Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s2.22
Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s2.22
- Language
- German
v2.c16.s2.22
Zu jener Zeit hatte einmal einer der Mönche einen schweren Anfall von Kolik und lag in seinem eigenen Unrat da. Damals machte gerade der Herr mit seinem Begleiter Ehrwürden Ānanda die Runde durch die Schlafstätten und kam zu dem Gemach, wo jener Mönch weilte. Da sah der Herr diesen Mönch in seinem eigenen Unrate daliegen, und nachdem er ihn gesehen, trat er an sein Lager heran und sprach zu ihm: »Was fehlt dir, Mönch?« »»Ich habe Kolik, Herr.«« »Hast du einen Mönch zur Pflege?« »»Nein, Herr.«« »Warum pflegen dich die Mönche nicht?« »»Ich bin den Mönchen zu nichts nütze, darum, Herr, pflegen sie mich nicht.«« Da sprach der Herr zu Ehrwürden Ānanda: »Geh, Ānanda, hole Wasser und laß uns diesen Mönch hier baden.« »»Jawohl, Herr,«« sagte Ehrwürden Ānanda, dem Meister zustimmend, und holte Wasser. Und der Herr goß das Wasser über den Mönch, und Ehrwürden Ānanda wusch ihn ab; der Herr faßte ihn beim Kopf und Ehrwürden Ānanda bei den Füßen, und sie hoben ihn auf und legten ihn auf ein Bett. Da nun, aus diesem Anlaß und bei dieser Gelegenheit, berief der Herr eine Versammlung der Mönchsgemeinde und richtete an die Mönche die Frage: »Ist, ihr Mönche, in dem und dem Gemach ein Mönch krank?« »»Jawohl, Herr.«« »Was fehlt jenem Mönch, ihr Mönche?« »»Er hat Kolik, Herr.«« »Hat er, ihr Mönche, jemand zur Pflege?« »»Nein, Herr.«« »Warum pflegen ihn die Mönche nicht?« »»Dieser Mönch, Herr, ist ihnen zu nichts nütze, darum pflegen ihn die Mönche nicht.«« »Ihr habet, Mönche, weder Mutter noch Vater, die euch pflegen könnten. Wenn ihr, o Mönche, einander nicht pfleget, wer soll euch dann pflegen? Wer, o Mönche, mich pflegen würde, der soll den Kranken pflegen«²).