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Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.52

Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.52

Language
German

v1.c8.s2.52

Mir scheinen diese Urteile beide übertrieben, und die Wahrheit liegt meiner Ansicht nach hier wie bei allen die Rigveda-Erklärung betreffenden Streitfragen in der Mitte. Erinnern wir uns, daſs die Hymnensammlung des Rigveda aus älteren und jüngeren Stücken zusammengesetzt ist. Und so wie es Hymnen in der Saṃhitā gibt, die verschiedenen Zeitaltern angehören, so sind auch die Hymnen inhaltlich von sehr verschiedenem Wert und verschiedenen Ursprungs. Kein Zweifel, daſs eine groſse Anzahl derselben unabhängig von allem Opferrituell entstanden ist, und daſs in ihnen der Hauch echter, urwüchsiger religiöser Poesie weht¹). Wenn viele dieser Hymnen auch späterhin für Opferzwecke verwendet wurden, so beweist das durchaus nicht, daſs sie von Anfang an für diesen Zweck gedichtet worden sind. Anderseits ist es ebenso unzweifelhaft, daſs sehr viele Stücke der Rigveda-Saṃhitā von vornherein nichts anderes als Opfergesänge und Litaneien sein sollten und von priesterlichen Sängern recht handwerksmäſsig zusammengeleimt worden sind. Übertrieben ist es gewiſs auch, wenn W. D. Whitney sagt: »Nicht ein indisches, sondern eher ein indogermanisches Buch scheinen die Vedas zu sein.« Aber ebenso entschieden ist es eine Übertreibung, wenn Pischel und Geldner (mit H. H. Wilson) behaupten, daſs die Inder zur Zeit des Rigveda bereits eine Kulturstufe erreicht hatten, die wenig verschieden war von der, welche Alexander der Groſse bei seinem Einfall in Indien vorfand¹).

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