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Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s5.10

Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s5.10

Language
German

v1.c8.s5.10

Beide Teile der Saṃhitā geben uns nur die Texte, wie sie gesprochen werden. Die Sangweisen selbst wurden in ältester Zeit jedenfalls nur durch den mündlichen und wohl auch instrumentalen Vortrag gelehrt. Erst aus späterer Zeit stammen die sogenannten Gānas oder eigentlichen »Gesangbücher« (von gā »singen«), welche die Melodien durch Noten bezeichnen, und in denen die Texte in der Gestalt aufgezeichnet sind, welche sie beim Gesang haben, d. h. mit allen Silbendehnungen, Wiederholungen und Einschiebungen von Silben und selbst von ganzen Wörtern — den sogenannten »Stobhas«, wie hoyi, huvā, hōi u. s. w., die zum Teil unseren Jauchzern und Jodlern nicht unähnlich sind. Die älteste Notenbezeichnung ist wahrscheinlich die vermittelst Silben, wie ta, co, ṇa u. s. w. Häufiger aber ist die Bezeichnung der sieben Noten mittelst der Ziffern 1, 2, 3, 4, 5, 6 und 7, denen F, E, D, C, B, A, G unserer Tonleiter entsprechen. Beim Singen markieren die Priester diese verschiedenen Noten durch Bewegungen der Hand und der Finger¹. Es scheint, daſs die Sangweisen bei den im Dorf gefeierten Somaopfern andere waren als bei den Opfern der Waldeinsiedler, denn es gibt zum Ārcika ein Grāmageyagāna (»Dorfgesangbuch«) und ein Āraṇyagāna (»Waldgesangbuch«). Wenn wir die Ārcikas mit Liedertextbüchern verglichen haben, so können wir die Gānas mit Notenbüchern vergleichen, in denen die Worte mit allen Dehnungen, Silbenwiederholungen u. dgl., wie sie der Gesang erfordert, unter die Noten geschrieben sind.