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Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s5.29

Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s5.29

Language
German

v2.c16.s5.29

So wie der unechte Teil des Milindapañha, so ist die ganze übrige nichtkanonische Pālilitteratur das Werk gelehrter Mönche. Diese beschäftigten sich in ihren Klöstern eifrigst mit dem Studium der kanonischen Texte, deren verhältnismäßig treue Überlieferung wir ihnen verdanken. Sie begnügten sich aber nicht mit dem Lernen und Lehren dieser Texte, sondern bemühten sich von Anfang an auch um deren Erklärung. So entstand eine umfangreiche Kommentarenlitteratur, von der ja auch schon einiges in den Kanon selbst aufgenommen worden ist ¹). Und wenn wir den orthodoxen Buddhisten von Ceylon auch nicht glauben können, daß die Aṭṭhakathās, d. h. die »Sinneserklärungen« oder »Kommentare«, seit dem ersten Konzil mit den Texten des Tipiṭaka überliefert, von Mahinda ins Singhalesische übersetzt, unter Vaṭṭagāmaṇi aufgezeichnet und von Buddhaghosa (5. Jahrh. n. Chr.) ins Pāli übertragen worden seien ²), so hat doch ohne Zweifel die exegetische und schriftstellerische Tätigkeit der Mönche unmittelbar nach der Zusammenstellung der Texte bereits in Indien begonnen, und zwar im Pāli, der Sprache des Kanons. Als aber die Theravāda-Schule in Indien selbst mehr und mehr durch andere buddhistische Sekten und Schulen verdrängt wurde, waren es die Klöster von Ceylon ³), in denen das Studium der Theravādatexte eine dauernde Pflegestätte fand. Was an Pālikommentaren vorhanden war, wurde ins Singhalesische übersetzt. Nur die Verse — teils Memorialverse, teils Verse von erzählenden Stücken — ließ man unverändert in Pāli. Die Mönche von Ceylon arbeiteten aber in dieser Richtung selbständig weiter, schrieben singhalesische Kommentare, versuchten sich auch im Pāli, namentlich in Pāliversen, und brachten es darin zu solcher Vollkommenheit, daß ein Buddhaghosa im 5. Jahrhundert bereits ein elegantes Pāli schreibt und daran geht, auch die singhalesischen Kommentare in die heilige Pālisprache zu übersetzen oder zurückzuübersetzen.