (6, 58. 72; 8, 17); Droṇa oder Droṇācārya (1, 18. 50; 6, 7; 8, 17); Dhanapāla (1, 141; 3, 22; 4, 30; 6, 101; 8, 17); Gopāla (1, 25. 31. 45; 2, 82; 3, 47; 6, 26. 58. 72; 7, 2. 76; 8, 1. 17. 67); Pādalipta (1, 2); Rāhulaka (4, 4); Sīlāṅka (2, 20; 6, 96; 8, 40); Sātavāhana (3, 41; 5, 11; 6, 15. 18. 19. 112. 125).

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Davon erscheinen Abhimānacihna, Devarāja, Pādalipta und Sātavāhana auch als Prākritdichter in der Sattasaī (§ 13); von Avantisundarī vermutet BÜHLER¹⁰, dass sie identisch sei mit Sundarī, der jüngeren Schwester des Dhanapāla, für die er die Pāiyalacchī schrieb. Wenn sie aber selbst über Deśīs schrieb, ist das unwahrscheinlich. Eher kann sie identisch sein mit Avantisundarī, der Frau des Rājaśekhara, auf deren Veranlassung nach Karp. 7, 1 die ganz in Prākrit geschriebene Karpūramañjarī aufgeführt wurde, die ja Hc. in seiner Prākritgrammatik citirt. Rāhulaka wird in der Sārṅgadharapaddhati und Subhāṣitāvali als Sanskritdichter genannt. Von Autoren in Skt. nennt Hc. die Kālāpāḥ (1, 6), Bharata (8, 72), Bhāmaha (8, 39), und ohne Namensnennung citirt er Halāyudha (1, 5; 2, 98). Sehr häufig führt er seine Quellen nur ganz allgemein an. So: *anye* (1, 3. 20. 22. 35. 47. 52. 62. 63. 65. 66. 70. 72. 75. 78. 87. 89. 99. 100. 102. 107. 112. 151. 160. 163; 2, 11. 12. 18. 24. 26. 29. 36. 45. 47. 50. 51. 66. 67. 69. 77. 79. 89. 98; 3, 3. 6. 8. 28. 40. 41. 58. 59; 4, 3. 4. 5. 6. 7. 18. 22. 23. 26. 33. 44. 47; 5, 9. 30. 33. 36. 40. 45. 50. 61; 6, 14. 15. 16. 21. 24. 25. 26. 28. 42. 48. 53. 54. 61. 63. 75. 81. 86. 88. 91. 93. 94. 97. 99. 105. 106. 116. 121. 132. 134. 140. 145; 7, 2. 16. 17. 18. 21. 31. 33. 37. 44. 45. 48. 62. 68. 69. 74. 75. 76. 88. 91; 8, 10. 15. 18. 22. 27. 35. 36. 38. 44. 45. 59. 67); *eke* (2, 89; 4, 5. 12; 6, 11; 7, 35; 8, 7); *kaś cit* (1, 43; 2, 18; 3, 51; 5, 13;

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8, 75); *ke cit* (1, 5. 26. 34. 37. 41. 46. 47. 67. 79. 103. 105. 117. 120. 129. 131. 153; 2, 13. 15. 16. 17. 20. 29. 33. 38. 58. 87. 89; 3, 10. 12. 22. 23. 33. 34. 35. 36. 44. 55; 4, 4. 10. 15. 45; 5, 10. 21. 44. 58; 6, 4. 55. 80. 90. 91. 92. 93. 95. 96. 110. 111; 7, 2. 3. 6. 47. 58. 65. 75. 81. 93; 8, 4. 51. 69. 70); *pūrvācāryāḥ* (1, 11. 13); *yad āha* (1, 4. 5 [Halāyudha]. 37. 75. 121. 171; 2, 33. 48. 98 [Halāyudha]; 3, 23. 54 [Skt.]; 4, 4. 10. 21. 44. 45; 5, 1. 63; 6, 15. 42. 78. 81. 93. 140. 142; 7, 46. 58. 84; 8, 1. 13. 43. 68); *yad āhuḥ* (1, 5; 3, 6; 4, 15); mit andern Ausdrücken (1, 18. 94. 144. 174; 3, 33; 4, 37; 6, 8. 58. 93; 8, 12. 17. 28). Trotz seiner sorgfältigen Benutzung dieser vielen Vorgänger, hat Hc. doch grobe Fehler nicht vermeiden können, da er nur aus secundären Quellen schöpfte. So gibt er 2, 24 *kaṇṭhaḍiṇāra* bedeute »Loch in einer Hecke« (*vṛtivivara*); 6, 67 lehrt er aber, *paero* bedeute ausser anderm »Loch in einer Hecke« (*vṛtivivara*) und einen bestimmten Schmuck (*kaṇṭhaḍiṇāra*). Offenbar hat er irgendwo in einem 6, 67 entsprechenden Verse den Nominativ *kaṇṭhaḍiṇāro* statt des Locativ *°re* gelesen, daraus 2, 24 gebildet, später aber 6, 67 nach richtiger Lesart, ohne den früheren Irrtum zu bemerken. *kaṇṭhaḍiṇāra* ist sicher ein aus Denaren bestehender Schmuck, der um den Hals getragen wurde. *poālo* »Stier« (6, 62) ist gewiss dasselbe Wort wie *vovālo* (7, 79), das die im zweiten Gliede eines Compositum vorkommende Form darstellen dürfte¹¹.

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Immerhin ist die Deśīn. »eine Quelle ersten Ranges«¹², die uns zeigt, welche wertvollen Aufschlüsse über die indischen Sprachen und eine wie reiche Litteratur wir noch vom Prākrit zu erwarten haben.