Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.4.3
Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.4.3
- Language
- German
v1.c8.s2.4.3
In der altindischen Mythologie wird aber der Somatrank mit dem Unsterblichkeitstrank der Götter gleichgesetzt, und der Sitz dieses Göttertrankes ist der Mond, der goldglänzende »Tropfen«¹ am Himmel. Daher wird im IX. Buche der Rigveda-Saṁhitā Soma nicht nur als der den Göttern liebe Opfertrank, sondern auch als der Mond, der König des Himmels, gefeiert. Da der Somakult in die indo-iranische Zeit zurückreicht, dürfen wir auch für die mit dem Somaopfer aufs engste zusammenhängenden Lieder des IX. Buches ein ziemlich hohes Alter annehmen. Die jüngsten Bestandteile unserer Hymnensammlung finden sich aber in den aus sehr verschiedenartigen Stücken zusammengesetzten Büchern I und X. Damit soll aber nicht gesagt sein, daſs sich nicht auch manche sehr alte Stücke in diesen Büchern erhalten haben, während umgekehrt einige jüngere Hymnen auch in den »Familienbüchern« zerstreut sind. Überhaupt ist die Frage, welche Hymnen »älter« und welche »jünger« sind, nicht leicht zu entscheiden. Denn die Sprache, auf welche sich diese Unterscheidung hauptsächlich stützt, ist nicht nur nach dem Alter der Hymnen verschieden, sondern auch nach dem Ursprung und Zweck derselben, je nachdem sie mehr zum priesterlichen Kult oder zur volkstümlichen Religion in Beziehung stehen. Ein Zauberlied z. B. kann sich in der Sprache von einem Lobgesang auf Soma oder Indra unterscheiden, braucht aber deshalb noch nicht jünger zu sein¹).