Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.201
Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.201
- Language
- German
v1.c8.s2.201
Manche von diesen Hochzeitssprüchen haben aber mehr den Charakter von Zauberformeln. Wir finden unter ihnen sowohl Beschwörungen gegen das böse Auge und sonstigen unheilvollen Zauber, durch welchen die Braut dem künftigen Gatten schaden könnte, als auch Zaubersprüche, durch welche Dämonen, die der Braut nachstellen, verscheucht werden sollen. Und diese Zaubersprüche stehen keineswegs vereinzelt, sondern es gibt im Rigveda auch gegen dreiſsig Zauberlieder. Und zwar finden wir Sprüche und Formeln zur Heilung verschiedener Krankheiten, zur Behütung der Leibesfrucht, zur Abwehr böser Träume und ungünstiger Vorzeichen, zur Verscheuchung von Unholdinnen, zur Vernichtung von Feinden und übelwollenden Zauberern, Zauberformeln gegen Gift und Gewürm, Sprüche zur Verdrängung einer Nebenbuhlerin; wir finden einen Ackersegen, einen Rindersegen, einen Schlachtsegen, einen Spruch zur Einschläferung u. dgl. mehr. Hierher gehört auch das sehr merkwürdige »Froschlied«, Rv. VII, 103. Hier werden die Frösche mit Brahmanen verglichen. In der trockenen Zeit liegen sie da wie Brahmanen, die das Gelübde des Schweigens auf sich genommen. Wenn dann der Regen kommt, begrüſsen sie einander mit lustigem Gequake »wie der Sohn den Vater«. Und der eine wiederholt das Quaken des anderen, wie in einer Brahmanenschule beim Vedalernen die Schüler die Worte des Lehrers nachsagen. In mannigfacher Weise modulieren sie ihre Stimmen. Wie Priester beim Somaopfer singend um die gefüllte Kufe sitzen, so feiern die Frösche den Eintritt der Regenzeit mit ihrem Gesang. Zum Schlusse folgt ein Gebet um Reichtum:
Cites (1)
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit