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Geschichte der indischen Litteratur v1.c9.s2.3

Geschichte der indischen Litteratur v1.c9.s2.3

Language
German

v1.c9.s2.3

Mahābhārata¹ bedeutet »die Erzählung von dem groſsen Kampf der Bharatas«. Die Bharatas werden bereits im Rigveda als ein kriegerischer Volksstamm erwähnt, und Bharata, der Sohn des Duhṣanta und der Śakuntalā, der als Ahnherr des Fürstengeschlechts der Bhāratas gilt, begegnet uns schon in den Brāhmaṇas. Die Wohnsitze dieser Bharatas oder Bhāratas waren das Land am oberen Ganges und an der Jamnā. Unter den Nachkommen des Bharata ragte ein Herrscher namens Kuru hervor, und dessen Nachkommen, die Kauravas (Kuruiden, Kuruinge) waren so lange das Herrschergeschlecht der Bhāratas, daſs der Name Kuru oder Kaurava sich im Laufe der Zeit auch als Bezeichnung für den Volksstamm der Bharatas einbürgerte, und ihr Land ist das uns bereits aus dem Yajurveda und den Brāhmaṇas bekannte Kurukṣetra oder »Kuruland«². Durch einen Familienzwist in dem Fürstenhause der Kauravas kommt es zu einem blutigen Kampfe, einem wahren Vernichtungskampfe, in welchem das alte Kurugeschlecht und damit die Familie der Bhāratas fast ganz zugrunde geht. Die Geschichte dieses blutigen Kampfes — in dem wir wohl ein geschichtliches Ereignis sehen dürfen, obgleich wir von demselben nur aus dem Mahābhārata Kunde haben — wurde in Liedern besungen, und irgend ein groſser Dichter, dessen Name verschollen ist, hat diese Lieder zu einem Heldengedicht von der groſsen Schlacht im Kurufelde vereinigt. So bildet, wie in der Ilias und wie im Nibelungenliede, die Tragik eines furchtbaren Vernichtungskampfes den eigentlichen Gegenstand der Heldendichtung. Dieses alte Heldengedicht bildet den Kern des Mahābhārata.

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