Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s2.13
Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s2.13
- Language
- German
v2.c16.s2.13
Aber ganz so wie im Suttavibhaṅga werden auch in den Khandhakās die Regeln und Vorschriften durch Erzählungen eingeleitet²), in denen darüber berichtet wird, wann und bei welcher Gelegenheit sie vom Buddha verkündet wurden. Diese Erzählungen sind natürlich erfunden und haben keinerlei geschichtlichen Wert; zumeist sind sie ganz schablonenhaft und auch vom litterarischen Standpunkt wertlos. Aber glücklicherweise nicht alle. Gleich die ersten Kapitel des Mahāvagga³) enthalten eines der ältesten Bruchstücke einer Buddhalegende. In schöner, altertümlicher Sprache wird hier erzählt, wie Gotama Buddha die Erleuchtung (Bodhi) erlangte, wie er sich entschloß, seine Lehre zu verkünden, und wie er seine ersten Jünger gewann. Hier wird z. B. die Legende von dem edlen Jüngling Yasa erzählt, der in einem Leben voll Üppigkeit aufwächst, die Nächte unter einer Schar von Sängerinnen und Tänzerinnen zubringt, einmal aber mitten in der Nacht aufwacht und die schönen Frauen in verschiedenen häßlichen Stellungen erblickt, bei welchem Anblick ihn Ekel und Überdruß an den Freuden dieser Welt erfaßt; er entflieht dem Leben der Wollust, eilt zum Buddha und wird Mönch. Die spätere Buddhalegende erzählt diese Geschichte von dem Prinzen Siddhārtha, dem nachmaligen Buddha, selbst. Ein eigenartiges Kulturbild entrollt die Geschichte von der Bekehrung einer Schar junger Männer, die mit ihren Weibern ausziehen, um sich zu vergnügen; einer von ihnen, der kein Weib hat, nimmt eine Dirne mit; diese stiehlt den Männern ihre Sachen und läuft davon. Während die jungen Leute sie verfolgen, stoßen sie auf den Buddha und fragen ihn, ob er nicht ein Weib gesehen habe. Der Buddha fragt, ob sie nicht besser täten, sich selbst zu suchen, anstatt ein Weib, und benutzt den Anlaß, ihnen die Lehre zu predigen, worauf sie alle Mönche werden. Auch an Wundergeschichten, in denen Schlangenkönige und Götter eine Rolle spielen, fehlt es nicht. Die schönste aller dieser Bekehrungsgeschichten ist aber die von der Bekehrung der beiden Freunde Sāriputta und Moggallāna, die nachher zu den Lieblingsjüngern des Buddha gehörten¹). Auch die ersten Predigten des Buddha — so die »Predigt von Benares« und die »Feuerpredigt«²) — sind in diesem alten Berichte eingeschlossen.
Cites (1)
- Mahāvagga — Pāli