Pramāṇa · Search · About · API

Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.169

Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.169

Language
German

v1.c8.s2.169

So finden wir im Rv. X, 95 ein Gedicht von 18 Strophen, aus Wechselreden zwischen Purūravas und Urvaśī bestehend. Purūravas ist ein Sterblicher, Urvaśī eine Nymphe (Apsaras). Vier Jahre lang weilte die göttliche Schöne als des Purūravas Gattin auf Erden, bis sie von ihm schwanger ward. Dann entschwand sie, »wie die erste der Morgenröten«. Darauf ging er aus, sie zu suchen; endlich findet er sie, wie sie zusammen mit anderen Wasserfrauen auf einem See ihr Spiel treibt. Das ist so ziemlich alles, was wir aus den dunklen, oft ganz unverständlichen Versen — den Wechselreden des Verlassenen und der im Teiche mit ihren Gespielinnen sich tummelnden Göttin — entnehmen können. Glücklicherweise ist uns dies uralte Märchen von der Liebe eines sterblichen Königs zu einem Göttermädchen in der indischen Litteratur auch sonst noch aufbewahrt und wir können so einigermaßen das Gedicht des Rigveda ergänzen. Schon in einem Brāhmaṇa¹ wird uns die Sage von Purūravas und Urvaśī erzählt, und die Verse des Rigveda sind in die Erzählung eingeflochten. Es heißt da, daſs die Nymphe, als sie einwilligte, des Purūravas Gattin zu werden, drei Bedingungen gestellt habe, darunter die, daſs sie ihn nie nackt sehen dürfe. Die Gandharvas — Halbgötter desselben Reiches, dem die Apsaras angehören — wollen die Urvaśī wieder zurückerlangen. Darum rauben sie des Nachts zwei Lämmchen, die sie wie Kinder liebt und die an ihrem Bette angebunden sind. Und da Urvaśī sich bitter beklagt, daſs man sie beraube, als wäre kein Mann da, springt Purūravas — »nackt wie er war, denn es deuchte ihm zu lange, wenn er erst ein Kleid anlegen sollte« — auf, die Diebe zu verfolgen. Im selben Augenblicke aber lassen die Gandharvas einen Blitz erscheinen, so daſs es taghell wird und Urvaśī den König nackt erblickt. Da verschwand sie; und als Purūravas wiederkam, war sie fort. Vor Gram wahnsinnig, wanderte darauf der König im Lande umher, bis er eines Tages zu einem Teiche kam, in welchem Nymphen in Gestalt von Schwänen herumschwammen. Und hier entspinnt sich das Gespräch, das uns im Rigveda erhalten ist, und das im Brāhmaṇa[^2)

Cites (1)