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Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s3.t2.92

Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s3.t2.92

Language
German

v2.c16.s3.t2.92

Keinem Zweifel kann es unterliegen, daß die große Mehrzahl der »Nonnenlieder« von Frauen gedichtet worden ist. Vor allem hätten die Mönche nie soviel Sympathie für die weiblichen Mitglieder der Gemeinde aufgebracht, daß wir ihnen zutrauen könnten, sie hätten diese aus den Herzen von Frauen gesungenen Lieder verfaßt. Man erinnere sich nur an die Schwierigkeiten, die nach der Überlieferung Gotama seiner Ziehmutter machte, als diese den Nonnenorden gründen wollte, und an die Vorwürfe, welche dem Ānanda wegen seiner frauenfreundlichen Haltung an mehreren Stellen des Kanons gemacht werden. Aus demselben Grunde wäre es auch den Mönchen nie eingefallen, den Frauen Lieder zuzuschreiben, wenn nicht eine unanfechtbare Überlieferung in diese Richtung gewiesen hätte. Auf die Verschiedenheit in Sprache, Gefühl und Ton zwischen den Mönchs- und den Nonnenliedern hat Mrs. Rhys Davids¹) hingewiesen. Man braucht nur die beiden Sammlungen hintereinander zu lesen, um zu der Überzeugung zu kommen, daß in den Nonnenliedern gar oft eine persönliche Note angeschlagen wird, die den Mönchsliedern fremd ist; daß wir in den letzteren mehr von dem inneren Erleben, in den Liedern der Nonnen häufiger von äußeren Erlebnissen hören, daß in den Mönchsliedern Naturschilderungen, in den Nonnenliedern Lebensbilder überwiegen²).