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Geschichte der indischen Litteratur v1.c7.s2.17

Geschichte der indischen Litteratur v1.c7.s2.17

Language
German

v1.c7.s2.17

Ein Zeitgenosse Aug. Wilh. von Schlegels war der 1791 geborene Franz Bopp, der im Jahre 1812 nach Paris ging, um sich mit orientalischen Sprachen zu beschäftigen, und dort zusammen mit Schlegel bei Chézy Sanskrit lernte. Während aber die Brüder Schlegel als die Dichter der Romantik für Indien schwärmten und die Beschäftigung mit der indischen Litteratur als eine Art »Abenteuer«¹ auffaßten, trat Bopp als durchaus nüchterner Forscher an diese Studien heran, und er war es, der durch seine im Jahre 1816 erschienene Schrift »Ueber das Conjugationssystem der Sanskritsprache in Vergleichung mit jenem der griechischen, lateinischen, persischen und germanischen Sprache« zum Begründer einer neuen Wissenschaft wurde, der vergleichenden Sprachwissenschaft, der eine so große Zukunft beschieden sein sollte. Aber auch um die Erforschung der indischen Litteratur hat sich Bopp außerordentlich verdient gemacht. Schon in seinem »Conjugationssystem« gab er als Anhang einige Episoden aus dem Rāmāyaṇa und Mahābhārata in metrischen Übersetzungen aus dem Originaltext, sowie einige Proben aus dem Veda nach Colebrookes englischer Übersetzung. Mit seltenem Geschick hat er dann aus dem Riesenepos Mahābhārata die wunderbare Geschichte vom König Nala und seiner treuen Gattin Damayanti herausgegriffen und durch eine gute kritische Ausgabe mit lateinischer Übersetzung allgemein zugänglich gemacht¹). Es war dies gerade diejenige von den zahllosen Episoden des Mahābhārata, welche am meisten ein abgeschlossenes Ganzes bildet und nicht nur zu den schönsten Stücken des groſsen Epos gehört, sondern auch als eine der reizendsten Schöpfungen indischer Dichtkunst ganz besonders geeignet ist, Begeisterung für die indische Litteratur und Liebe zum Sanskritstudium zu erwecken. Es ist denn auch geradezu traditionell geworden, an allen Universitäten, wo Sanskrit gelehrt wird, die Nala-Episode als erste Lektüre für die Studierenden zu wählen, wozu sie sich auch wegen der Einfachheit der Sprache ganz besonders eignet. Noch eine Reihe von anderen Episoden aus dem Mahābhārata hat Bopp zum erstenmal herausgegeben und ins Deutsche übersetzt. Seine Sanskritgrammatiken (1827, 1832 und 1834) und sein »Glossarium Sanscritum« (Berlin 1830) haben das Studium des Sanskrit in Deutschland mächtig gefördert.

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