Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s2.4
Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s2.4
- Language
- German
v2.c16.s2.4
Suttavibhaṅga bedeutet »Erklärung der Suttas«, und zwar sind unter »Sutta«¹ hier die einzelnen Sätze oder Artikel des Pātimokkha zu verstehen. Dies ist ein aus 227 Artikeln bestehendes Sündenregister, welches an den Neu- und Vollmondstagen in feierlicher Versammlung der Mönche, beziehungsweise der Nonnen, vorgetragen wurde, wobei der Leiter der Zeremonie nach jedem Satze die Anwesenden fragte, ob irgend jemand sich der genannten Sünde schuldig gemacht habe. War dies der Fall, so mußte der Sünder seine Schuld bekennen. Die Einführung dieser sogenannten Uposathafeier² geht wahrscheinlich auf Buddha selbst zurück, und das Pātimokkha gehört gewiß zum ältesten Bestand der buddhistischen Litteratur. Der Text dieses Sündenregisters, obwohl in Handschriften als selbständiges Werk überliefert³, gehört als solcher nicht zum Kanon, ist aber im Suttavibhaṅga tatsächlich eingeschlossen. Denn dieses ist nichts anderes als ein alter, zu kanonischem Ansehen gelangter Kommentar zum Pātimokkha. Und zwar wird hier jedes Sutta, d. h. jeder einzelne Artikel, Wort für Wort erklärt, und außerdem einem jeden irgendeine Erzählung vorausgeschickt, in der berichtet wird, wo und bei welcher Gelegenheit der Buddha selbst die betreffende Verordnung erlassen hat¹). Nach den beiden Hauptklassen von Sünden, den Pārājikās, welche Ausstoßung aus dem Orden zur Folge haben, und den Pācittiyās, für welche Sühnen vorgeschrieben sind, benennen sich die beiden Bücher des Suttavibhaṅga.
Linked texts (2)
- Suttavibhaṅga — Pāli
- Pātimokkha — Pāli