Geschichte der indischen Litteratur v1.c7.s2.2
Geschichte der indischen Litteratur v1.c7.s2.2
- Language
- German
v1.c7.s2.2
Wohl haben sich schon im siebzehnten und noch mehr im achtzehnten Jahrhundert einzelne Reisende und Missionäre eine gewisse Kenntnis indischer Sprachen angeeignet und sich mit einem oder dem anderen Werk der indischen Litteratur bekannt gemacht. Aber ihre Anregungen sind nicht auf fruchtbaren Boden gefallen. So berichtete im Jahre 1651 der Holländer Abraham Roger, der als Prediger in Paliacatta (Puliat) nördlich von Madras gelebt hatte, in seinem Werk »Offene Thür zu dem verborgenen Heidentum«¹ über die alte brahmanische Litteratur der Inder und veröffentlichte einige von einem Brahmanen für ihn ins Portugiesische übersetzte Sprüche des Bhartṛhari, aus denen später Herder für seine »Stimmen der Völker in Liedern« schöpfte. Im Jahre 1699 ging der Jesuit Pater Johann Ernst Hanxleden nach Indien und wirkte dort über dreißig Jahre in der malabarischen Mission. Er bediente sich selber indischer Sprachen, und seine »Grammatica Granthamia seu Samscrdumica« war die erste Sanskritgrammatik, die ein Europäer geschrieben hat. Sie ist nie gedruckt worden, wurde aber von Fra Paolino de St. Bartholomeo benutzt. Dieser Fra Paolino — ein österreichischer Karmelit, dessen eigentlicher Name J. Ph. Wessdin war — ist unstreitig der bedeutendste unter den Missionären, welche an der frühesten Erschliessung der indischen Litteratur arbeiteten. Er war von 1776—1789 Missionar an der Küste von Malabar und starb im Jahre 1805 in Rom. Er schrieb zwei Sanskritgrammatiken und mehrere gelehrte Abhandlungen und Bücher. Sein »Systema Brahmanicum« (Rom 1792) und seine »Reise nach Ostindien« (deutsch von J. R. Forster. Berlin 1798) beweisen eine groſse Kenntnis von Indien und der brahmanischen Litteratur, sowie ein eingehendes Studium der indischen Sprachen und insbesondere des indischen Religionswesens. Doch hat auch sein Wirken nur geringe Spuren hinterlassen.