Geschichte der indischen Litteratur v1.c7.s2.10
Geschichte der indischen Litteratur v1.c7.s2.10
- Language
- German
v1.c7.s2.10
Während der schwärmerische W. Jones durch die Begeisterung, mit der er die indischen Litteraturschätze ans Licht zog, vor allem anregend wirkte, wurde der nüchterne Henry Thomas Colebrooke, der das Werk von W. Jones fortsetzte, zum eigentlichen Begründer der indischen Philologie und Altertumskunde. Colebrooke hatte im Jahre 1782 als siebzehnjähriger Jüngling seine Beamtenlaufbahn in Kalkutta angetreten, ohne sich während der ersten elf Jahre seines Aufenthalts in Indien um das Sanskrit und dessen Litteratur zu kümmern. Als aber W. Jones 1794 starb, hatte Colebrooke eben das Sanskrit erlernt und es übernommen, eine unter Jones' Leitung von eingeborenen Gelehrten gemachte Zusammenstellung der Lehren der indischen Rechtsbücher über Erbrecht und Kontrakte aus dem Sanskrit ins Englische zu übersetzen. Diese Übersetzung erschien 1797 und 1798 unter dem Titel »A Digest of Hindu Law on Contracts and Successions« in vier Foliobänden. Von da an widmete er sich mit unermüdlichem Eifer der Erforschung der indischen Litteratur. Und zwar interessierte ihn — im Gegensatz zu Jones — nicht so sehr die poetische als die fachwissenschaftliche Litteratur. Ihm verdanken wir daher nicht nur noch weitere Arbeiten über indisches Recht, sondern auch bahnbrechende Aufsätze über die Philosophie und das Religionswesen, über Grammatik, Astronomie und Arithmetik der Inder. Er war es auch, der im Jahre 1805 in dem berühmt gewordenen Aufsatze über die Vedas zum erstenmal genaue und zuverlässige Mitteilungen über die alten heiligen Bücher der Inder gab¹). Auch ist er der Herausgeber des Amarakośa und anderer indischer Wörterbücher, der berühmten Grammatik des Pāṇini, der Fabelsammlung Hitopadeśa und des Kunstepos Kirātārjunīya. Er ist ferner der Verfasser einer Sanskritgrammatik und hat eine Anzahl von Inschriften bearbeitet und übersetzt. Endlich hat er eine ungemein reichhaltige Sammlung von indischen Handschriften zusammengebracht, die ihn gegen 10000 Pfund Sterling gekostet haben soll, und die er bei seiner Rückkehr nach England der Ostindischen Gesellschaft zum Geschenk machte. Diese Handschriftensammlung gehört heute zu den kostbarsten Schätzen der Bibliothek des India Office in London.
Cites (4)
- Aṣṭādhyāyī — Pāṇini, Sanskrit
- Hitopadeśa — Nārāyaṇa, Sanskrit
- Kirātārjunīya — Bhāravi, Sanskrit
- Nāmaliṅgānuśāsana (Amarakośa) — Classical Tibetan