Geschichte der indischen Litteratur v1.c9.s7.2
Geschichte der indischen Litteratur v1.c9.s7.2
- Language
- German
v1.c9.s7.2
Schon aus unserer Inhaltsangabe²) ist ersichtlich, daſs die Bücher XII und XIII mit dem eigentlichen Epos gar nichts zu tun haben, sondern daſs die im XIV. Buche erzählten Begebenheiten unmittelbar an den Schluſs des XI. Buches anknüpfen. Die Einfügung dieser beiden umfangreichen Bücher ist aber durch die sonderbare Legende ermöglicht, deren wir schon oben gedacht haben. Bhīṣma, von unzähligen Pfeilen durchbohrt, liegt auf dem Schlachtfelde, beschliefst aber, da er sich die Todesstunde selbst bestimmen kann, erst ein halbes Jahr später zu sterben¹). Diese Zwischenzeit benützt der auf den Tod verwundete Held, der zugleich Rechtsgelehrter, Theologe und Yogin ist, um dem Yudhiṣṭhira Vorträge über Philosophie, Moral und Recht zu halten. Und zwar beginnt das XII. Buch damit, daſs Yudhiṣṭhira ganz verzweifelt darüber ist, daſs so viele wackere Krieger und nahe Verwandte hingemordet worden sind. Er ergeht sich in Selbstanklagen und beschliefst in seiner Verzweiflung, sich von der Welt zurückzuziehen und als Waldeinsiedler sein Leben zu beschlieſsen. Die Brüder suchen ihn davon abzubringen, und dies gibt Anlaſs zu langen Auseinandersetzungen darüber, ob Entsagung und Weltflucht das richtige seien oder aber die Ausübung der Pflichten als Hausvater und König. Auch der weise Vyāsa ist zugegen und erklärt, daſs ein König zuerst alle seine Pflichten erfüllen und sich erst am Abend seines Lebens in den Wald zurückziehen solle. Er verweist aber den Yudhiṣṭhira auf Bhīṣma, der ihm alle Belehrung über die Pflichten eines Königs erteilen werde. So begibt sich denn in der Tat Yudhiṣṭhira, nachdem er sich hat zum König weihen lassen, mit groſsem Gefolge zu dem noch immer auf dem Schlachtfeld liegenden Bhīṣma, um ihn zunächst über die Pflichten eines Königs und weiterhin über andere Dinge zu befragen. Die Reden des Bhīṣma über Recht, Moral und Philosophie füllen die Bücher XII und XIII.
Cites (1)
- Mahābhārata — Vyāsa, Sanskrit