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Geschichte der indischen Litteratur v1.c9.s8: Der Harivamśa, ein Anhang zum Mahābhārata

Geschichte der indischen Litteratur v1.c9.s8

Language
German

Der Harivamśa, ein Anhang zum Mahābhārata

v1.c9.s8.1

¹ Vgl. A. Holtzmann, Das Mahābhārata, II, S. 272–298. Es gibt nur eine französische Übersetzung dieses Anhangs von S. A. Langlois, Harivamça ou histoire de la famille de Hari, Paris 1834--35.

v1.c9.s8.2

Die Ausführungen der vorausgehenden Kapitel müssen genügen, um einen Begriff von dem mannigfachen Inhalt der achtzehn Bücher (Parvans) des Mahābhārata zu geben. Die Inder betrachten aber auch den Harivamśa, ein Werk, welches in Wirklichkeit ein Purāṇa ist und auch gelegentlich »Harivamśa-Purāṇa« genannt wird, als einen Bestandteil des Mahābhārata. Doch wird das Buch auch von den Indern nicht als ein neunzehntes »Parvan«, sondern als ein Khila, d. h. ein Nachtrag oder Anhang, zum Mahābhārata bezeichnet. Dieser »Anhang« ist nun freilich ein Werk von 16 374 Doppelversen (Ślokas), also länger als Ilias und Odyssee zusammengenommen. Doch steht die litterarische Bedeutung desselben keineswegs in geradem Verhältnis zu dem Umfang. Es ist vor allem keine »Dichtung«, in keinem Sinne das Werk irgend eines Dichters, sondern eine Zusammenhäufung oder ganz lose Aneinanderreihung von Texten — Legenden, Mythen, Hymnen —, welche der Verherrlichung des Gottes Viṣṇu dienen. Der Harivamśa ist aber nicht einmal das Werk eines Kompilators. Das letzte Drittel desselben ist gewiſs erst ein späterer Anhang zum Anhang, und auch in den übrigen Teilen des Werkes sind viele Stücke wahrscheinlich zu ganz verschiedenen Zeiten eingeschoben worden.

v1.c9.s8.3

Der Zusammenhang des Harivamśa mit dem Mahābhārata selbst ist ein ganz äuſserlicher und beschränkt sich im wesentlichen darauf, daſs derselbe Vaiśampāyana, welcher dem Janamejaya das ganze Mahābhārata vorgetragen haben soll²), auch als der Vortragende des Harivamśa gilt. Anknüpfend an die Rahmenerzählung des Mahābhārata bittet zu Beginn des Anhangs Śaunaka den Ugraśravas, er möge ihm, nachdem er alle die schönen Geschichten von den Bhāratas erzählt, nun auch noch etwas von den Vṛṣṇis und Andhakas — den Familien, zu welchen Kṛṣṇa gehört — berichten. Darauf bemerkt Ugraśravas, ganz dieselbe Bitte habe Janamejaya nach dem Vortrage des Mahābhārata an Vaiśampāyana gerichtet, und dieser habe sodann alles das erzählt, was er selbst jetzt wiederholen wolle. So wird denn alles folgende dem Vaiśampāyana in den Mund gelegt. Aufserdem wird in einigen Versen am Anfange und einem ganzen langen Gesang am Ende des Anhangs¹) in überschwenglichen Versen das Lob des Mahābhārata mit Einschluſs des Harivamśa gesungen und das religiöse Verdienst hervorgehoben, das man sich durch das Rezitieren und Anhören der ganzen Dichtung erwirbt. Damit ist eigentlich alles erschöpft, wodurch sich der Harivamśa selbst als zum Mahābhārata gehörig kennzeichnet. Inhaltlich hat der Harivamśa mit dem Mahābhārata nicht mehr gemein als die Purāṇas. Es finden sich nämlich viele Sagen, insbesondere brahmanische Legenden und Mythen, welche im Mahābhārata vorkommen, in verschiedenen Versionen sowohl im Harivamśa als auch in den Purāṇas wieder.

v1.c9.s8.4

² Siehe oben S. 270.

v1.c9.s8.5

¹ Adhyāya 323, siehe unten S. 838.

v1.c9.s8.6

Der Harivamśa besteht aus drei groſsen Abschnitten, von denen der erste Harivamśaparvan betitelt ist. Der Titel »Harivamśa«, d. i. »Geschlechtsfolge des Hari«²), welcher dem ganzen Anhang gegeben wurde, paſst eigentlich nur auf dieses erste Buch. Es beginnt nach Art der Purāṇas mit einem ziemlich verworrenen Schöpfungsbericht und allerlei mythologischen Erzählungen, so von Dhruva, der zum Polarstern wurde (62 ff.), von Dakṣa und seinen Töchtern, den Ahnfrauen der Götter und Dämonen (101 ff.) u. a. Ausführlich wird die Geschichte von dem veda- und opferfeindlichen Titanen Vena und dessen Sohn Pṛthu, dem ersten König der Menschen, erzählt³). In die Genealogie der Sonnendynastie (545 ff.) d. h. des Königs Ikṣvāku und seiner Nachkommen, die ihren Ursprung auf den Sonnengott zurückführen, fügen sich zahlreiche Legenden, z. B. von Viśvāmitra und Vasiṣṭha (706 ff.) ein. Auſser allem Zusammenhang mit dieser Genealogie wird dann ein rituelles Stück über die Manen und den ihnen gebührenden Opferdienst eingefügt¹). Es folgt dann (1312 ff.) die Genealogie der Monddynastie, die von Atri, dem Sohn des Mondgottes (Soma), gegründet wurde. Ein Enkel des Soma war der berühmte Purūravas, dessen Liebesabenteuer mit Urvaśī in sehr altertümlicher, dem Śatapatha-Brāhmaṇa sich ziemlich enge anschließender Form erzählt werden²). Zu den Nachkommen des Purūravas gehören Nahuṣa und Yayāti. Des letzteren Sohn Yadu ist der Ahnherr der Yādavas, zu denen Vasudeva gehört, als dessen Sohn Kṛṣṇa der Gott Viṣṇu auf Erden geboren wird. Nachdem so die Genealogie des menschlichen Kṛṣṇa gegeben worden ist, folgt eine Reihe von Gesängen (2131 ff.), die sich ganz mit dem Gotte Viṣṇu beschäftigen und so gewissermaßen die göttliche Vorgeschichte des Kṛṣṇa enthalten.

v1.c9.s8.7

² Von den unzähligen Namen des Gottes Viṣṇu ist Hari einer der gewöhnlichsten.

v1.c9.s8.8

³ Pṛthūpākhyāna, Adhy. 4—6, vss. 257—405.

v1.c9.s8.9

¹ Pitṛkalpa, »Manenritual«, Adhy. 16—24, vss. 835—1311. Eingefügt ist die Geschichte von Brahmadatta, der die Tiersprachen versteht, Adhy. 21, vss. 1185 ff., übersetzt und besprochen von Th. Benfey in »Orient und Occident«, Bd. II, 1862, S. 133—171.

v1.c9.s8.10

² Adhy. 26, vss. 1363—1414, übersetzt von K. Geldner in den »Vedischen Studien« I, S. 249 ff. Vgl. oben S. 181 f.

v1.c9.s8.11

Der zweite große Abschnitt des Harivaṃśa, Viṣṇuparvan betitelt³), beschäftigt sich fast ausschließlich mit Kṛṣṇa, dem Mensch gewordenen Gotte Viṣṇu. Mit großer Breite werden hier alle die Geschichten von der Geburt und Kindheit, den Heldentaten und Liebesabenteuern des menschlichen, oft allzu menschlichen Hirtengottes erzählt, welche mit größerer oder geringerer Ausführlichkeit auch in einigen der Purāṇas berichtet werden, und welche den Namen Kṛṣṇa zu einem der vertrautesten für jeden Hindu gemacht haben. Während die Besten und Weisesten unter den Viṣṇu-Verehrern den Kṛṣṇa vor allem als den Verkünder der frommen Lehren der Bhagavadgītā feiern, ist es der Kṛṣṇa der Legenden, wie sie im Harivaṃśa und in den Purāṇas erzählt werden, welcher von den Millionen des eigentlichen Volkes in ganz Indien bis zum heutigen Tage bald als ein erhabener Gott verehrt und angebetet, bald als ein Ideal vollkommensten Menschentums hochgehalten wird. Und eben dieser Gott der Legenden, nicht aber der Kṛṣṇa des Mahābhārata, der hinterlistige Freund der Pāṇḍavas, ist es auch, von welchem schon der Grieche Megasthenes als dem »indischen Herakles« zu erzählen weiſs. Um wenigstens eine Idee von diesen litterargeschichtlich wie religionsgeschichtlich gleich wichtigen Kṛṣṇa-Legenden zu geben, sei hier der Inhalt dieses zweiten Abschnittes des Harivaṃśa ganz kurz skizziert¹).

v1.c9.s8.12

³ Adhy. 57 ff. = vss. 3180 ff.

v1.c9.s8.13

¹ Vgl. E. Windisch, Über das Drama Mṛcchakaṭikā und die Kṛshṇa-Legende, in den »Berichten über die Verhandl. der Kgl. Sächsischen Gesellschaft der Wiss. zu Leipzig, phil.-histor. Cl.«, 37. Bd., 1885, S. 439 ff., 456 ff.

v1.c9.s8.14

In der Stadt Mathurā²) herrschte ein böser König Kaṃsa. Diesem verkündete Nārada, daſs ihm von dem achten Sohne der Devakī, der Schwester seines Vaters und der Gemahlin des Vasudeva, der Tod bevorstehe. Da beschlieſst Kaṃsa, alle Kinder der Devakī zu töten. Er läſst Devakī durch seine Diener strenge bewachen, und sechs ihrer Kinder werden gleich nach der Geburt vernichtet. Das siebente Kind — es ist der später als »Rāma mit der Pflugschar«, »Balarāma« oder »Baladeva« bekannte Bruder des Kṛṣṇa — wird von Nidrā³), der Schlafgöttin, dadurch gerettet, daſs sie den Knaben, ehe er noch geboren ist, aus dem Mutterschoſs der Devakī in den der Rohiṇī, einer anderen Gemahlin Vasudevas, überträgt. Den achten Sohn aber — und dies war Kṛṣṇa — vertauschte Vasudeva selbst, um ihn vor Kaṃsa zu retten, gleich nach der Geburt mit der zur selben Zeit geborenen Tochter des Hirten Nanda und der Yaśodā. So wird das Töchterchen der letzteren von Kaṃsa an einem Felsen zerschmettert, während Kṛṣṇa als Sohn eines Hirten gilt und unter den Hirten aufwächst. Der Obhut der Hirtenfamilie wird von Vasudeva auch Rāma anvertraut, und die beiden Knaben wachsen zusammen in der Hirtenstation auf. Schon als Säugling verrichtet Kṛṣṇa erstaunliche Wundertaten. Da ihn eines Tages seine Ziehmutter Yaśodā, nachdem sie ihn schlafend unter einen Wagen gelegt, zu lange auf Nahrung warten läſst, beginnt er ungeduldig mit Händen und Füſsen zu strampeln und wirft schlieſslich mit einem Fuſse den ganzen groſsen Wagen um. In tollem Übermut streifen später die Knaben Kṛṣṇa und Rāma durch Wald und Feld und geben der schlichten Hirtenfrau Yaśodā nicht wenig zu schaffen. Einmal weiſs sie sich schon gar nicht mehr zu helfen, da bindet sie dem kleinen Kṛṣṇa einen Strick um den Leib und knüpft ihn an einen schweren Mörser fest, indem sie zornig sagt: »Jetzt lauf, wenn du kannst.« Der Knabe aber zieht nicht nur den Mörser mit sich fort, sondern da dieser zwischen zwei Riesenbäumen hängen bleibt, reißt er die mächtigen Bäume samt den Wurzeln aus. Entsetzt sehen die Hirten und die Ziehmutter, wie der Knabe lachend zwischen den Ästen der Bäume sitzt. Er aber ist unversehrt.

v1.c9.s8.15

² Noch heute sind die Tempel von Mathurā voll von Statuen, die sich auf die Kṛṣṇa-Legende beziehen. Vgl. P. Deussen, Erinnerungen an Indien (Kiel u. Leipzig 1904) S. 112.

v1.c9.s8.16

³ Vielleicht veranlaſste der Umstand, daſs Nidrā auch als Name der Durgā gilt, die Einschiebung eines Hymnus auf diese Göttin: Āryāstava (Adhy. 59 = vss. 3268--3303). Doch ist die Einschiebung derartiger Hymnen (Stotras) für alle Purāṇas charakteristisch.

v1.c9.s8.17

Nachdem sieben Jahre verflossen waren, wurde es den Knaben in der Hirtenstation zu langweilig. Da liefs Kṛṣṇa aus seinem Körper zahllose Wölfe hervorgehen, welche die Hirten so erschreckten, daſs sie beschlossen, weiter zu wandern. Sie zogen mit ihren Herden nach dem Vṛndāwalde. Hier streifen nun die Knaben fröhlich durch den Wald. Eines Tages aber ergeht sich Kṛṣṇa allein — bald singend, bald spielend, bald auf einem Blatte pfeifend, bald auf der Hirtenflöte blasend — am Ufer des Jamnāflusses und gelangt bis zu einem tiefen See, in dem der Schlangenkönig Kāliya haust, der mit seinem Gefolge das Wasser der Jamnā vergiftet und die ganze Gegend unsicher macht. Rasch entschlossen stürzt sich Kṛṣṇa in den See, um den fürchterlichen Drachen zu bezwingen. Alsbald kommt das fünfköpfige, feuerschnaubende Ungeheuer zum Vorschein, und ein Heer von Schlangen stürzt sich wütend auf den jungen Helden, ihn umschlingend und beiſsend. Er aber macht sich rasch los, drückt die Köpfe des Ungetüms zu Boden und springt mit Wucht auf den mittleren Kopf, so daſs der Drache sich für besiegt erklärt und mit der ganzen Schlangenbrut ins Meer zurückweicht.

v1.c9.s8.18

Bald nachher tötet er auch den Dämon Dhenuka, der in Gestalt eines Esels den Berg Govardhana bewacht. Ein anderer Dämon, der Riese Pralamba, läſst sich mit Kṛṣṇa nicht erst ein, wird aber von dessen Bruder Rāma getötet.

v1.c9.s8.19

Im Herbste wollen die Hirten, wie sie es gewohnt sind, ein groſses Fest zu Ehren des Regengottes Indra veranstalten. Kṛṣṇa will von dieser Verehrung des Indra nichts wissen. »Wir sind walddurchwandernde Hirten, die stets vom Reichtum der Kühe leben, die Kühe sind unsere Gottheit, die Berge und die Wälder« (3808). Mit solchen Reden fordert er die Hirten auf, statt der Indrafeier ein Bergopfer zu veranstalten, was diese auch tun. Darüber ist Indra so erzürnt, daſs er ein fürchterliches Unwetter herabsendet. Aber Kṛṣṇa hebt den Berg Govardhana in die Höhe und hält ihn wie einen Regenschirm über die Hirten mit ihren Herden, so daſs diese völlig geschützt sind. Nach sieben Tagen hört das Unwetter auf, Kṛṣṇa stellt den Berg wieder auf seinen Platz zurück, und Indra erkennt demütig in Kṛṣṇa den erhabenen Gott Viṣṇu.

v1.c9.s8.20

Da preisen und verehren ihn die Hirten als einen Gott, er aber erklärt lächelnd, er wolle nur ihr Verwandter sein; die Zeit werde erst kommen, wo sie sein wahres Wesen erkennen würden. Und als Hirte unter Hirten lebt er in jugendlichem Frohsinn dahin. Er veranstaltet Stiergefechte und Wettkämpfe mit den Stärksten unter den Hirten. In den lieblichen Herbstnächten aber erfreut sich sein Herz an den Reigentänzen¹), welche die schönen Hirtenmädchen, die alle in den Heldenjüngling verliebt sind, im Mondschein aufführen, indem sie seine Taten besingen und sein Tun und Treiben — sein Spiel, seinen heiteren Blick, seinen Gang, seinen Tanz und seinen Gesang — scherzend nachahmen.

v1.c9.s8.21

¹ Es sind dies die Rāsa oder Hallīśa genannten, von mimischen Darstellungen begleiteten Tänze, welche in manchen Gegenden Indiens noch heute vorkommen und z. B. in Kathiavad noch unter einem dem Sanskrit »Hallīśa« entsprechenden Namen bekannt sind. (Vgl. die indische Monatsschrift »East & West«, Vol. I, 748 f., May 1902.)

v1.c9.s8.22

Einst als Kṛṣṇa sich mit den Hirtinnen vergnügte, erschien Ariṣṭa, ein Dämon in Stiergestalt. Kṛṣṇa reifst ihm ein Horn aus und erschlägt ihn damit.

v1.c9.s8.23

Der Ruhm aller der Heldentaten des Kṛṣṇa dringt zu den Ohren des Kaṁsa und erregt dessen Besorgnis. Um ihn unschädlich zu machen, läfst er die beiden jugendlichen Helden nach Mathurā kommen, wo sie bei einem Feste mit seinen besten Ringern kämpfen sollen. Aber kaum in der Stadt angelangt, verrichtet Kṛṣṇa erstaunliche Wunder- und Krafttaten. So spannt er des Königs grofsen Bogen, den selbst die Götter nicht zu spannen vermögen, so kräftig, dafs er mit mächtigem Getöse entzweibricht. Einem Elefanten, den Kaṁsa auf die Jünglinge losläfst, reifst Kṛṣṇa den Stofszahn aus und erschlägt ihn damit. Aber auch die zwei gewaltigen Ringkämpfer, welche Kaṁsa den Jünglingen entgegenstellt, werden von diesen getötet. Zornentbrannt befiehlt nun der König, die Hirtenjünglinge und alle Hirten aus seinem Reiche zu verjagen. Da stürzt sich Kṛṣṇa wie ein Löwe auf Kaṁsa, schleppt ihn bei den Haaren in die Mitte der Arena und tötet ihn.

v1.c9.s8.24

Nach einiger Zeit begeben sich die beiden Brüder nach Ujjein, um dort bei einem berühmten Lehrer die Kunst des Bogenschiefsens zu lernen. Diesem Lehrer ist ein Sohn im Meere umgekommen, und er verlangt als Lehrlohn, dafs ihm Kṛṣṇa diesen Sohn wiederbringe. Da steigt Kṛṣṇa in die Unterwelt hinab, bezwingt den Todesgott Yama und bringt den Knaben seinem Vater zurück.

v1.c9.s8.25

Um den Tod des Kaṁsa zu rächen, zieht sein Schwiegervater Jarāsandha mit vielen verbündeten Fürsten gegen die Yādavas zu Felde, belagert Mathurā, wird wiederholt von Kṛṣṇa zurückgeschlagen, erneuert aber seine Angriffe immer wieder, bis er endlich doch zurückweichen mufs. Diese Kämpfe mit Jarāsandha werden in einer langen Reihe von Gesängen geschildert.

v1.c9.s8.26

Ebenso wird die folgende Erzählung von dem Raub der Rukmiṇī lange ausgesponnen²). Der König Bhīṣmaka von Vidarbha hat seine Tochter Rukmiṇī dem König Śiśupāla zur Ehe versprochen, und die Hochzeit sollte gefeiert werden. Da kommt Kṛṣṇa mit seinem Bruder Rāma zur Hochzeitsfeier und raubt die Braut. Die schwer beleidigten Fürsten jagen ihm nach, werden aber von Rāma zurückgeschlagen. Rukmin, der Bruder der Geraubten, schwört, er wolle nicht mehr nach seiner Vaterstadt zurückkehren, wenn er nicht Kṛṣṇa getötet habe und seine Schwester zurückbringe. Es kommt zu einem heftigen Kampfe, in welchem Rukmin besiegt wird; auf Bitten der Rukmiṇī aber schenkt ihm Kṛṣṇa das Leben. Um seinen Eid nicht zu brechen, gründet sich Rukmin eine neue Stadt. In Dvārakā findet die Hochzeit des Kṛṣṇa mit Rukmiṇī statt. Er erzeugt mit ihr zehn Söhne, heiratet aber dann noch sieben Königinnen und sechzehntausend andere Frauen, mit denen er Tausende von Söhnen erzeugt. Pradyumna, ein Sohn des Kṛṣṇa und der Rukmiṇī¹), heiratet später eine Tochter des Rukmin, und deren Sohn Aniruddha heiratet eine Enkelin des Rukmin. Bei der Hochzeit des Aniruddha geraten Rāma und Rukmin beim Würfelspiel in Streit, und letzterer wird von Rāma erschlagen. Daran schliefst sich eine Verherrlichung der Taten des Rāma²).

v1.c9.s8.27

² In die alte Sage, in der Kṛṣṇa als Held auftritt, sind hier jüngere Stücke eingeschoben, in denen er als Gott Viṣṇu in seiner ganzen Göttlichkeit erscheint.

v1.c9.s8.28

¹ Er ist eine Inkarnation des Liebesgottes.

v1.c9.s8.29

² Baladevamāhātmyakathana, Adhy. 120, 6766--6786.

v1.c9.s8.30

Es folgt dann die Geschichte von der Tötung des Naraka³). Dieser Naraka ist ein Dämon, der die Ohrringe der Aditi geraubt hat und auch sonst den Göttern viel zu schaffen gibt. Auf Bitten des Indra kämpft Kṛṣṇa gegen ihn und tötet ihn.

v1.c9.s8.31

³ Narakavadha, Adhyāyas 121--123 = 6787--6988.

v1.c9.s8.32

Die nächste Erzählung⁴) zeigt uns Kṛṣṇa im Kampfe gegen Indra. Der Seher Nārada brachte einmal dem Kṛṣṇa eine Blüte vom Himmelsbaum Pārijāta, welche dieser seiner geliebten Rukmiṇī schenkte. Da wird Satyabhāmā, eine seiner anderen Gemahlinnen, furchtbar eifersüchtig und schmollt so lange, bis ihr Kṛṣṇa verspricht, ihr den ganzen Pārijātabaum vom Himmel zu bringen. Da aber Indra den Baum nicht gutwillig abtreten will, fordert ihn Kṛṣṇa zum Kampfe heraus. Dies führt zu einem langen und heftigen Kampfe zwischen den beiden Göttern, der aber schliesslich von der Göttermutter Aditi friedlich geschlichtet wird.

v1.c9.s8.33

⁴ Pārijātaharaṇa, Adhy. 124—140 = 6989—7956. Eingefügt ist ein Hymnus auf Śiva (Mahādevastavana), Adhy. 131 = 7415 bis 7455.

v1.c9.s8.34

Mit diesem langen Abschnitt nur ganz lose verknüpft, folgt ein ziemlich umfangreiches lehrhaftes Stück⁵), welches eigentlich der wissenschaftlichen Erotik, dem Kāmaśāstra, angehört. Es ist eine Belehrung (in Form eines Gespräches zwischen den Frauen des Kṛṣṇa und dem weisen Nārada, der sich aber auf Umā, die Gemahlin des Šiva, als Autorität beruft) über Puṇyakas und Vratakas, d. h. Zeremonien, Feierlichkeiten und Gelübde, mittels deren eine Frau ihren Leib dem Gatten angenehm machen und sich dessen Gunst sichern kann. Da aber diese Zeremonien nur für tugendhafte Frauen von Erfolg sind, werden einige Belehrungen über die Pflichten der Frauen (7754 ff.) vorausgeschickt.

v1.c9.s8.35

⁵ Puṇyakavidhi, Adhy. 136—140 = vss. 7722--7956.

v1.c9.s8.36

Der nächste Abschnitt¹ erzählt wieder von Kämpfen des Kṛṣṇa mit den Dämonen. Die Asuras der »sechs Städte« (Ṣaṭpura) rauben dem frommen Brahmadatta seine Töchter. Kṛṣṇa kommt ihm zu Hilfe, besiegt und tötet Nikumbha, den König der Asuras, und gibt dem Brahmanen seine Töchter zurück.

v1.c9.s8.37

¹ Ṣaṭpuravadha, Adhy. 141—144 = vss. 7957—8198.

v1.c9.s8.38

Dann folgt ein ganz śivaitisches Stück²), das mit Kṛṣṇa gar nichts zu tun hat und erzählt, wie der tausendköpfige Dämon Andhaka von Śiva getötet wird.

v1.c9.s8.39

² Andhakavadha, Adhy. 145 f. = vss. 8199—8300.

v1.c9.s8.40

Der folgende Abschnitt³) kehrt wieder zu Kṛṣṇa zurück und erzählt eine andere Geschichte von der Tötung des Asura Nikumbha. Die Yādavas, mit Kṛṣṇa und Rāma an der Spitze, unternehmen eine Wallfahrt zur See nach einem heiligen Badeorte, um dort ein groſses Freudenfest zu feiern. Kṛṣṇa mit seinen sechzehntausend Frauen, Rāma mit seiner einzigen Gemahlin Revatī und die Jünglinge der Yādavas mit Tausenden von Buhldirnen geben sich unter Spiel und Gesang, Schmausen und Trinken allerlei Lustbarkeiten im Wasser und am Meeresstrande hin⁴). Während dieser Festlichkeiten raubt der Dämon Nikumbha die Bhānumatī, eine Tochter des Yādava Bhānu. Kṛṣṇas Sohn Pradyumna verfolgt den Asura und bringt die Geraubte wieder zurück, während Kṛṣṇa selbst den Naraka tötet.

v1.c9.s8.41

³ Bhānumatīharaṇa, Adhy. 147—149 = vss. 8301—8549.

v1.c9.s8.42

⁴ Die glanzvolle Schilderung dieser üppigen Szenen füllt zwei Gesänge (147 f. = 8301—8470).

v1.c9.s8.43

Die folgenden Gesänge⁵) beschäftigen sich fast ausschlieſslich mit Pradyumna, dem Sohn des Kṛṣṇa. Es wird zuerst die Geschichte von der Heirat des Pradyumna mit Prabhāvatī, der Tochter des Asura Vajranābha, erzählt, wobei die himmlischen Flamingos den Liebesbund vermitteln — geradeso wie im Nalalied Flamingos die Liebesboten zwischen Nala und Damayantī sind. Um Prabhāvatī zu gewinnen, kommt Pradyumna als Schauspieler verkleidet mit einer ganzen Schauspielertruppe an den Hof des Vajranābha. Da werden allerlei Schauspiele aufgeführt⁶), von denen die Asuras ganz entzückt sind. Die lauschigen Nächte aber benutzt Pradyumna, um sich mit Prabhāvatī dem Liebesgenuſs hinzugeben. Schlieſslich hört Vajranābha von dem Liebesverhältnis, erzürnt will er den Pradyumna in Fesseln schlagen lassen. Dieser aber tötet die heranstürmenden Krieger und den Asurakönig selbst. Darauf zieht er mit der Geliebten in Dvārakā ein.

v1.c9.s8.44

⁵ Adhy. 150 ff. = vss. 8550 ff. Frei wiedergegeben in dem schönen Gedicht »Pradyumna« von Schack, Stimmen vom Ganges, S. 67 ff.

v1.c9.s8.45

⁶ Es ist dies (8672 ff.) vielleicht eine der ältesten, jedenfalls eine der interessantesten Erwähnungen von Dramen und dramatischen Aufführungen in der indischen Litteratur. Es werden hier nicht nur

v1.c9.s8.46

Die zweite Erzählung¹ behandelt die Jugendliebe des Pradyumna: wie er sieben Tage nach seiner Geburt von Asuras geraubt wird und im Hause des Dämons Śambara aufwächst; wie dessen Gemahlin Māyāvatī in Liebe zu dem schönen Jüngling entbrennt und ihn darüber aufklärt, daſs er nicht ihr Sohn, sondern der des Kṛṣṇa und der Rukmiṇī sei; wie dann Pradyumna den Śambara nach einem verzweifelten Kampfe² tötet und schlieſslich mit Māyāvatī vereint in seine Vaterstadt zurückkehrt, wo er von seinen Eltern freudig empfangen wird.

v1.c9.s8.47

¹ Śambaravadha, Adhy. 163—167 = vss. 9208—9487.

v1.c9.s8.48

² Dabei hilft ihm Durgā, die er mit einem Hymnus (Pradyumnakṛta-Durgāstava, Adhy. 166 = 9423—9430) anruft.

v1.c9.s8.49

Ganz ohne jeden Anlaſs ist hier das tägliche Gebet des Rāma³, eine aus einer Aufzählung göttlicher Wesen bestehende Litanei, eingeschoben.

v1.c9.s8.50

³ Baladevāhnika, Adhy. 168 = vss. 9488—9591.

v1.c9.s8.51

Nach einigen kleineren Stücken — Legenden und Reden —, welche der Verherrlichung des Kṛṣṇa dienen, schlieſst das Buch mit der Geschichte von dem »Kampf mit Bāṇa«⁴ und dem Liebesverhältnis des Aniruddha, des Sohnes des Pradyumna, mit Ūṣā, der Tochter des Asurakönigs Bāṇa. Der letztere ist ein Günstling des Gottes Śiva. Dem Aniruddha, der von Bāṇa hart bedrängt wird, kommt Kṛṣṇa zu Hilfe; und die Bekämpfung des Bāṇa führt zu einem heftigen Kampfe zwischen Śiva und Viṣṇu, wodurch die ganze Welt arg bedroht ist. Aber Brahman kommt der Erde zu Hilfe und stiftet Frieden zwischen den beiden Göttern, indem er erklärt, daſs Śiva und Viṣṇu eins seien. Daran schlieſst sich ein Hymnus (Stotra) zur Verherrlichung dieser beiden als identischen Gottheiten⁵. Mit der Hochzeit des Aniruddha und der Ūṣā, welche in Dvāravatī groſsartig gefeiert wird, endet das Buch.

v1.c9.s8.52

⁴ Bāṇayuddha, Adhy. 175—190 = 9806—11062.

v1.c9.s8.53

⁵ Hariharātmakastava, Adhy. 184 = vss. 10660—10697. Es ist dies eine der wenigen Stellen in der indischen Litteratur, wo von der Trimūrti die Rede ist. Denn Hari (Viṣṇu) und Hara (Śiva) sind nicht nur miteinander, sondern auch mit Brahman identisch.

v1.c9.s8.54

Szenen aus dem Leben des Kṛṣṇa aufgeführt, sondern auch Dramatisierungen des groſsen Epos Rāmāyaṇa und der Geschichte von Ṛṣyaśṛṅga (vgl. oben S. 342 ff.) werden ausdrücklich erwähnt. Leider ist das Alter dieses »Pradyumnottara« genannten Stückes ganz unbestimmt. Vgl. Sylvain Lévi, le théatre indien, Paris 1890, S. 327 ff.

v1.c9.s8.55

Die Einflechtung von Stotras (Hymnen), wie hier das auf Viṣṇu-Śiva, zeigt ganz besonders, wie sehr der Harivaṃśa eine Sammlung von Texten für religiöse Zwecke und nicht eine epische Dichtung ist¹).

v1.c9.s8.56

¹ Wie sehr der Harivaṃśa als religiöses Buch gilt, beweist der Umstand, daſs es in Nepal in den Gerichtshöfen Sitte ist, dem Zeugen, wenn er ein Hindu ist, ein Exemplar des Harivaṃśa auf den Kopf zu legen, wie dem Mohammedaner der Koran auf den Kopf gelegt wird. (A. Barth, Religions of India p. 156 note.)

v1.c9.s8.57

Während aber in dem zweiten Buche doch noch Überreste eines Kṛṣṇa-Epos, das es jedenfalls einmal gegeben haben dürfte, erhalten sind, ist das dritte Buch, Bhaviṣyaparvan (11 063 ff.) genannt, nur eine lose Sammlung von Purāṇatexten. Der Titel Bhaviṣyaparvan, d. h. »Abschnitt von der Zukunft«, bezieht sich bloſs auf die ersten Gesänge dieses Buches, welche Prophezeiungen über die kommenden Weltzeitalter enthalten. Hier wird nämlich von einem Pferdeopfer erzählt, welches Janamejaya darbringen wollte; aber Vyāsa sagt ihm voraus, daſs dieses Opfer nicht gelingen werde, denn es werde das gottlose Kalizeitalter heranbrechen, auf welches erst spät wieder das Kṛtazeitalter der Tugend und Frömmigkeit kommen werde. Dieser Abschnitt²) bildet ein abgeschlossenes Ganzes und wird auch geradezu als selbständiges Gedicht bezeichnet. Darauf folgen ohne jeden Zusammenhang zwei verschiedene Schöpfungsberichte³). Ein dritter Abschnitt behandelt höchst ausführlich die Inkarnationen des Viṣṇu als Eber, Mannlöwe und Zwerg⁴). Dann folgt ein Abschnitt, welcher wie der letzte des II. Buches die Tendenz verfolgt, Viṣṇu- und Śiva-Verehrung miteinander in Einklang zu bringen. Abwechselnd singt Viṣṇu auf Śiva und Śiva auf Viṣṇu einen Hymnus¹). Das nächste Stück handelt wieder von einer Heldentat des Kṛṣṇa, nämlich der Tötung des Königs Pauṇḍra, der sich gegen Kṛṣṇa auflehnt²). Der letzte gröſsere Abschnitt des Harivaṃśa ist die Legende (upākhyāna) von den beiden Śiva-Verehrern Haṃsa und Ḍimbhaka, welche von Kṛṣṇa-Viṣṇu gedemütigt werden³).

v1.c9.s8.58

² Adhy. 191—196 = vss. 11 063—11 278. Das Stück wird 11 270 ff. als ein groſses Kunstgedicht (mahākāvyam) gepriesen. Aber schon die Verse 11 082 ff. sagen deutlich, daſs der Harivaṃśa beendigt ist, und die Geschichte von Janamejayas Pferdeopfer nur einen Nachtrag zum Harivaṃśa bildet. Die noch weiter folgenden Abschnitte sind gewiſs nur spätere Zusätze.

v1.c9.s8.59

³ Pauṣkaraprādurbhāva, Adhy. 197—222 = vss. 11 279 bis 12 277.

v1.c9.s8.60

⁴ Adhy. 223—263 = vss. 12 278—14 390. Einen Hymnus auf Viṣṇu (Viṣṇustotra) stimmt 12 880 ff. (Adhy. 238) Brahman an. Einen Hymnus in Prosa auf den »Groſsen Geist« (Mahāpuruṣastava) spricht Kaśyapa 14 114 ff. (Adhy. 259).

v1.c9.s8.61

¹ Kailāsayātrā, Adhy. 264—281 = vss. 14391—15031. Adhy. 278: Īśvarastuti. Adhy. 279 und 281: Viṣṇustotra.

v1.c9.s8.62

² Pauṇḍrakavadha, Adhy. 282—293 = vss. 15032—15375.

v1.c9.s8.63

³ Haṃsaḍimbhakopākhyāna, Adhy. 294—322 = vss. 15376 bis 16139.

v1.c9.s8.64

Angehängt ist noch ein langer Gesang, der in überschwenglichster Weise von dem religiösen Verdienst des Lesens des Mahābhārata und dem Himmelslohn spricht, der den Leser erwartet, ferner die Geschenke vorschreibt, die man den Vorlesern (vācaka) nach Beendigung eines jeden Parvan geben soll, und schlieſslich in ein Loblied auf das Mahābhārata als das heiligste und erhabenste aller »Lehrbücher« (śāstra) ausklingt⁴). Vor allem aber wird dem Werke nachgerühmt, daſs es der Verherrlichung des Viṣṇu dient, denn: »Im Veda, im Rāmāyaṇa und im heiligen Bhārata, o tapferster Bharataspröſsling, wird überall, im Anfang, am Ende und in der Mitte Hari besungen.«⁵)

v1.c9.s8.65

⁴ Adhy. 323 = vss. 16140—16238: Sarvaparvānukīrttana. Die Aufzählung der Parvans enthält zum Teil andere Namen als unsere Ausgaben. Der Inhalt dieses Adhyāya berührt sich mit ähnlichen Lobgesängen im I. Buch des Mahābhārata. Vgl. oben S. 271 f.

v1.c9.s8.66

⁵ Vers 16232.

v1.c9.s8.67

Sonderbarerweise folgt nach all den Verherrlichungen des Viṣṇu, und nachdem das Buch eigentlich schon beendet ist, noch ein Gesang⁶), in welchem der Gott Śiva zu Ehren kommt und erzählt wird, wie er die drei Burgen (Tripura) der Dämonen vernichtet hat. Doch wird selbst hier ein Schluſsvers zum Lob des »groſsen Yogins« Viṣṇu angehängt.

v1.c9.s8.68

⁶ Tripuravadha, Adhy. 324 = vss. 16239—16324.

v1.c9.s8.69

Mit einer kurzen Zusammenfassung des Inhalts des Harivaṃśa und einer Aufzählung der religiösen Verdienste, die man sich durch Anhören dieses »Purāṇas« erwirbt, schlieſst das Buch endgültig ab.

v1.c9.s8.70

Daſs der Harivaṃśa ganz und gar ein Purāṇa ist, zeigen auch die zahlreichen, oft wörtlichen Übereinstimmungen mit mehreren der wichtigsten Purāṇas¹). Dennoch war es notwendig, vom Harivaṃśa hier und nicht erst in dem Kapitel über die Purāṇas zu sprechen, nicht nur weil dieses Werk von den Indern als zum Mahābhārata gehörig angesehen wird, sondern auch weil gerade dieser Nachtrag und dessen Anfügung besonders geeignet ist, auf die Geschichte des Mahābhārata selbst Licht zu werfen. Dieser Geschichte wenden wir uns nunmehr zu.

v1.c9.s8.71

¹ Brahma-, Padma-, Viṣṇu-, Bhāgavata- und insbesondere Vāyu-Purāṇa. Das Garuḍa-Purāṇa teilt den Inhalt des Mahābhārata und des Harivaṃśa im Auszuge mit. Siehe A. Holtzmann, Das Mahābhārata, IV, S. 32, 35, 37 ff., 40, 42 ff., 47 ff., 56.

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