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Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s7.27

Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s7.27

Language
German

v1.c8.s7.27

Wenn wir aber fragen, in welche Zeit wir diese Jahrhunderte der Entwicklung der Brāhmaṇalitteratur zu versetzen haben, so kann von irgendwelchen bestimmten Jahreszahlen ebensowenig die Rede sein wie bei der Bestimmung der Zeit der Saṃhitās. Sicher ist nur, daſs die Saṃhitā des Rigveda bereits abgeschlossen war und die Hymnendichtung schon einer längst vergangenen Vorzeit angehörte, als man begann, die Gebete und Opfer zum Gegenstand einer besonderen »Wissenschaft« zu machen. Sicher ist es wohl auch, daſs die groſse Mehrzahl der Zauberlieder, Sprüche und Formeln des Atharvaveda und des Yajurveda sowie die Sangweisen des Sāmaveda um vieles älter sind als die Spekulationen der Brāhmaṇas. Hingegen ist es wahrscheinlich, daſs die endgültige Zusammenstellung der Saṃhitā des Atharvaveda und der liturgischen Saṃhitās mit den Anfängen der Brāhmaṇalitteratur ungefähr gleichzeitig war, so daſs die jüngsten Bestandteile dieser Saṃhitās mit den ältesten Bestandteilen der Brāhmaṇas der Zeit nach zusammenfallen dürften. Wenigstens deuten darauf die geographischen und kulturellen Verhältnisse hin, wie sie sich uns in den Saṃhitās des Atharvaveda, Sāmaveda und Yajurveda einerseits und den Brāhmaṇas anderseits im Vergleich zu denen des Rigveda darstellen. Wir haben gesehen, wie sich schon in der Zeit der Atharvaveda-Saṃhitā die arischen Stämme vom Induslande, der Heimat des Rigveda, weiter nach Osten in das Gebiet des Ganges und der Jamnā ausgebreitet hatten. Das Gebiet, auf welches uns die Saṃhitās des Yajurveda sowohl wie alle Brāhmaṇas hinweisen, ist das Land der Kurus und Pañcālas, jener beiden Volksstämme, deren gewaltige Kämpfe den Kern des groſsen indischen Epos, des Mahābhārata, bilden. Insbesondere gilt Kurukṣetra, »das Land der Kurus«, als ein heiliges Land, in welchem — wie es oft heiſst — die Götter selbst ihre Opferfeste feierten. Dieses Land Kurukṣetra lag zwischen den beiden kleinen Flüssen Sarasvatī und Dṛṣadvatī in der Ebene westlich von Ganges und Jamnā; und das benachbarte Gebiet der Pañcālas zog sich von Nordwesten nach Südosten zwischen Ganges und Jamnā hin. Dieser Teil Indiens, das Doab zwischen Ganges und Jamnā von der Gegend von Delhi bis nach Mathurā, gilt noch in späterer Zeit als das eigentliche »Brahmanenland« (Brahmāvarta), dessen Sitten und Bräuche nach den brahmanischen Gesetzbüchern für ganz Indien maſsgebend sein sollen. Es ist dies Gebiet nicht nur das Entstehungsland der. Saṃhitās des Yajurveda und der Brāhmaṇas, sondern auch das Stammland der ganzen brahmanischen Kultur, die sich von hier aus erst über ganz Indien verbreitet hat.

Cites (1)