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Geschichte der indischen Litteratur v1.c7.s2.13

Geschichte der indischen Litteratur v1.c7.s2.13

Language
German

v1.c7.s2.13

angenehmer, für die Wissenschaft aber auſserordentlich günstiger Zufall, daſs gerade damals die durch den Frieden von Amiens nur auf kurze Zeit unterbrochenen Feindseligkeiten zwischen England und Frankreich aufs neue ausbrachen und Napoleon den Befehl ergehen lieſs, daſs alle Engländer, die sich zur Zeit des Ausbruchs des Krieges in Frankreich aufhielten, an der Rückkehr in ihre Heimat verhindert und in Paris zurückgehalten werden sollten. Unter diesen Engländern befand sich auch Alexander Hamilton. Im Jahre 1802 war aber gerade auch der deutsche Dichter Friedrich Schlegel nach Paris gekommen, um sich dort mit einigen Unterbrechungen bis zum Jahre 1807 aufzuhalten, — gerade während der Zeit des unfreiwilligen Aufenthalts von A. Hamilton. In Deutschland war man ja schon längst auf die Arbeiten der Engländer aufmerksam geworden. Namentlich hatte die bereits erwähnte Übersetzung der »Śakuntalā« durch W. Jones groſses Aufsehen gemacht und war auch sofort (1791) ins Deutsche übersetzt worden. In den Jahren 1795—97 waren auch schon die Abhandlungen von William Jones in deutscher Übersetzung erschienen ¹). Auch die Jonessche Übersetzung von Manus Gesetzbuch war schon im Jahre 1797 ins Deutsche übertragen worden. Die Werke des Fra Paolino de St. Bartholomeo sind in Deutschland gewiſs auch nicht unbeachtet geblieben. Vor allem aber war es die romantische Schule, an deren Spitze die Brüder Schlegel standen, für welche die indische Litteratur eine besondere Anziehungskraft hatte. Es war ja die Zeit, wo man sich für fremde Litteraturen zu begeistern begann. Herder hatte schon durch seine »Stimmen der Völker in Liedern« (1778) und durch seine »Ideen zur Geschichte der Menschheit« (1784—91) die Aufmerksamkeit der Deutschen vielfach auf den Orient gelenkt. Die Romantiker aber waren es, die sich mit höchster Begeisterung auf alles Fremde und Ferne warfen und sich von Indien ganz besonders angezogen fühlten. Von Indien her erwartete man, wie Friedrich Schlegel sagte, nichts weniger als »Aufschluſs über die bis jetzt so dunkle Geschichte der Urwelt; und die Freunde der Poesie hofften besonders seit der Erscheinung der Sokuntola von daher noch manches ähnliche schöne Gebilde des asiatischen Geistes zu sehen, wie dieses von Anmut und Liebe beseelt«. Kein Wunder daher, daſs Friedrich Schlegel, als er in Paris die Bekanntschaft des Alexander Hamilton machte, sofort die Gelegenheit ergriff, von demselben Sanskrit zu lernen. In den Jahren 1803 und 1804 genoſs er dessen Unterricht, und die weiteren Jahre seines Pariser Aufenthaltes benutzte er zu Studien in der dortigen Bibliothek, welche damals bereits gegen 200 indische Handschriften besaſs¹). Als Frucht dieser Studien erschien im Jahre 1808 jene Schrift, durch welche Friedrich Schlegel zum Begründer der indischen Philologie in Deutschland wurde: »Über die Sprache und Weisheit der Indier. Ein Beitrag zur Begründung der Altertumskunde.« Dieses Buch war mit Begeisterung geschrieben und geeignet, Begeisterung zu erwecken. Es enthielt auch Übersetzungen einiger Stücke aus dem Rāmāyaṇa, aus Manus Gesetzbuch, aus der Bhagavadgītā und aus der Śakuntalā-Episode des Mahābhārata. Es waren dies die ersten direkten Übersetzungen aus dem Sanskrit ins Deutsche; denn was vorher von indischer Litteratur in Deutschland bekannt geworden war, war aus dem Englischen übersetzt.

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