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Geschichte der indischen Litteratur v1.c9.s8.14

Geschichte der indischen Litteratur v1.c9.s8.14

Language
German

v1.c9.s8.14

In der Stadt Mathurā²) herrschte ein böser König Kaṃsa. Diesem verkündete Nārada, daſs ihm von dem achten Sohne der Devakī, der Schwester seines Vaters und der Gemahlin des Vasudeva, der Tod bevorstehe. Da beschlieſst Kaṃsa, alle Kinder der Devakī zu töten. Er läſst Devakī durch seine Diener strenge bewachen, und sechs ihrer Kinder werden gleich nach der Geburt vernichtet. Das siebente Kind — es ist der später als »Rāma mit der Pflugschar«, »Balarāma« oder »Baladeva« bekannte Bruder des Kṛṣṇa — wird von Nidrā³), der Schlafgöttin, dadurch gerettet, daſs sie den Knaben, ehe er noch geboren ist, aus dem Mutterschoſs der Devakī in den der Rohiṇī, einer anderen Gemahlin Vasudevas, überträgt. Den achten Sohn aber — und dies war Kṛṣṇa — vertauschte Vasudeva selbst, um ihn vor Kaṃsa zu retten, gleich nach der Geburt mit der zur selben Zeit geborenen Tochter des Hirten Nanda und der Yaśodā. So wird das Töchterchen der letzteren von Kaṃsa an einem Felsen zerschmettert, während Kṛṣṇa als Sohn eines Hirten gilt und unter den Hirten aufwächst. Der Obhut der Hirtenfamilie wird von Vasudeva auch Rāma anvertraut, und die beiden Knaben wachsen zusammen in der Hirtenstation auf. Schon als Säugling verrichtet Kṛṣṇa erstaunliche Wundertaten. Da ihn eines Tages seine Ziehmutter Yaśodā, nachdem sie ihn schlafend unter einen Wagen gelegt, zu lange auf Nahrung warten läſst, beginnt er ungeduldig mit Händen und Füſsen zu strampeln und wirft schlieſslich mit einem Fuſse den ganzen groſsen Wagen um. In tollem Übermut streifen später die Knaben Kṛṣṇa und Rāma durch Wald und Feld und geben der schlichten Hirtenfrau Yaśodā nicht wenig zu schaffen. Einmal weiſs sie sich schon gar nicht mehr zu helfen, da bindet sie dem kleinen Kṛṣṇa einen Strick um den Leib und knüpft ihn an einen schweren Mörser fest, indem sie zornig sagt: »Jetzt lauf, wenn du kannst.« Der Knabe aber zieht nicht nur den Mörser mit sich fort, sondern da dieser zwischen zwei Riesenbäumen hängen bleibt, reißt er die mächtigen Bäume samt den Wurzeln aus. Entsetzt sehen die Hirten und die Ziehmutter, wie der Knabe lachend zwischen den Ästen der Bäume sitzt. Er aber ist unversehrt.