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Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.49

Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.49

Language
German

v1.c8.s2.49

Wie verschieden aber die Beurteilung dieser Lieder ist, je nachdem ein Forscher auf dem einen oder dem anderen der eben aufgezählten Standpunkte der Auslegung steht, das mag eine Gegenüberstellung der Urteile zweier bedeutender Forscher zeigen. In seinem schönen und noch immer empfehlenswerten Buch: »Der Rigveda, die älteste Litteratur der Inder«¹) sagt Ad. Kaegi von den Hymnen des Rigveda: »Die grosse Mehrzahl der Lieder sind Anrufungen und Verherrlichungen der jeweilen angeredeten Gottheiten; ihr Grundton ist durchweg ein einfacher Erguss des Herzens, ein Gebet zu den Ewigen, eine Einladung, die fromm geweihte Gabe günstig entgegenzunehmen . . . Was ein Gott in seine Seele legte und ihm zu fühlen gab; dem Drang seines Herzens will der Sänger beredten Ausdruck geben.« Er gibt zu, dass auch minderwertige Stücke sich in der Sammlung befinden, »aber es weht in ihnen allen ein frischer Hauch urkräftiger, naturwüchsiger Poesie: wer immer sich die Mühe gibt, sich hineinzuversetzen in das religiöse und sittliche Denken und Handeln, das Dichten und Schaffen eines Volkes und Zeitalters, welches die erste Geistesentwicklung unseres eigenen Stammes uns am besten vor Augen stellt, der wird sich durch viele dieser Lieder, hier durch die kindliche Einfalt, dort durch die Frische oder Zartheit der Empfindung, anderwärts durch die Kühnheit der Bilder, durch den Schwung der Phantasie mannigfach angezogen fühlen«. Und nun höre man, was H. Oldenberg, der geistvolle und feinsinnige Kenner indischer Litteratur, in seiner »Religion des Veda«²) über diese Lieder sagt. Er sieht schon in diesem »ältesten Dokument der indischen Litteratur und Religion« »die deutlichen Spuren eines immer mehr überhandnehmenden geistigen Erschlaffens«. Er spricht von den »Opfergesängen und Litaneien, mit welchen die Priester der vedischen Arier auf tempellosem Opferplatz, an den rasenumstreuten Opferfeuern ihre Götter anriefen, — Barbarenpriester die Barbarengötter, die mit Rossen und Wagen durch Himmel und Luftreich gefahren kamen, um den Opferkuchen, Butter und Fleisch zu schmausen und im berauschenden Somasaft sich Mut und Götterkraft zu trinken. Die Sänger des Rigveda, in altererbter Weise dichtend für das groſse und prunkvolle . . . Somaopfer, wollen nicht von dem Gott, welchen sie feiern, erzählen, sondern sie wollen diesen Gott loben . . . So häufen sie auf ihn alle verherrlichenden Beiworte, welche der schmeichlerisch-plumpen Redseligkeit einer das Helle und Grelle liebenden Phantasie zu Gebote stehen.« »Nur in den abgeschlossenen Kreisen priesterlicher Opfertechniker« konnte, meint Oldenberg, eine solche Poesie entstanden sein.

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