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Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.44.2

Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.44.2

Language
German

v1.c8.s2.44.2

Yāska selbst verläſst sich bei der Erklärung schwieriger Wörter vielfach auf die Etymologie (die selbstverständlich den wiſsenschaftlichen Anforderungen der modernen Philologie nicht entspricht) und gibt oft zwei oder mehrere verschiedene Deutungen für ein und dasselbe Wort. Es folgt daraus, daſs schon zu Yāskas Zeit der Sinn vieler Wörter und Stellen des Rigveda nicht mehr durch eine ununterbrochene Überlieferung feststand. Von den vielen Nachfolgern nun, welche dieser Yāska gehabt hat, ist uns ebenso wie von seinen Vorgängern nichts erhalten. Erst aus dem 14. Jahrhundert nach Christi Geburt besitzen wir einen ausführlichen Kommentar, welcher den Text des Rigveda Wort für Wort erklärt. Es ist dies der berühmte Kommentar des Sāyaṇa. Einige der älteren europäischen Erklärer des Rigveda — so der englische Gelehrte H. H. Wilson, der eine vollständige englische Übersetzung des Rigveda veröffentlicht hat, die ganz dem indischen Kommentar folgt — verlieſsen sich durchaus auf Sāyaṇas Kommentar, indem sie von der Ansicht ausgingen, daſs derselbe auf einer zuverlässigen Tradition beruhe. Hingegen kümmerten sich andere Vedaforscher um die einheimische Interpretation gar nicht. Sie leugneten, daſs ein Kommentator, der mehr als zwei Jahrtausende nach dem Entstehen des von ihm erklärten Werkes gelebt habe, irgend etwas wissen könne, was wir Europäer mit unserer philologischen Kritik und mit den modernen Mitteln der Sprachwissenschaft nicht besser ergründen und verstehen könnten.