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Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s3.101

Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s3.101

Language
German

v1.c8.s3.101

Die Brahmanen waren aber von jeher viel zu praktische Leute, als daſs sie die Zaubersprüche immer nur im Interesse der Könige oder anderer Leute und nicht auch für sich selbst benutzt hätten. Schon unter den zu den »Königsriten« gehörigen Zauberliedern finden sich einige, welche sich mehr mit dem Purohita, dem unentbehrlichen Hauspriester des Königs, als mit dem letzteren selbst beschäftigen. Und wenn es auch in der brahmanischen Litteratur nicht an Ausfällen gegen Zauberwerk und Beschwörungen fehlt¹), so sagt doch das Gesetzbuch des Manu (XI, 33) klar und deutlich: »Ohne Bedenken soll der Brahmane sich der heiligen Texte des Atharvaveda bedienen; das Wort fürwahr ist die Waffe des Brahmanen; damit töte er seine Feinde.« So finden wir denn auch im Atharvaveda eine ganze Reihe von Zauberliedern und Beschwörungen im Interesse der Brahmanen. In den stärksten Ausdrücken wird in diesen Hymnen immer wieder die Unverletzlichkeit der Brahmanen und die Unantastbarkeit ihres Besitzes eingeschärft, und die schwersten Flüche werden gegen jene ausgesprochen, welche sich an Gut und Leben der Brahmanen vergreifen. Daneben wird die mystische Bedeutung der Dakṣiṇā, d. h. des Opferlohns, in den überschwenglichsten Ausdrücken hervorgehoben. Brahmanen zu unterdrücken, ist die schwerste aller Sünden; ihnen reichlichen Opferlohn zu geben, ist der höchste Gipfel der Frömmigkeit: das sind die Grundgedanken, die sich durch alle diese Lieder ziehen, die zu den unerquicklichsten des ganzen Atharvaveda gehören. Nur einige wenige der besseren dieser Hymnen enthalten Gebete um Einsicht, Weisheit, Ansehen und theologisches Wissen. Alle zu dieser Klasse gehörigen Lieder darf man wohl unbedenklich zu den jüngsten Bestandteilen der Atharvaveda-Sammlung rechnen.

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