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Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s5.57

Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s5.57

Language
German

v2.c16.s5.57

Der Dhammapadakommentar²) bildet in der Tat eine wertvolle Ergänzung zum Jātakakommentar und enthält gleich diesem viele alte, volkstümliche Erzählungsstoffe, von denen manche auch weit über Indien hinaus in der Weltlitteratur bekannt sind. So finden wir hier die Geschichte von einem König von Benares, der wie Harun al Raschid nachts in der Stadt umhergeht, das Märchen vom »Doktor Allwissend« u. a. Hier begegnet uns auch die berühmte Erzählung von Kisā-Gotamī, der Mutter, die ihr totes Kind im Arm verzweifelt umherirrt und zum Buddha kommt, der ihr sagt, er könne ihr Kind wieder ins Leben zurückrufen, wenn sie ihm ein Senfkorn bringe; doch müsse dieses Senfkorn aus einem Hause kommen, in dem nie ein Mensch gestorben sei. Vergebens irrt die Mutter von Haus zu Haus, bis sie endlich erkennt, daß der Meister ihr nur die große Wahrheit von der Allgemeinheit des Sterbens beibringen wollte, und getröstet wird sie ein Mitglied der Gemeinde des Buddha. Die Legende erweist sich schon dadurch, daß sie zu dem uns wohlbekannten Typus der »Trostgeschichten« gehört, als echt indisch. Wenn wir daher einer ähnlichen Anekdote in der Alexandersage — in einigen Versionen des Pseudokallisthenes sowie in arabischen, jüdischen, persischen und koptischen Erzählungen von Alexander — begegnen, so ist es wahrscheinlicher, daß die buddhistische Legende die griechische Sage beeinflußt hat, als daß sie, wie Rohde gemeint hat, zuerst auf griechischem Boden entstanden ist¹). Wenn wir aber in dem Roman von Udena und Vāsuladattā²) lesen, wie der König Pajjota, um den Udena in einen Hinterhalt zu locken und ihn in seine Gewalt zu bekommen, einen hölzernen Elefanten verfertigen ließ, in dem er sechzig Krieger verborgen hatte, so werden wir hierin eher einen Widerhall der nach Indien gedrungenen Sage vom trojanischen Pferd sehen.