Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s1.44
Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s1.44
- Language
- German
v2.c16.s1.44
² Aus solchen Wiederholungen und dabei vorkommenden Widersprüchen darf man aber nicht, wie dies Franke (ZDMG 63, 1909, 8 ff.) tut, sofort auf die »Nichtauthentizität und Nichtoriginalität« des Kanons überhaupt schließen. Denn wenn in dem einen Text ein Vers dem Buddha und in dem anderen dem Sāriputta zugeschrieben wird, oder wenn ein Ausspruch nach dem einen Text in Rājagaha, nach dem anderen in Benares getan worden sein soll, so beweist das nur, daß diese legendenhaften Ausschmückungen nicht authentisch sind, es beweist aber nichts gegen die Annahme, daß die Verse und Aussprüche selbst »authentisch« sind, d. h. die alte Lehre des Buddha getreu wiedergeben. Die Argumente Frankes und anderer Kritiker sind vernichtend für den Glauben des orthodoxen Buddhisten, daß jedes Wort des Kanons echt sei und auf Buddha selbst zurückgehe, aber sie beweisen nichts gegen die Annahme der europäischen Gelehrten, die dem Kanon eine gewisse, wenn auch beschränkte Echtheit und Zuverlässigkeit zuerkennen.