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Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.63

Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s2.63

Language
German

v1.c8.s2.63

So sind uns denn diese Lieder als Zeugnisse für den ältesten Götterglauben der arischen Inder von unschätzbarem Wert. Aber auch als Werke der Dichtkunst verdienen sie einen hervorragenden Platz in der Weltlitteratur. Wohl erheben sich die Dichter dieser Hymnen nur äuſserst selten zu dem erhabenen Schwung und der tiefen Inbrunst etwa der religiösen Poesie der Hebräer. Der vedische Sänger blickt zu dem Gott, den er besingt, nicht mit jener erschauernden Ehrfurcht und nicht mit jenem felsenfesten Glauben empor wie der Psalmist zu Jehovah. Und nicht, wie bei diesem, steigen die Gebete der priesterlichen Sänger Altindiens aus dem Tiefinnersten der Seele zu den Himmlischen empor. Diese Dichter stehen mit den Göttern, die sie besingen, auf mehr vertrautem Fuſse. Wenn sie einem Gott ein Loblied singen, so erwarten sie von ihm, daſs er ihnen dafür auch Reichtümer an Kühen und Heldensöhnen schenkt, und sie scheuen sich auch nicht, dem Gotte das zu sagen. »Do, ut des« ist der Standpunkt, auf dem sie stehen. So sagt ein vedischer Sänger zu dem Gott Indra (Rv. VIII, 14, 1. 2):

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