Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.61
Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.61
- Language
- German
v1.c8.s2.61
Gerade diese bedeutenden Unterschiede zwischen den religiösen Anschauungen, die in den Liedern des Rigveda zutage treten, und denen der Folgezeit beweisen aber auch, daſs diese Lieder tatsächlich den Volksglauben der alten arischen Inder widerspiegeln. Und wenn es auch richtig ist, daſs die Lieder des Rigveda nicht eigentlich »Volksdichtung« zu nennen sind, daſs sie — zum groſsen Teile wenigstens — in gewissen Sängerfamilien, in engen priesterlichen Kreisen entstanden sind, so dürfen wir doch nicht glauben, daſs diese Priester und Sänger die Mythologie und das Religionswesen ohne Rücksicht auf den Volksglauben geschaffen haben. Wohl mag manches, was uns von den Göttern berichtet wird, nur auf »momentanen Einfällen der einzelnen Dichter« beruhen, aber im groſsen und ganzen müssen wir annehmen, daſs diese Priester und Sänger an Volkstümliches angeknüpft haben, daſs sie — wie Hillebrandt treffend sagt — »über, aber nicht auſser dem Volke« standen¹).