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Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.4.2

Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.4.2

Language
German

v1.c8.s2.4.2

Die Anukramaṇīs geben uns aber auch die Namen der Ṛṣis oder »Verfasser« von jedem einzelnen Hymnus der übrigen Bücher (I, IX, X), und es ist bemerkenswert, dafs auch Frauennamen sich darunter befinden. Leider haben alle diese Namenlisten so gut wie gar keinen Wert, und in Wirklichkeit sind uns die Verfasser der vedischen Hymnen ganz unbekannt. Denn wie längst nachgewiesen worden ist¹), steht die Überlieferung, welche Gṛtsamada, Viśvāmitra u. s. w. und einzelne von deren Nachkommen als die Ṛṣis der Hymnen nennt, mit den Angaben der Hymnen selbst in Widerspruch. In diesen werden nämlich nur Nachkommen jener alten Ṛṣis als Verfasser der Hymnen genannt; die Ṛṣis aber, Gṛtsamada, Viśvā- mitra, Vasiṣṭha, und wie sie alle heiſsen — ihre Namen sind als die Helden zahlloser Mythen und Legenden in der ganzen indischen Litteratur wohlbekannt — sind bereits in den Hymnen des Rigveda die Seher einer längst vergangenen Vorzeit und werden bloſs als die Stammväter der Sängerfamilien genannt, in denen die Hymnen überliefert wurden. Das IX. Buch gewinnt dadurch einen einheitlichen Charakter, daſs es ausschlieſslich Hymnen enthält, welche den Somatrank verherrlichen und dem Gott Soma gewidmet sind. Soma ist der Name einer Pflanze, aus welcher ein berauschender Saft gepreſst wurde, welcher schon in der indo-iranischen Vorzeit als ein den Göttern willkommener Trank galt und daher bei den Opfern sowohl der Inder wie der alten Iranier — er heiſst hier Haôma — eine hervorragende Rolle spielt.