Geschichte der indischen Litteratur v1.c9.s2.7
Geschichte der indischen Litteratur v1.c9.s2.7
- Language
- German
v1.c9.s2.7
Es ist aber noch viel, viel mehr. Wir wissen, daſs die litterarische Tätigkeit im alten Indien zumeist in den Händen der Priester, der Brahmanen, lag; und wir haben ja gesehen, wie sie die alten, volkstümlichen Zauberlieder des Atharvaveda brahmanisiert, und wie sie die dem Priestertum eigentlich fremde, ja feindliche Philosophie der Upaniṣads mit ihrer Priesterweisheit vermengt haben¹). Je beliebter und volkstümlicher aber nun die Heldenlieder wurden, desto mehr muſste den Brahmanen daran gelegen sein, sich auch dieser epischen Dichtung zu bemächtigen; und sie verstanden es, diese ihrem ganzen Wesen nach ursprünglich rein weltliche Poesie mit ihren eigenen religiösen Dichtungen und mit theologisch-priesterlichem Wissenskram zu vermengen. So kommt es, daſs auch Göttersagen, mythologische Erzählungen brahmanischen Ursprungs, aber auch im groſsen Umfange lehrhafte Stücke, auf brahmanische Philosophie und Sittenlehre und brahmanisches Recht bezüglich, in das Mahābhārata Aufnahme fanden. Für diese Priesterkaste war gerade das volkstümliche Epos ein willkommenes Mittel, um ihre eigenen Lehren zu verbreiten und so ihre Macht und ihren Einfluſs zu verstärken und zu befestigen. Sie waren es, welche alle die zahlreichen Sagen und Legenden (Itihāsas) in das Epos einfügten, in denen von den berühmten Sehern der Vorzeit, den Ṛṣis, den Urvätern der Brahmanen, Wunder erzählt werden — wie sie durch Opfer und Askese ungeheure Macht nicht nur über die Menschen, sondern selbst über die Götter erlangen, und wie sie, wenn sie gekränkt werden, durch ihren Fluch Fürsten und Groſse, ja selbst Götterkönige zu Falle bringen.
Cites (2)
- Atharvavedasaṃhitā — Atharvan & Aṅgiras, Sanskrit
- Upanishads — Sanskrit