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Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.165

Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.165

Language
German

v1.c8.s2.165

Während diese philosophischen Hymnen gleichsam eine Brücke zu den philosophischen Spekulationen der Upaniṣads bilden, gibt es auch eine Anzahl von Gedichten in der Rigveda-Saṃhitā — es dürften ihrer gegen zwanzig sein —, die uns zur epischen Dichtung hinüberführen. Es sind dies Bruchstücke von Erzählungen in Form von Dialogen, die man jetzt mit Oldenberg, der sich mit dem Studium dieser Klasse von vedischen Hymnen zuerst eingehend beschäftigt hat, als Ākhyānahymnen zu bezeichnen pflegt¹). Oldenberg hat gezeigt, daſs die älteste Form epischer Dichtung in Indien²) in einem Gemisch von Prosa und Versen bestand, und zwar in der Weise, daſs die Verse meistens³) nur die Reden und Gegenreden der auftretenden Personen enthielten, während die Begebenheiten, welche zu den poetischen Wechselreden Anlaſs gaben, in Prosa erzählt wurden. Es wurden aber ursprünglich nur die Verse in bestimmter Form dem Gedächtnis eingeprägt und überliefert, während die Prosa von jedem Erzähler nach Belieben mit seinen eigenen Worten erzählt werden konnte. In den Ākhyānahymnen des Rigveda nun sind uns nur die poetischen Wechselreden der in der Erzählung auftretenden Personen erhalten, während uns die Prosateile der Erzählung verloren gegangen sind. Nur manche dieser Erzählungen können wir uns mit Hilfe der Brāhmaṇas oder der späteren epischen Litteratur oder auch aus Kommentaren zum Teil wenigstens ergänzen.