Pramāṇa · Search · About · API

Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s5.12

Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s5.12

Language
German

v1.c8.s5.12

Die Zahl der bekannten Sangweisen muſs eine sehr groſse gewesen sein¹), und schon in sehr alter Zeit hatte jede Melodie einen besonderen Namen. Unter diesen Namen werden sie nicht nur in den Ritualbüchern oft genannt, sondern es werden ihnen auch verschiedene symbolische Bedeutungen zugeschrieben, und sie spielen in der Symbolik und Mystik der Brāhmaṇas, Āraṇyakas und Upaniṣads keine geringe Rolle, namentlich einige derselben, wie die beiden schon im Ṛigveda vorkommenden Sangweisen »Bṛhat« und »Rathantara«. Gewiſs haben auch die Priester und Theologen diese Melodien nicht alle selbst erfunden. Die ältesten derselben waren vermutlich volkstümliche Weisen, nach denen in uralter Zeit bei Sonnwendfeiern und anderen Volksfesten halbreligiöse Lieder gesungen wurden, und noch andere mögen bis auf jene lärmende Musik zurückgehen, mit welcher vorbrahmanische Zauberpriester — den Zauberern, Schamanen und Medizinmännern der Naturvölker nicht unähnlich — ihre wilden Lieder und Riten begleiteten²). Spuren dieses volkstümlichen Ursprungs der Sāmanweisen zeigen sich schon in den oben erwähnten Stobhas oder Jauchzern, und besonders darin, daſs die Melodien des Sāmaveda noch in brahmanischer Zeit als zauberkräftig galten³). Und es gibt ein zum Sāmaveda gehöriges Ritualbuch — es nennt sich Sāmavidhāna-Brāhmaṇa —, dessen zweiter Teil geradezu ein Handbuch der Zauberei ist, in welchem die Verwendung verschiedener Sāmans zu Zauberzwecken gelehrt wird. Auch darin kann man noch eine Erinnerung an den Zusammenhang der Sāmanweisen mit dem vorbrahmanischen Volksglauben und Zauberwesen sehen, dafs die brahmanischen Gesetzbücher lehren, dafs man die Rezitation des Rigveda und des Yajurveda unterbrechen müsse, sobald man den Klang eines Sāman hört. Besonders deutlich ist Āpastambas Gesetzbuch¹), wo Hundegebell, Eselgeschrei, das Heulen von Wölfen und Schakalen, das Schreien der Eule, der Klang von Musikinstrumenten, Weinen und der Ton von Sāmans als Geräusche aufgezählt werden, bei denen das Vedastudium unterbrochen werden mufs.

Cites (4)