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Geschichte der indischen Litteratur v1.c9.s9.2

Geschichte der indischen Litteratur v1.c9.s9.2

Language
German

v1.c9.s9.2

Schon in der kurzen Inhaltsangabe des eigentlichen Heldengedichtes (S. 275—319) muſs dem Leser ein Widerspruch aufgefallen sein, der beim Lesen des Mahābhārata selbst noch mehr hervortritt. Während das Gedicht in seiner jetzigen Gestalt durchaus die Partei der Pāṇḍavas ergreift und die Pāṇḍavahelden nicht nur als über alle Maſsen tapfer, sondern auch als edel und gut schildert, die Kauravas hingegen als falsch und boshaft hinstellt, — erzählt uns doch das Gedicht in merkwürdigem Widerspruch mit sich selbst, daſs alle Helden der Kauravas durch Verrat oder in unehrlichem Kampfe fallen²). Noch auffälliger ist es, daſs aller Verrat von Kṛṣṇa ausgeht, daſs er immer der Anstifter aller Falschheit ist und das Benehmen der Pāṇḍavas verteidigt. Und dies ist derselbe Kṛṣṇa, der in vielen Teilen des Mahābhārata und insbesondere im Harivaṃśa als eine Inkarnation des höchsten Gottes Viṣṇu und als ein wahres Ideal und Vorbild aller Tugend gepriesen und verherrlicht wird.