Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.44.3
Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.44.3
- Language
- German
v1.c8.s2.44.3
Zu diesen Forschern gehörte namentlich Rudolf Roth. Einer seiner Schüler und Anhänger war H. Graſsmann, der eine vollständige metrische Übersetzung der Hymnen des Rigveda in zwei Bänden veröffentlichte¹). Die meisten Forscher nehmen heutzutage eine vermittelnde Stellung ein. Sie geben zwar zu, daſs wir den einheimischen Erklärern nicht blindlings folgen dürfen, glauben aber, daſs dieselben doch teilweise wenigstens aus einer ununterbrochenen Überlieferung schöpften und darum Beachtung verdienen, daſs sie aber auch schon deshalb, weil sie Inder sind und sich in der indischen Atmosphäre gewissermaſsen besser auskennen als wir Europäer, oft das Richtige treffen. Zu diesen Erklärern gehört Alfred Ludwig, der in seiner vollständigen deutschen Übersetzung des Rigveda, der ein ausführlicher, höchst wertvoller Kommentar beigegeben ist²), zum erstenmal die Erklärungen des Sāyaṇa gründlich verwertet hat, ohne dabei auf andere Hilfsmittel der Erklärung zu verzichten. Er ist ein Vorläufer von R. Pischel und K. F. Geldner, die sich durch ihre »Vedischen Studien«³) um die Aufklärung vieler dunkler Stellen des Rigveda auſserordentlich verdient gemacht haben. Sie haben auch am schärfsten — freilich nicht ohne Übertreibung — den Grundsatz festgehalten, daſs der Rigveda vor allem als ein indisches Geisteserzeugnis erklärt werden muſs, für dessen richtiges Verständnis die indische Litteratur späterer Perioden den besten Schlüssel liefert.