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Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s3.19

Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s3.19

Language
German

v1.c8.s3.19

Wenn es aber auch feststeht, daſs unsere Redaktion der Atharvaveda-Saṃhitā jünger ist als die der Rigveda-Saṃhitā, so folgt daraus keineswegs, daſs die Hymnen selbst jünger sind als die Rigvedahymnen. Es folgt nur, daſs die jüngsten Hymnen des Atharvaveda jünger sind als die jüngsten Hymnen des Rigveda. Aber so gewiſs es ist, daſs es unter den Hymnen des Atharvaveda viele gibt, welche jünger sind als die groſse Mehrzahl der Rigvedahymnen, so gewiſs ist es, daſs die Zauberpoesie des Atharvaveda an sich mindestens ebenso alt, wenn nicht älter ist als die Opferpoesie des Rigveda, daſs zahlreiche Stücke des Atharvaveda in dieselbe graue Vorzeit zurückreichen wie die ältesten Lieder des Rigveda. Denn es geht durchaus nicht an, etwa von einer »Periode des Atharvaveda« zu sprechen. Wie die Rigveda-Saṃhitā so enthält auch die Sammlung des Atharvaveda Stücke, welche durch Jahrhunderte voneinander getrennt sind. Und nur von den jüngeren Bestandteilen der Atharvaveda-Saṃhitā kann man sagen, daſs manche derselben erst nach dem Vorbild der Rigvedahymnen gedichtet worden sind. Für unrichtig halte ich aber die Ansicht von Oldenberg³), daſs die älteste Gestalt der Zauberformeln in Indien die prosaische gewesen, und daſs die ganze Litteratur von Zauberversen und Zauberliedern erst nach dem »Vorbild ihrer älteren Schwester, der Poesie der Opferhymnen« geschaffen worden sei.