Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s7.82
Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s7.82
- Language
- German
v1.c8.s7.82
Dies ist übrigens eine der wenigen Stellen in den Brāhmaṇas, wo der Moral gedacht wird. Sonst ist es für diese Texte ungemein bezeichnend, daſs in ihnen so gut wie gar nicht von Moral die Rede ist. Die Brāhmaṇas sind ein glänzender Beweis dafür, daſs ungeheuer viel Religion mit unendlich wenig Moral verbunden sein kann. Religiöse Handlungen, Opfer und Zeremonien, sind das eine und einzige Thema aller dieser umfangreichen Werke, — aber mit der Moral haben diese Handlungen nichts zu tun⁴. Im Gegenteil. Opferhandlungen werden nicht nur vollzogen, damit die Götter die sehr materiellen Wünsche des Opferers erfüllen, sondern sehr oft auch, um einem Feinde zu schaden. Ja, die Brāhmaṇas geben Anweisungen für die Priester, wie sie mittelst des Opfers dem Opferer selbst, von dem sie angestellt sind, schaden können, wenn er ihnen z. B. nicht genug Geschenke gibt. Sie brauchen bloſs die vorgeschriebenen Zeremonien in verkehrter Reihenfolge zu vollziehen oder Sprüche an einer unrichtigen Stelle anzuwenden, — und das Schicksal des Opferers ist besiegelt.