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Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.4.1

Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.4.1

Language
German

v1.c8.s2.4.1

Dafs diese Hymnensammlung das Älteste ist oder wenigstens das Älteste enthält, was wir von indischer Litteratur besitzen, beweist die Sprache der Hymnen unwiderleglich. Die Sprache beweist aber auch, dafs die Sammlung kein einheitliches Werk ist, sondern aus älteren und jüngeren Stücken besteht. Wie in dem hebräischen Buch der Psalmen, so wurden auch hier Lieder, die in weit auseinanderliegenden Zeiträumen gedichtet worden sind, zu irgendeiner Zeit in einer Sammlung vereinigt und berühmten Persönlichkeiten der Vorzeit zugeschrieben, am liebsten den Urahnen jener Familien, in denen die betreffenden Lieder überliefert wurden. Die Mehrzahl der ältesten Hymnen findet sich in den Büchern II bis VII, welche man als die »Familienbücher« zu bezeichnen pflegt, weil sie von der Überlieferung je einer bestimmten Sängerfamilie zugeschrieben werden. Die Namen der Sänger oder Ṛṣis (d. h. »Seher, Propheten«), welche, wie die Inder sagen, diese Hymnen »geschaut« haben, werden uns teils in den Brāhmaṇas, teils in eigenen, der Vedāṅgalitteratur sich anschliefsenden Verfasserlisten (Anukramaṇīs) genannt. Sie heifsen: Gṛtsamada, Viśvāmitra, Vāmadeva, Atri, Bharadvāja und Vasiṣṭha. Diese und ihre Nachkommen galten den Indern als die Ṛṣis oder »Erschauer« — wir würden sagen: »Verfasser« — der Hymnen von Maṇḍalas II bis VII. Das VIII. Buch enthält Hymnen, welche dem Sängergeschlecht der Kaṇvas und dem der Aṅgiras zugeschrieben werden.