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Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s5.78

Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s5.78

Language
German

v2.c16.s5.78

Paṭācārā ist die Tochter eines reichen Großkaufmanns in Sāvatthi. Sie verliebt sich in einen im Hause bediensteten Arbeiter und läßt sich von ihm entführen. Nachdem sie schwanger geworden, möchte sie gerne zu den Eltern zurückkehren. Der Mann ist einverstanden, schiebt aber die Abreise von Tag zu Tag auf, bis sie endlich allein geht. Er folgt ihr nach und holt sie gerade in dem Augenblicke ein, wo sie, mitten auf der Straße von Wehen befallen, einem Kinde das Leben schenkt. Da kehren sie wieder zurück. Dasselbe wiederholt sich bei der Geburt des zweiten Kindes. Aber während die Frau wieder auf dem Wege entbunden wird, erhebt sich ein großer Sturm. Ihr Mann macht ihr ein Schirmdach aus Zweigen. Während er Gras schneidet, um es zu bedecken, wird er von einer Schlange gebissen und stirbt. Traurig zieht die Mutter mit ihren beiden Kindern weiter. Sie kommt zu einem Strom, über den sie nicht mit beiden Kindern gelangen kann. Da läßt sie den älteren Knaben am Ufer zurück und trägt den jüngeren hinüber, legt diesen nieder und kehrt zu dem älteren zurück. Während sie mitten im Strom ist, kommt ein Habicht auf das jüngere Kind zugeflogen. Sie erhebt die Hände, um den Vogel zu verscheuchen. Das sieht der ältere Knabe, glaubt, daß ihm die Mutter winke, zu ihr zu kommen, geht ins Wasser und wird fortgeschwemmt. Währenddessen hat auch schon der Habicht das jüngere Kind entführt¹. Schmerzerfüllt setzt die Frau ihren Weg nach Sāvatthi fort. Dort angelangt, erfährt sie, daß ihr Elternhaus von einem Wirbelwind fortgerissen und ihre Eltern umgekommen seien. Eben werden sie auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Da bricht die Unglückliche in Jammern und Wehklagen aus, reißt sich die Kleider vom Leib und irrt nun tagelang nackt und wahnsinnig umher. Endlich begegnet sie eines Tages dem Buddha, der gerade predigt. Und der Meister läßt sein Gefühl des Wohlwollens über sie ausströmen und sagt: »Schwester, komm wieder zu Verstand! Schwester, komm wieder zu Sinnen!« Sowie sie die Worte des Meisters hört, kommt Scham über sie. Ein Mann wirft ihr ein Kleidungsstück zu, und sie bedeckt sich. Durch einen Vers des Buddha wird sie völlig bekehrt, und sie ist später eine der angesehensten Nonnen in der Gemeinde geworden.