Geschichte der indischen Litteratur v1.c3.2
Geschichte der indischen Litteratur v1.c3.2
- Language
- German
v1.c3.2
Dadurch schwoll nun freilich der Band zu einem gröfseren Umfange an, als ursprünglich vorgesehen war. Und noch ein zweiter Umstand trug hierzu bei. Gerade die in diesem Bande behandelte älteste indische Litteratur schwebt in chronologischer Beziehung gewissermaſsen in der Luft. Kein einziges von den vielen und umfangreichen Werken, welche zum Veda, zur volkstümlichen Epik oder zu den Purāṇas gehören, kann mit Sicherheit auch nur diesem oder jenem Jahrhundert zugeschrieben werden. Es ist aber einfach unmöglich, in einem Satz oder in wenigen Zeilen über das Alter des Veda, des Mahābhārata, des Rāmāyaṇa und selbst der Purāṇas Aufschluſs zu geben. Auch für den Laien genügt es da nicht, wenn man ihm sagt, daſs wir über die Zeit dieser Werke nichts Sicheres wissen. Es ist notwendig, die Grenzen abzustecken, innerhalb deren sich unser — Nichtwissen bewegt, und die Gründe anzugeben, auf welche sich eine annähernde, wenn auch nur vermutungsweise gegebene Zeitbestimmung dieser Werke stützt. Darum muſsten den Fragen nach dem Alter des Veda, der Epen und der Purāṇas gröſsere Abschnitte gewidmet werden. Ich betone ausdrücklich, daſs auch diese Kapitel nicht etwa nur für den Fachmann, sondern in erster Linie für den oben gekennzeichneten Laien, den ich als Leser im Auge hatte, geschrieben sind. Wenn sie trotzdem auch für den Fachmann manches Neue — und wohl auch manches, was zum Widerspruch herausfordern dürfte — enthalten sollten, so liegt dies daran, daſs es sich hier um Fragen handelt, die gerade erst in den letzten Jahren Gegenstand von neuen Untersuchungen, neuen Entdeckungen und vielfachen Kontroversen gewesen sind.