Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s7.8
Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s7.8
- Language
- German
v1.c8.s7.8
Es muſs sehr viele solche Texte gegeben haben. Das versichern uns die Inder selbst, und das bestätigen auch die vielen Zitate aus verloren gegangenen Brāhmaṇas, die wir in unseren Texten finden. Aber auch die Zahl der noch erhaltenen Brāhmaṇas ist keineswegs gering, und sie gehören fast alle zu den umfangreicheren Werken der indischen Litteratur. Nach den vier vedischen Saṃhitās, die wir kennen gelernt haben, unterschied man, wie wir wissen, die vier Vedas, und zu jedem derselben gehören gewöhnlich mehrere Brāhmaṇas, die aus verschiedenen Schulen (Śākhās) hervorgegangen sind. Wir haben gesehen, daſs schon die Saṃhitās des schwarzen Yajurveda neben den Mantras oder Gebeten auch Aussprüche und Erörterungen über Zweck und Sinn des Opfers enthielten. In diesen Brāhmaṇa-artigen Bestandteilen der Yajurveda-Saṃhitās werden wir den Anfang der Brāhmaṇalitteratur zu sehen haben. Ebendiese Anleitungen zur Vollziehung der Opferzeremonien und die Erörterungen über den Sinn des Rituals, welche in den Saṃhitās des schwarzen Yajurveda unmittelbar an die Mantras selbst angeknüpft wurden, machte eine vedische Schule nach der andern zum Gegenstand eigener Werke. Und bald galt es als Regel, daſs jede vedische Schule auch ein Brāhmaṇa besitzen müsse. Daher erklärt sich einerseits die groſse Zahl der Brāhmaṇas und anderseits der Umstand, daſs manche Werke als Brāhmaṇas bezeichnet wurden, die weder nach ihrem Inhalt noch nach ihrem Umfang diesen Namen verdienen, und die zu den spätesten Erzeugnissen der vedischen Litteratur gehören. Von der Art sind viele sogenannte »Brāhmaṇas« des Sāmaveda, die nichts anderes als Vedāṅgas¹) sind, ebenso das zum Atharvaveda gehörige Gopatha-Brāhmaṇa. Das letztere ist eines der spätesten Werke der ganzen vedischen Litteratur. Es hat offenbar zum Atharvaveda in alter Zeit gar kein Brāhmaṇa gegeben. Erst eine spätere Zeit, die sich einen Veda ohne ein Brāhmaṇa nicht denken konnte, hat dann diese Lücke auszufüllen versucht¹).
Cites (1)
- Gopathabrāhmaṇa — Sanskrit