Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s3.t2.38
Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s3.t2.38
- Language
- German
v2.c16.s3.t2.38
4. Gleich dem Udāna besteht auch das Itivuttaka¹ (»Also sprach Buddha«²) aus Prosa und Versen. Doch ist hier das Verhältnis zwischen den beiden ein wesentlich anderes. Die Prosa ist keine erzählende, sondern es wird derselbe Gedanke, sei es eine Lehre oder eine Ermahnung, teils in Prosa, teils in Versen vorgetragen. Und zwar ist in vielen Fällen — in etwa 50 von den 112 kurzen Stücken, aus denen das Werk besteht — irgendein Gedanke zuerst in Prosa kurz ausgesprochen und dann nochmals in Versen — nur so weit abweichend, als es die metrische Form³ erfordert — wiederholt. In einigen Fällen hat nur ein Vers ein Gegenstück in der Prosa, während noch mehrere Verse nachfolgen, denen in der Prosa nichts entspricht. Und daran schließen sich die zahlreichen Fälle, in denen Prosa und Verse einander ergänzen, sei es, daß die Prosa nur eine ganz kurze Einleitung zu den in Versen ausgesprochenen Gedanken bildet, oder daß ein Gedanke in der Prosa von einer Seite und in den Versen von einer anderen Seite behandelt wird. In allen diesen Fällen ist im großen und ganzen der Geist der Verse und der Prosa derselbe, und nicht selten ist ein Gedanke in der Prosa schärfer und pointierter, wohl auch schöner ausgedrückt als in den Versen. Trotzdem es an formelhaften Wendungen und den für die buddhistischen Suttas so charakteristischen Wiederholungen auch hier nicht fehlt, ist doch der Stil im allgemeinen frei von übermäßiger Weitschweifigkeit. Es sind fast durchwegs kurze Stücke. Die Sprache ist sowohl in der Prosa wie in den Versen schlicht, ungekünstelt und nicht allzu bilderreich. Ausgearbeitete Gleichnisse fehlen. Jedoch kommen einzelne schöne Bilder vor. So wird der Freigebige, der den frommen Bettlern reichlich spendet, mit der Regenwolke verglichen, die ihre Wasser über Berg und Tal ausgießt (Nr. 75). Schlechte Gesellschaft meidet der Weise, da vom vergifteten Pfeil auch der reine Köcher verunreinigt wird (Nr. 76). Die Sinne sind die Tore, die wohl bewacht werden müssen (Nr. 28 und 29). Buddha nennt sich selbst den unvergleichlichen Heiler und Wundarzt und die Mönche seine Kinder und Erben (Nr. 100). Zu dem erhabensten Schwunge aber erhebt sich die Sprache der Prosa in dem Stücke (Nr. 40) von dem Wohlwollen für alle Wesen (mettā):
Cites (1)
- Itivuttaka — Pāli