Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s6.13
Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s6.13
- Language
- German
v1.c8.s6.13
Der Hauptunterschied zwischen den Saṃhitās des »schwarzen« und des »weiſsen« Yajurveda besteht darin, daſs die Vājasaneyi-Saṃhitā bloſs die Mantras, d. h. die Gebete und Opferformeln, enthält, welche der Adhvaryupriester zu sagen hat, während die Saṃhitās des schwarzen Yajurveda aufser den Mantras auch zugleich eine Darstellung der zu denselben gehörigen Opferriten nebst Erörterungen über dieselben enthalten. Es ist also in den Saṃhitās des schwarzen Yajurveda das, was man »Brāhmaṇa« oder »theologische Erörterung« nennt, und was den Inhalt der im nächsten Kapitel zu besprechenden Brāhmaṇas bildet, mit den Mantras vermischt. Es ist aber leicht begreiflich, daſs in den für den Gebrauch der Adhvaryus bestimmten Gebetbüchern auch die Opferverrichtungen selbst besprochen wurden, denn diese Priester hatten vor allem die einzelnen Opferhandlungen zu vollziehen, und das Murmeln von Gebeten und Formeln im engsten Zusammenhang mit diesen Handlungen bildete bloſs einen kleinen Teil ihrer Verpflichtungen. Es kann daher kaum zweifelhaft sein, daſs die Saṃhitās des schwarzen Yajurveda älter sind als die Vājasaneyi-Saṃhitā. Erst spätere Systematiker unter den Yajurveda-Theologen fühlten wohl das Bedürfnis, analog den anderen Vedas eine nur aus Mantras bestehende Saṃhitā nebst einem davon getrennten Brāhmaṇa zu haben¹).