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Geschichte der indischen Litteratur v1.c7.s5.t2.2

Geschichte der indischen Litteratur v1.c7.s5.t2.2

Language
German

v1.c7.s5.t2.2

1. Die wichtigste der mittelindischen Litteratursprachen ist das Pāli, die Kirchensprache der Buddhisten von Ceylon, Birma und Siam, die Sprache, in welcher die älteste Sammlung der uns erhaltenen heiligen Schriften des Buddhismus abgefaſst ist. Die Buddhisten selbst erzählen uns, daſs der Buddha nicht wie die Brahmanen in dem gelehrten Sanskrit gepredigt, sondern in der Sprache des Volkes zum Volke selbst geredet habe. Und da der Buddha in dem Lande Magadha (dem südlichen Bihār) zuerst gepredigt und dort seine vorzüglichste Wirksamkeit entfaltet hat, so sagen uns die Buddhisten, Pāli sei dasselbe wie Māgadhī, die Sprache der Provinz Magadha. Das kann aber nicht richtig sein, da der uns anderweitig bekannte Dialekt von Magadha mit dem Pāli nicht übereinstimmt. Wahrscheinlicher ist es, daſs der Dialekt von Ujjayinī (Ujjein) dem Pāli zugrunde liegt. Wie immer dem auch sein mag, sicher ist, daſs der im Pāli abgefaſste buddhistische Kanon die zuverlässigste Quelle für unsere Kenntniss des alten Buddhismus, der ursprünglichen Lehre des Buddha bildet. Das Wort »Pāli« bedeutet eigentlich »Reihe«, dann »Ordnung, Anordnung, Regel«, daher auch »heiliger Text« und schlieſslich die Sprache der heiligen Texte, im Gegensatz zum Altsinghalesischen, der Sprache, in welcher die Kommentare zu diesen Texten abgefaſst waren.