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Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.190

Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.190

Language
German

v1.c8.s2.190

Zu den Ākhyānahymnen möchte ich auch das Sūryāsūkta, Rv. X, 85, stellen. Dieser Hymnus schildert nämlich die Hochzeit der Sūryā (der Sonnentochter, wie die Morgenröte hier genannt wird) mit Soma (dem Mond), wobei die beiden Aśvins die Brautwerber waren. Dieser Hymnus besteht aus 47 Versen, die ziemlich lose zusammenhängen. Die Verse beziehen sich fast alle auf das Hochzeitsrituell, und die meisten derselben wurden, wie wir aus den Gṛhyasūtras, den Lehrbüchern des häuslichen Rituals, wissen, auch bei der Hochzeit gewöhnlicher Sterblicher verwendet. Doch glaube ich nicht, daſs diese Verse — wie das zum Teil bei den Totenbestattungshymnen der Fall ist — bloſs aus dem Rituell zusammengestellt wurden; so daſs sie etwa so anzusehen wären, wie wenn in einem Gebetbuch alle bei den Hochzeitsriten zu verwendenden Sprüche in einem Kapitel vereinigt sind. Ich glaube vielmehr, wir haben es hier mit einem epischen Stück zu tun, welches die Heirat der Sūryā erzählte. Wie bei anderen Ākhyānahymnen, ist auch hier die Prosa der eigentlichen Erzählung verloren gegangen, und erhalten sind bloſs die Reden der Priester, die Sprüche und Gebetformeln, wie sie bei der Hochzeit vorkamen, nebst einigen Versen, in denen die Hauptmomente der Erzählung kurz zusammengefaſst sind¹). Unter den Hochzeitssprüchen aber, die wir in diesem Sūryāsūkta finden, gibt es viele, die uns durch den schlichten, warmen Herzenston, der aus ihnen spricht, an die oben besprochenen Totenbestattungslieder erinnern. So wird das Brautpaar mit den schönen Worten beglückwünscht:

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