Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s7.2
Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s7.2
- Language
- German
v1.c8.s7.2
Von den Brāhmaṇas, der zweiten groſsen Klasse von Werken, die zum Veda gehören, sagt Max Müller einmal: »So interessant auch die Brāhmaṇas für den Forscher auf dem Felde der indischen Litteratur sein mögen, von so geringem Interesse sind dieselben für das allgemein gebildete Publikum. Der Hauptinhalt derselben ist einfach Gefasel und — was noch weit schlimmer — theologisches Gefasel. Niemand, der nicht von vornherein die Stelle kennt, welche die Brāhmaṇas in der Geschichte des indischen Geistes einnehmen, könnte über zehn Seiten hinauslesen, ohne das Buch zuzuschlagen.«²) In der Tat gilt von diesen Werken noch mehr als vom Yajurveda, daſs sie als Lektüre ungenieſsbar, aber zum Verständnis der ganzen späteren religiösen und philosophischen Litteratur der Inder unentbehrlich und für die allgemeine Religionswissenschaft von höchstem Interesse sind. Wie die Saṃhitās des Yajurveda für die Geschichte des Gebetes so sind die Brāhmaṇas für die Geschichte des Opferwesens und des Priestertums dem Religionsforscher ganz unschätzbare Quellen.