Geschichte der indischen Litteratur v1.c9.s8.57
Geschichte der indischen Litteratur v1.c9.s8.57
- Language
- German
v1.c9.s8.57
Während aber in dem zweiten Buche doch noch Überreste eines Kṛṣṇa-Epos, das es jedenfalls einmal gegeben haben dürfte, erhalten sind, ist das dritte Buch, Bhaviṣyaparvan (11 063 ff.) genannt, nur eine lose Sammlung von Purāṇatexten. Der Titel Bhaviṣyaparvan, d. h. »Abschnitt von der Zukunft«, bezieht sich bloſs auf die ersten Gesänge dieses Buches, welche Prophezeiungen über die kommenden Weltzeitalter enthalten. Hier wird nämlich von einem Pferdeopfer erzählt, welches Janamejaya darbringen wollte; aber Vyāsa sagt ihm voraus, daſs dieses Opfer nicht gelingen werde, denn es werde das gottlose Kalizeitalter heranbrechen, auf welches erst spät wieder das Kṛtazeitalter der Tugend und Frömmigkeit kommen werde. Dieser Abschnitt²) bildet ein abgeschlossenes Ganzes und wird auch geradezu als selbständiges Gedicht bezeichnet. Darauf folgen ohne jeden Zusammenhang zwei verschiedene Schöpfungsberichte³). Ein dritter Abschnitt behandelt höchst ausführlich die Inkarnationen des Viṣṇu als Eber, Mannlöwe und Zwerg⁴). Dann folgt ein Abschnitt, welcher wie der letzte des II. Buches die Tendenz verfolgt, Viṣṇu- und Śiva-Verehrung miteinander in Einklang zu bringen. Abwechselnd singt Viṣṇu auf Śiva und Śiva auf Viṣṇu einen Hymnus¹). Das nächste Stück handelt wieder von einer Heldentat des Kṛṣṇa, nämlich der Tötung des Königs Pauṇḍra, der sich gegen Kṛṣṇa auflehnt²). Der letzte gröſsere Abschnitt des Harivaṃśa ist die Legende (upākhyāna) von den beiden Śiva-Verehrern Haṃsa und Ḍimbhaka, welche von Kṛṣṇa-Viṣṇu gedemütigt werden³).